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Transgene Affen: Wie Genforscher der menschlichen Intelligenz auf die Schliche kommen wollen

Seit Jahrzehnten grübeln Genetiker darüber, was unser Gehirn so einzigartig macht. In China pflanzten Forscher Affen jetzt menschliche Gene ein, um des Rätsels Lösung auf die Spur zu kommen. Kann das funktionieren?

Affen sitzen auf einem Zaun

Chinesische Forscher haben die Gene mehrerer Affen verändert und deren Intelligenz getestet. 

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Das menschliche Gehirn ist zweifelsohne eins der größten Meisterwerke der Evolution. Zugleich versuchen Forscher aus aller Welt seit Jahrzehnten zu verstehen, wie sich der menschliche Verstand im Laufe von Jahrmillionen entwickelt und weiterentwickelt hat. Ebenso interessant wie umstritten ist ein Experiment, das chinesische und amerikanische Wissenschaftler bereits vor einigen Jahren in einem eigens dafür gebauten Forschungszentrum in Südchina gestartet haben. Auch sie wollen herausfinden, welche Gene das menschliche Gehirn verändern. Dafür infizierten sie zunächst knapp ein Dutzend Rhesusaffen-Embryos mit einem Virus, der die menschliche Version des Gens MCPH1 in sich trug. Von diesem vermuten sie, dass es bei der Reifung des Nervensystems eine Rolle spielt. Ende März veröffentlichten sie in der Fachzeitschrift "National Science Review" erste Ergebnisse ihrer Arbeit. 

Kleine Erfolge, große Ambitionen 

Demnach bescheinigten der an der Studie beteiligte Genetiker Bing Su und seine Kollegen den transgenen Affen ein besseres Kurzzeitgedächtnis. Zudem sollen die fünf Primaten eine kürzere Reaktionszeit gezeigt haben als die Wildrhesusaffen der Kontrollgruppe. Aus weiteren Experimenten erhoffen sich die Forscher noch tiefere Einblicke dazu, was den Menschen und sein Gehirn so einmalig macht. Zudem wolle man sich auf neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer und sozialen Verhaltensstörungen konzentrieren, heißt es in der Studie. Diese seien auf andere Weise sehr schwer zu untersuchen, berichten die Forscher des Kunming Institute of Zoology, der Chinesischen Akademie der Wissenschaften, der University of Carolina und anderer Einrichtungen. Doch die Arbeit des internationalen Teams ist nicht unumstritten. 

Genforscher: "Müssen wissen, was wir erfahren wollen"

Bereits 2010 warnten Wissenschaftler davor, beispielsweise Schimpansen menschliche Gehirn-Gene einzupflanzen, weil diese dem Menschen zu ähnlich sind. Gestritten wird auch darüber, ob die Affen in den chinesischen Laboren angemessen versorgt werden und ob diese Art der Forschung die Zukunft der Evolutionsforschung sein sollte. „Ich denke nicht, dass das eine gute Richtung ist“, sagt Martin Styner von der University of California. „Wenn wir Experimente wie solche machen, müssen wir genau wissen, was wir dadurch erfahren wollen, um der Gesellschaft zu helfen“, so Styner weiter. Das sei hier nicht der Fall. Und: Mit fünf Exemplare transgener Affen könne man ohnehin nicht zu belastbaren Ergebnissen kommen.

Su und sein Team wollen trotz des Gegenwindes weiterforschen. Dafür hat er offenbar schon ein weiteres Gen mit dem Namen SRGAP2C bei Affen „eingebaut“. 

Den Schimpansen im Belfaster Zoo gelingt eine gut geplante Flucht aus ihrem Gehege.

Quellen: "Heise Online", "China Daily"

js