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Russland : 100 Orca- und Belugawale schmachten im "Wal-Gefängnis"

Elf Orca- und 90 Belugawale werden laut Tierschützern im Osten Russlands in einer Bucht am Japanischen Meer festgehalten. Sie sollen offenbar nach China verkauft werden, für eine Millionen-Summe.

Russland, Nakhodka: In der Bucht werden nach Darstellung von Tierschützern rund 100 Wale, Oscas und Belugas, gefangen gehalten

Russland, Nakhodka: In der Bucht werden nach Darstellung von Tierschützern rund 100 Wale, Oscas und Belugas, gefangen gehalten

DPA

Mehr als 100 Meeressäugetiere werden nach Erkenntnissen von Tierschützern in einer Bucht in der Nähe der russischen Stadt Wladiwostok gefangen gehalten. Wie die Zeitung "Nowaja Gazeta" berichtet, handelt es sich um elf Orca- und 90-Belugawale, die in kleinen Becken eingepfercht sind. Laut dem Leiter der Organisation Sakhalin Environmental Watch, Dmitri Lisitsyn, sollen die Tiere für den Verkauf ins Ausland eingefangen worden sein. Der Umweltschützer spricht von einem "Wal-Gefängnis". "Tiere, die es gewohnt sind, bis zu 100 Kilometer am Tag zurückzulegen, werden in kleinen Zellen gefangen gehalten", sagte er der "Nowaja Gazeta".

Aufnahmen, die Journalisten mit Hilfe einer Drohne vom abgeriegelten Becken bekommen konnten, zeigen mehrere Gehege, in denen jeweils etwa zehn weiße Beluga-Wale schwimmen.

Nach Angaben von Lisitsyn wurden die Wale im Zeitraum zwischen dem 16. Juli und dem 21. Oktober dieses Jahres eingefangen. "Nowaja Gazeta" liegen zudem Informationen vor, wonach die Tiere bereits im kommenden Dezember nach China exportiert werden sollen.

Behörden prüfen die Betreiber des "Wal-Gefängnisses" 

Zwischen 2013 und 2016 sind 13 Orcas aus Russland nach China verkauft worden, schreibt die russische Zeitung weiter. Der Gesamtwert der Transaktionen betrug rund 700 Millionen Rubel, umgerechnet etwa 9,2 Millionen Euro. Der durchschnittliche Preis für ein Tier liegt also bei etwa 700.000 Euro.

In Russland exportieren mehrere Firmen Tiere ins Ausland: Sochi Dolphinarium LLC, Afalina LLC, Fernost-Ozeanarium und "Weißer Wal". Diese Firmen betreiben auch offenbar das "Wal-Gefängnis" nahe Wladiwostok. Am Donnerstag gab die russische Aufsichtsbehörde bekannt, dass dort mehrere Verstöße gegen die Tierhaltungsgesetze festgestellt wurden. Die vier Unternehmen würden unter anderem die Räumlichkeiten für die Zubereitung von Futter und die Behälter für die Lagerung von gefrorenen Fischprodukten nicht desinfizieren. Zudem gebe es keine Anlagen zur Säuberung des Wassers.

Nun prüft die Behörde, warum den Unternehmen die Genehmigung zum Fang der Tiere erteilt wurde. "Die Fanggenehmigung wurde zu Unrecht ausgestellt, wir werden diese Entscheidung gerichtlich anfechten und werden Recht bekommen, da bin ich mir sicher", sagte der Leiter der Greenpeace-Forschungsabteilung der "Nowaja Gazeta". Greenpeace forderte die russischen Behörden zudem auf, ein Exportverbot zu verhängen. Dann müssten die Wale wieder freigelassen werden.

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ivi
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