HOME

Flugzeugabsturz im Iran: Darum befanden sich viele Kanadier an Bord der abgestürzten Maschine

Eine große Zahl der Opfer der in Teheran abgestürzten Passagiermaschine waren kanadische Staatsbürger oder lebten in dem Land. Viele von ihnen waren Studenten. Warum sie diese Flugverbindung wählten.

Neue Aufnahmen zeigen offenbar den Abschuss der ukrainischen Passagiermaschine nahe Teheran.

In der kanadischen Stadt Edmonton herrschen nach dem Flugzeugabsturz in Teheran Trauer und Bestürzung. Am Mittwoch versammelten sich dort rund 100 Mitglieder der iranischen Gemeinde und Freunde der Opfer zu einer Totenwache. 30 der insgesamt 176 Opfer stammten aus der Stadt in der Provinz Alberta.

Dazu gehört zum Beispiel ein Ehepaar mit seinen beiden Töchtern, 14 und neun Jahre alt. Pedram Mousavi und Mojgan Daneshmand waren beide Professoren für Ingenieurswesen. "Sie waren eines der glücklichsten Paare, das ich je in meinem Leben kennengelernt habe", sagte eine Freundin der Zeitung "The Star". "Ich möchte, dass man sich an sie als Symbol der Liebe erinnert, als Mitglieder der Gemeinde, die mit Hingabe viel für die Gemeinschaft geleistet haben. Sie waren großartige Lehrer für ihre Schüler."

Trauernde in der Stadt Edmonton, wo 30 Opfer des Flugzeugabsturzes  von Teheran lebten

Trauernde in der Stadt Edmonton, wo 30 Opfer des Flugzeugabsturzes von Teheran lebten

DPA

US-Sanktionen schränken das Flug-Angebot stark ein

Eine andere große Opfergruppe aus Edmonton waren Gäste einer Hochzeit in Teheran und das frisch vermählte Ehepaar. Arash Pourzarabi, 26, und Pouneh Gorji, 25, hatten sich am 1. Januar das Jawort gegeben und wollten mit ihren Freunden zurück in das Land fliegen, in dem sie lebten.

Kanadische Zeitungen wie das "Edmonton Journal" oder "The Star" aus Toronto berichten ausführlich über Opfer und Hinterbliebende wie die aus Edmonton, schließlich waren 57 der insgesamt 176 Toten kanadische Staatsbürger. 75 weitere Passagiere wollten ebenfalls über Kiew nach Kanada fliegen. Die meisten davon lebten in Kanada, viele von ihnen waren Studenten, die an den Universitäten des Landes eingeschrieben waren.

Aber warum befanden sich ausgerechnet so viele Kanadier an Bord der Maschine? Younes Zangiabadi vom iranisch-kanadischen Kongress sieht die US-Sanktionen gegen den Iran als einen Grund. Die Sanktionen hätten dafür gesorgt, dass große Fluglinien wie Air France, British Airways und KLM ihre Flüge in die iranische Hauptstadt eingestellt hätten. Der Verbindung über Kiew sei eine der wenigen günstigen Möglichkeiten, die übrig geblieben seien, und deshalb gerade unter Studenten beliebt, erklärte er. Auch Turkish Airlines biete die Verbindung an, sei aber im Vergleich viel teurer. 

Flugzeug versuchte noch zurückzufliegen

Was sich genau an Bord des Fluges PS752 abgespielt hat, wird noch zu klären sein. Alle Hinweise sprechen dafür, dass eine iranische Flugabwehrrakete das Flugzeug getroffen hat. Iranische Ermittler haben bestätigt, dass die Piloten noch versucht haben, das Flugzeug zu wenden und zum Flughafen zurückzukehren.
 

Hinweis: Die kanadische Regierung hat die Zahl seiner bei dem Flugzeugabsturz im Iran ums Leben gekommenen Staatsbürger nach unten korrigiert. Bei dem Absturz seien 57 Kanadier getötet worden, sagte Außenminister François-Philippe Champagne am Freitag bei einer Pressekonferenz. Bislang war die Regierung von 63 getöteten Kanadiern ausgegangen. Dem Minister zufolge basieren die neuen Angaben auf zusätzlichen Informationen zu Geburtsdaten und Vergleichen von Reisedokumenten, welche die Passagiere beim Boarding bei sich gehabt hätten. Wir haben die entsprechende Stelle im Text geändert.

Quellen: "Süddeutsche Zeitung""Global News Radio", , "Toronto Star", "Edmonton Journal"