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Ermittlungen dauern an Verdächtiger von Volkmarsen: Untersuchungshaft wegen Mordversuchs

Ein Autofahrer fährt während des Rosenmontagsumzugs im nordhessischen Volkmarsen in die Menge. Schnell macht in den sozialen Netzwerken ein Bild des vermeintlichen Täters die Runde – ein Irrtum. Die Polizei Nordhessen stellt auf Twitter klar: 
"Derzeit kursieren Fotos, die die angebliche Festnahme des Täters zeigen sollen. Bei der abgebildeten Person handelt es sich definitiv nicht um den Täter. Teilen Sie keine Falschnachrichten!"
Komiker und Youtuber als Sündenböcke
Doch was kann man tun, um solchen Fake-Infos nicht aufzusitzen? Nach Anschlägen oder aufsehenerregenden Verbrechen kursieren in den sozialen Netzwerken, über Messenger-Dienste oder in anderen Online-Communitys sehr schnell Bilder vom angeblichen Geschehen. Ein Beispiel: Immer wieder werden Bilder des US-Komikers Sam Hyde nach Anschlägen, Attentaten und Amokläufen gepostet. Auch der deutsche Youtuber "Drachenlord" muss als Online-Sündenbock herhalten. Fallen Sie als bei diesen Gesichtern nicht auf die Falschnachricht rein.
Eine umgekehrte Bildersuche schafft Klarheit
Kursieren vermeintlich neue Bilder im Netz, ist eine umgekehrte Bildersuche mit beispielsweise Google oder Tineye empfehlenswert. Auf Google klickt man auf den Schriftzug "Bilder" am rechten, oberen Bildschirmrand und im Anschluss auf das Kamera-Icon in der Suchleiste. Anschließend zieht man einen Screenshot des vermeintlichen Täters per Drag-and-drop auf die Suchleiste. In unserem Fall ein Foto von Comedian Sam Hyde. Das erste Ergebnis der Suche: Ein Artikel der "New York Times", der erklärt, dass es sich bei dem vermeintlichen Täter um einen Komiker handelt. 
Nicht jede umgekehrte Bildersuche führt zu einem so passenden Artikel, aber häufig reicht schon das Datum aus, um einen Fake zu überführen. Wenn ein Bild, das angeblich eine heute verübte Tat zeigt, bereits seit Jahren im Internet zu sehen ist, handelt es sich um einen Fake.


Wie untersuchen wir in der Redaktion Videos auf Manipulation? Dabei ist ein Blick auf die Details wichtig. Die Einzelbilder eines Videos verraten oft, ob ein Video bearbeitet wurde. Wir schauen uns Bild für Bild genau an und vergrößern einzelne Ausschnitte. Indizien für einen Fake sind zum Beispiel: fehlende Bewegungsunschärfe, unnatürlicher Schattenwurf oder Schnittfehler. Beim stern gilt generell: Seriosität vor Schnelligkeit. Wir checken Fakten und Material immer gründlich gegen, bevor wir sie veröffentlichen. Dafür arbeiten wir mit dem redaktionsübergreifenden "Team Verifikation" zusammen mit RTL, NTV, RTL2, Radio NRW.
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Der Autofahrer, der beim Rosenmontagszug im nordhessischen Volkmarsen mehr als 60 Menschen verletzt haben soll, muss in Untersuchungshaft – ihm wird unter anderem versuchter Mord vorgeworfen.

Gegen den Autofahrer, der beim Rosenmontagszug im nordhessischen Volkmarsen mehr als 60 Menschen verletzt haben soll, ist Untersuchungshaft angeordnet worden. Dem 29-jährigen Deutschen werden versuchter Mord, gefährliche Körperverletzung und gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr vorgeworfen, wie die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Dienstagabend mitteilte. Die Ermittlungen zum Motiv dauerten an, hieß es weiter. Es werde "in alle Richtungen ermittelt".

Der Mann ist nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft dringend verdächtig, beim Rosenmontagsumzug in Volkmarsen sein Fahrzeug bewusst in Tötungsabsicht in eine größere Personengruppe gesteuert zu haben". Nach dem derzeitigen Stand der Ermittlungen wurden dabei 61 Menschen im Alter von 2 bis 85 Jahren verletzt - einige von ihnen schwer. Unter den Opfern befinden sich 20 Kinder. Das Amtsgericht Kassel habe die Untersuchungshaft gegen den Tatverdächtigen auf Antrag der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt angeordnet.

Volkmarsen: Verdächtiger war nicht betrunken

Der Verdächtige war nach Behördenangaben nicht betrunken. Ob er unter Drogeneinfluss gestanden habe, stehe noch nicht fest, hatte ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Dienstagnachmittag erklärt.

Am Dienstagabend besuchten Hunderte Menschen einen ökumenischen Gottesdienst, an dem auch der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier und Innenminister Peter Beuth (beide CDU) teilnahmen. Der Fuldaer Bischof Michael Gerber rief die Menschen zum Zusammenhalt auf. Die Tat könne man nicht verstehen, sagte der katholische Geistliche laut Redemanuskript. Die Bischöfin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Beate Hofmann, sagte, das Geschehene habe das Leben in Volkmarsen radikal verändert, doch Gott sei auch in diesen dunklen Momenten bei den Menschen.

tim DPA

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