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Fragen und Antworten Wer ist verantwortlich für das Ammoniumnitrat im Hafen von Beirut?

Sehen Sie im Video: Luftaufnahmen über Hafen in Beirut – so sieht es nach der Explosion im Hafen aus.


Verheerende Aufnahmen aus Beirut:


Diese Bilder aus der Luft zeigen die libanesische Hauptstadt am Tag nach der Explosion.


Das Hafengelände ist fast völlig zerstört.


Am Dienstagabend erschüttert eine riesige Explosion weite Teile der Stadt.


Dabei kommen mehr als hundert Menschen ums Leben, Tausende werden verletzt.


Retter suchen am Tag nach der Detonation nach Überlebenden.


Die Ursache für die Explosion ist noch unklar.


Viele Hinweise deuten auf die Entzündung einer großen Menge an Ammoniumnitrat hin.


Nach offiziellen Angaben waren seit mehreren Jahren 2750 Tonnen davon im Hafen gelagert.


Die Explosion soll bis nach Zypern zu spüren gewesen sein.
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Jahrelang lagerte die hochexplosive Chemikalie im Hafen von Beirut - bis es zur verheerenden Explosion kam. Ein Grund, dass sich niemand zuständig fühlte, ist möglicherweise die grassierende Korruption.

Sechs Jahre lang sollen mehr als 2700 Tonnen gefährlichen Ammoniumnitrats ohne Vorsichtsmaßnahmen am Hafen von Beirut gelagert worden sein - bis sie am Dienstag explodierten. Die libanesische Hauptstadt ist zu großen Teilen verwüstet, mehr als hundert Menschen starben, Tausende wurden verletzt, bis zu 300.000 Menschen sind obdachlos geworden. Im Libanon hat die Suche nach den Verantwortlichen und den Ursachen für die Katastrophe begonnen:         

Wer wusste von dem Ammoniumnitrat?

Hafenbehörden, Zoll- und Sicherheitsdienste waren sich alle bewusst, dass gefährliche Chemikalien im Hafen gelagert wurden. Nun schieben sie sich gegenseitig die Verantwortung für das Unglück zu, wie es aus Sicherheitskreisen heißt. Die Regierung forderte am Mittwoch die Verhängung von Hausarrest für die Verantwortlichen der heruntergekommenen Lagerhalle, in der nach vorläufigen Angaben ein Feuer ausbrach, das zur Explosion führte.          

Woher stammt das Ammoniumnitrat?

Nach Angaben aus Sicherheitskreisen soll der unter moldauischer Flagge fahrende Frachter "Rhosus" 2013 für einen Stopp auf seinem Weg von Georgien nach Mosambik den Hafen in Beirut angefragt haben. An Bord des Schiffes befanden sich 2750 Tonnen Ammoniumnitrat, das unter anderem zur Herstellung von Sprengstoff gebraucht, aber auch als Düngemittel verwendet wird. Laut der Webseite Marine Traffic kam das Schiff am 20. November 2013 in Beirut an - und legte dort niemals wieder ab.

Warum wurde das Schiff entladen?

Libanesischen Sicherheitsquellen zufolge reichte eine libanesische Firma während des Transits der "Rhosus" in Beirut eine Beschwerde gegen das Frachtunternehmen ein. Die örtliche Justiz beschlagnahmte daraufhin die "Rhosus". Die Ladung wurde in den Hangar Nr. 12 gebracht, der beschlagnahmten Gütern vorbehalten war. Das Schiff wurde beschädigt und sank schließlich.     

Im Juni 2019 leiteten die libanesischen Sicherheitsbehörden eine Untersuchung zur Fracht ein, nachdem wiederholt Informationen über üble Gerüche aus der Lagerhalle eingegangen waren. In ihrem Bericht heißt es, dass der Hangar "gefährliche Materialien enthält, die bewegt werden müssen". Die Ermittler wiesen auch auf Risse an den Wänden des Lagers hin, die einen Einbruch ermöglichten und empfahlen eine Renovierung des Lagers. Die Hafenverwaltung nahm sich schließlich der Arbeiten an. Die Reparaturarbeiten sollen nach Angaben aus Sicherheitskreisen Auslöser für die Explosionskatastrophe gewesen sein.

Warum blieb das Ammoniumnitrat in Beirut?  

Normalerweise wird die Chemikalie unter strengen Sicherheitsvorkehrungen gelagert: So muss sie etwa von Brennstoffen und Wärmequellen ferngehalten werden. In vielen EU-Ländern muss Ammoniumnitrat zudem mit Kalk versetzt werden, um es sicherer zu machen. Nach den Explosionen veröffentlichte der Zolldirektor Badri Daher einen auf Dezember 2017 datierten Brief, in dem er die Staatsanwaltschaft bat, das weiße, geruchlose Salz entweder ins Ausland zu verlagern oder es an ein örtliches Unternehmen zu verkaufen.

Laut Riad Kobaisi, einem auf Korruptionsfälle spezialisierten libanesischen Enthüllungsjournalisten, versuchen die Zollbehörden, jegliche Verantwortung von sich zu weisen. Grundsätzlich sei es jedoch verboten, solche Chemikalien ohne Genehmigung überhaupt in den Libanon einzuführen. Für ihn zeige der Fall das Ausmaß der Korruption innerhalb des Zolls, der die Haupt-, aber nicht die ausschließliche Verantwortung für die Tragödie trage.

tis/ Rouba El Husseini AFP

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