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Meinung

Hausarrest für Stubentiger?: Warum Hobbygärtner für Vögel viel gefährlicher sind als Katzen

Zwei Juristen fordern ein Ausgehverbot für Katzen zum Schutz von Wildvögeln. Dabei wäre es hierzulande sinnvoller, die Vogelwelt vor dem Eifer mancher Hobbygärtner zu schützen.

Eine getigerte Katze schaut aufmerksam

Katzen fangen Vögel, das stimmt. Aber das Artensterben in Deutschland geht nicht auf ihr Konto.

DPA

Ja, es stimmt: Katzen fressen so ziemlich alles, was sie fangen können – Mäuse, Vögel, Eidechsen oder Frösche. Sie haben einen starken Jagdtrieb, und in manchen Regionen der Welt, beispielsweise in Australien, sind die Tiere zur Plage geworden, weshalb sie massenhaft getötet werden.

Auch in Europa sind Katzen bei vielen Naturliebhabern nicht sonderlich beliebt – vor allem, wie sie Vögel fangen, große Sympathieträger in unseren Gärten. Zwei niederländische Juristen haben daher in dieser Woche gefordert, dass Katzen in der Europäischen Union nicht mehr frei herumstreunen dürfen.

Streunverbot für Katzen ist Tierquälerei und würde wenig bringen

Ein dauerhafter Stubenarrest für Katzen, um das Artensterben in Europa zu stoppen? Das wäre nicht nur Tierquälerei an Katzen, es würde auch für die Artenvielfalt bei uns kaum etwas bringen. Noch nicht einmal der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) – per se kein großer Katzenfanclub - jubelte, als der Vorschlag des Stubenarrests für Stubentiger publik wurde. Zwar müsse man das Katzenproblem ernst nehmen, sagte ein Vogelexperte des Verbandes zum Vorschlag der beiden Niederländer. Mancherorts wäre so etwas bei einer Gefährdung lokaler Populationen durchaus sinnvoll. Flächendeckend sei eine solche Maßnahme rechtlich aber nicht begründbar.

Einfacher ausgedrückt könnte man die Worte des Naturschützers übersetzen: Ein generelles Ausgehverbot für Katzen löst nicht das Problem des Artensterbens und wäre rechtlich nicht durchsetzbar.

Denn die größten Ursachen fürs Artensterben liegen woanders – Umweltverschmutzung, Klimaerwärmung oder die Zerstörung von Lebensräumen. Vor allem letzteres gilt als das größte Problem für unsere Wildvögel. Die angestammte Schwalbenpopulation wird also beispielsweise nicht deshalb komplett ausgerottet, weil Miezi so gern auf Beutezug geht – sondern weil die Vögel keine Nistmöglichkeiten mehr finden oder die Nahrung knapp wird.

Gärten ohne Vögel und andere Wildtiere

Oft wird auch dort Lebensraum zerstört, wo man eigentlich für Wildtiere eine Menge tun könnte: in den Gärten und Grünflächen unserer Städte und Dörfer. Manche Hobbygärtner machen mehr Lebensraum kaputt und vertreiben mehr Wildvögel, als Nachbars dicker Kater je fangen könnte. Wer aufmerksam durch Siedlungen mit Gärten in Deutschland geht, wird feststellen, dass Wildtiere dort schlechte Karten haben. Da werden große eintönige Rasenflächen angepflanzt oder ausgerollt, wo keine Blume blüht und kein Insekt Nektar oder Pollen findet, jedes Unkraut wird gejätet. Viele Vögel aber ernähren sich nun einmal von Insekten. Anstatt heimischer Pflanzen mit Beeren oder Nüssen als Nahrung für Wildtiere steht in vielen Gärten eintöniges Immergrün. Am besten exotisch und schön pflegeleicht.

Noch pflegeleichter wird es, wenn der Garten gar kein natürliches Grün mehr bietet – sondern das Areal aus Steinen oder Kunstrasen besteht. Es gibt inzwischen Instagramprofile, die solche "Gärten des Grauens" sammeln und anprangern.

Ohne Würmer und Insekten keine Vögel

Alles soll schön ordentlich aussehen. Deshalb harken viele Hobbygärtner auch das Laub im Herbst weg und räumen alles auf. Würmer und Käfer, die Vögeln als Nahrung dienen? Haben hier keinen Platz. Eine streunende Katze wird in solchen Gärten kaum einen Vogel fangen – denn viele Gärten, in denen sich Hobbygärtner richtig ausgetobt haben, sind nahezu tierfrei.

Bevor wir also unsere Zeit mit Debatten über ein Streunverbot für Katzen verschwenden, das ohnehin wohl niemals kommen wird, sollten wir uns besser die Grünflächen vor unserer Tür ansehen und sie so gestalten, dass Vögel und andere Wildtiere wieder ein Zuhause haben.