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Bilanz nach Unwetter Paderborn am Tag nach dem Tornado: Verheerende Schäden, Lob für die Retter, Polizei kritisiert Schaulustige

Bilanz nach Unwetter: Paderborn am Tag nach dem Tornado: Verheerende Schäden, Lob für die Retter, Polizei kritisiert Schaulustige
Sehen Sie im Video: Lebensgefahr in Paderborn: Tornado fegt über Großstadt hinweg






STORY: Tornado in Paderborn. Spontane Amateur-Aufnahmen von Passanten in der Stadt im Osten von NRW am Freitag, während eine Windhose über das Gebiet hinwegfegt. Dutzende Personen wurden offiziellen Angaben zufolge verletzt. Davon mehrere schwer. Auch in Lippstadt meldete die Feuerwehr am Freitag einen Tornado, während zuvor schwere Gewitter, Regen und Wind verzeichnet wurden. Die Deutsche Bahn meldete in Folge des Unwetters zahlreiche Störungen im Zugverkehr. Inzwischen zog das Tief „Emmelinde“ in Richtung Osten ab. Allerdings rechnet der Deutsche Wetterdienst in der Nacht zu Sonntag mit teils unwetterartigen Gewittern im Süden des Landes.
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Einen Tag nach dem verheerenden Tornado gaben die Behörden in Paderborn einen Überblick über die Schäden. Kritik übten sie an Schaulustigen, die Rettungseinsätze behindert hätten. Ministerpräsident Wüst hat derweil seinen Besuch angekündigt.

Der Tornado, der am Freitag durch Paderborn gefegt ist, hat nach Schilderung von Bürgermeister Michael Dreier mit enormer Kraft in mehreren Stadtteilen massive Zerstörungen angerichtet. "Im Riemeke-Park sind sprichwörtlich die Bäume umgeknickt wie Streichhölzer. Es sind unzählige Dächer komplett mit den Pfannen entdacht worden. Es sind viele Scheiben eingeschlagen worden durch den Wind", sagte CDU-Politiker Dreier am Samstag in einer Pressekonferenz. Der Tornado verursachte nach Angaben der Behörden am Freitag in einem Korridor von West nach Ost, der ungefähr 300 Meter breit ist und sich über fünf Kilometer Länge mitten durch die Stadt zieht, erhebliche Zerstörungen.

Paderborn Tornado
Bürgermeister Michael Dreier zeigt den Korridor, in dem sich der Tornado durch Paderborn bewegt hat
© Stadt Paderborn

Im Herzen der Stadt, wo der neue zentrale Busbahnhof entstehe, seien Ampeln wie Streichhölzer umgeknickt worden. Auf einen Bus seien Bäume gestürzt, dabei sei glücklicherweise kein Mensch schwer verletzt worden. Der Tornado habe rund um das Quellgebiet der Pader unzählige Dächer und Scheiben zerstört, Wohnungen unbewohnbar gemacht.

"Es ist ein unvorstellbares Bild gewesen und ist es nach wie vor", betonte er. Am Liborianum sei das Dach sehr stark zerstört worden. Die Dachpfannen hätten sich in benachbarte Häusern in den Putz "gefressen". In einem Gewerbegebiet seien Betriebe komplett zerstört worden. Durch den Tornado sind nach seinen Worten Leitplanken wie Papierschnitzel durch die Gegend geflogen.

Augenzeugenvideos wie das untenstehende dokumentierten den Grad der Verwüstung:

Kritik an Schaulustigen, Lob für Hilfsbereite in Paderborn

Die große Hilfsbereitschaft der Bevölkerung wurde von Behördenseite gemeinhin gelobt. Doch es gab auch Kritik an Bürgerinnen und Bürgern, die die Aufräum- und Rettungsarbeiten behinderten. "Die Bereitschaft der Menschen zu helfen war immens", sagte der Leitende Polizeidirektor von Paderborn, Ulrich Ettler. "Es gab leider auch einige Bürger, die so dreist waren, Absperrbänder zu missachten und die Arbeit der Rettungskräfte zu behindern."

Es sei immer wieder vorgekommen, dass einzelne die Absperrungen durchbrechen wollten. Die Aufräumarbeiten würden noch einige Zeit in Anspruch nehmen: "Ich kann nur nochmal appellieren: Halten Sie sich an die Absperrungen, halten Sie Rettungswege frei. Schaulustige haben in der Innenstadt nichts zu suchen", sagte Ettler.

Auch das Hauptdienstgebäude der Polizei in Paderborn wurde nach Angaben Ettlers schwer beschädigt. "Das Dienstgebäude liegt im Zentrum der zerstörerischen Schneise. Dieser Tornado hat uns direkt erwischt. Es gibt dort eine Vielzahl abgeknickter Bäume. Ein Dach des Polizeipräsidiums ist abgedeckt worden." Ein Polizist wurde bei einem Einsatz leicht verletzt, als er mit Kollegen zwei Menschen aus einem eingeklemmten Fahrzeug retten wollte. Ein Baum krachte durch die Windschutzscheibe eines Feuerwehrlöschfahrzeugs, wobei die beiden Insassen unverletzt blieben.

Nach Angaben der Stadt gab es wegen des Unwetters mehr als 200 Einsätze der Paderborner Feuerwehr mit über 400 Einsatzkräften. Insgesamt habe es 43 Verletzte gegeben, darunter 13 Schwer- und eine Schwerstverletzte. NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst und Innenminister Herbert Reul haben Dreier zufolge ihren Besuch in Paderborn angekündigt.

Lesen Sie zum Thema Tornados bei stern Plus: Kommt es durch den Klimawandel womöglich bald noch schlimmer?

rös DPA

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