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Inka-Reich Am Titicacasee versenkten die Inkas Gaben für die Götter und opferten auch Kinder

Die Opfergaben sind klein, aber wertvoll. 
Die Opfergaben sind klein, aber wertvoll. 
© Universität Brüssel / Commons
Der Titicacasee war das magische Zentrum des Inkareiches. Nun wurde eine Steinkiste aus dem See gefischt, die winzigen Gegenstände darin erzählen von den religiösen Praktiken an dem einst heiligen Ort.

Die spanischen Eroberer berichteten, dass die Inkas glaubten, all ihre Vorfahren stammten von der Sonneninsel im Titicacasee. Der Chronist Garcilaso de la Vega kannte die mündliche Überlieferung seiner indigenen Mutter. Er schrieb: "Der Sonnengott versetzte seine beiden Kinder in den Titicacasee. Dort gab er ihnen einen Stab, mit dem sie ihre zukünftige Heimat finden sollten. Und er setzte sie "als Könige und Herren über alle Nationen" ein. Sie stiegen aus dem See aus und zogen nach Norden. Wo der Stab tief in die Erde eindrang, gründeten sie Cusco, die Hauptstadt ihres Reiches."

Taucher, die unter Wasser das K'akaya-Riff im See erforschten, fanden eine präzise gearbeitete Steinkiste in nur 5,5 Metern Tiefe. Sie enthielt rituelle Opfergaben und wurde dort von den Inkas deponiert, schreiben die Archäologen Christophe Delaere und José Capriles in der Zeitschrift "Antiquity". In dem Behälter befanden sich ein winziges geschnitztes Alpaka und ein kleines Goldblech, das zu einem Zylinder von etwa der Länge einer Büroklammer zusammengerollt wurde. "Wir wussten, dass die Inkas eine Art von rituellen Opfergaben machten und dass sie diese im See darbrachten", erklärt Jose Capriles. Er erinnerte auf die Entdeckung eines Amateurtauchers, der 1977 auf der sogenannten Sonneninsel ein Felsenriff mit Opfergaben fand.

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In der Kiste erkennt man die Größe der Objekte.
In der Kiste erkennt man die Größe der Objekte.
© Universität Brüssel / Commons

Edelste Materialien

Der neu gefundene Steinkasten ist 36 cm lang und 27 breit. Die nur 2,8 Zentimeter große Lama-Skulptur zeigt die besondere Bedeutung des Opfers. Sie wurde aus der Schale einer Stachelauster geschnitzt. Diese Muscheln waren ein wichtiges Luxusgut der Inkakultur. Sie wurden über Tausende von Kilometern auf den Rücken von Lamas transportiert. Capriles und sein Team sehen ihre These bestätigt, dass die Inkas den gesamten Titicacasee als heiligen Ort oder rituelle Gottheit verehrten. Als sie im 14. und 15. Jahrhundert aus dem Gebiet von Cusco heraus zu einem riesigen Reich expandierten, wurde der See zu einem Wallfahrtsort, zu dem die Inkas pilgerten.

Zentrum des Reiches 

Auf der Sonneninsel errichteten die Inkas ein Kultzentrum. Bislang wurden die zeremoniellen Steinkisten dort in der Nähe gefunden. Allerdings waren die meisten bereits ausgeplündert. Die Steinkisten wurden auch an anderen Orten des Inkareiches verwandt, dort fanden sich meist auch Reste von geopferten Menschen. Die Forscher vermuten, dass die Inkas auch im See Kinder töteten und dabei diese Kisten versenkten. Kinderopfer sind in der Inkakultur allerdings eher eine Ausnahme für besondere Gelegenheiten und sie sind nicht mit den massenhaften Menschenopfern der Azteken zu vergleichen, die Kriege allein deshalb führten, um genügend Menschenopfer zu gewinnen. Meist gaben sich die Inkas mit Mais, wertvollen Substanzen und Lamas als Opfergaben zufrieden. Doch etwa beim Bau von Tempeln wurden auch von ihnen Kinder lebendig begraben. In ihrer Blütezeit errichteten die Inkas Straßen, die Tausende von Kilometern lang waren. Trotz zahlreicher Kriegszüge herrschte Wohlstand im Inkareich. Systematische Untersuchungen von Skeletten zeigten, dass es zum Beispiel keinen Hunger und keine Unterernährung gab. Das änderte sich, als die Europäer das Reich unterwarfen.

Quelle: Antiquity 

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