VG-Wort Pixel

Zweiter Weltkrieg Churchills Werwölfe – London ließ eine geheime Armee von Teenager-Partisanen trainieren

Von Section VII gibt es keine Fotos, auch sie wurden ausgebildet, Züge zum Entgleisen zu bringen.
Von Section VII gibt es keine Fotos, auch sie wurden ausgebildet, Züge zum Entgleisen zu bringen.
© Commons
Für den Fall einer Invasion bildeten die Briten eine Armee von Widerstandskämpfern aus. Wegen ihres naiven Glaubens wurden Teenager bevorzugt. Weil die Deutschen nie landeten, ist bisher wenig über Churchills Geheimtruppe bekannt.

1940 stand das Dritte Reich in der Blüte seiner Macht. In rascher Folge hatte Hitler Polen, Frankreich, Dänemark, Norwegen, Holland und Belgien bezwungen und seine Truppen bereiteten sich vor, England zu besetzen. Tatsächlich führte eine Reihe von Fehlern dazu, dass die Deutsche Luftwaffe nicht die Luftherrschaft über der Insel erringen konnte. Ohne Dominanz in der Luft (Luftschlacht um England - als die Deutschen Luftwaffe die Luftherrschaft verlor) wurde die geplante Landung abgeblasen – denn auf See konnten die Deutschen nicht gegen die Navy bestehen.

Planung für den Tag X

Doch das wusste man 1940 noch nicht. Also planten die Briten für den schlimmsten Fall: Nämlich, dass den Deutschen eine Landung glücken könnte und sie weite Teile des Landes besetzen würden.

Und dann sollte ihnen eine Widerstandsarmee aus Teenagern entgegentreten. Für diese Partisanengruppe, die im Verborgenen hätte operieren sollen, wurden handverlesene Jugendliche ausgewählt, unter ihnen waren überraschend viele Mädchen.

Später im Krieg trainierten die Briten Widerstandskämpfer aus dem besetzten Europa. Die Erfolge dieser Partisanen etwa in Frankreich, Holland oder Norwegen zeigten, dass die Ausbilder ihr Handwerk verstanden. Nicht nur, dass sie Zivilisten für das Töten trainierten, die Briten wussten auch, welche Struktur eine geheime Organisation haben musste. Ganz anders als der deutsche Werwolf, der so zentral und bürokratisch aufgebaut war, dass es leicht gewesen wäre, die Zellen auszuheben – wenn es dann zu einem Partisanenkrieg gekommen wäre.

Damals operierten auch die britischen Commandos erfolgreich an den Küsten des besetzten Gebiets (Mad Jack Churchill - der Mann, der mit Schwert und Bogen gegen die Nazis kämpfte). Ihre Methoden glichen denen des Widerstandes.

Kurzum: Churchills Männer waren Experten und wussten, was sie taten. Da es nie zu einer Invasion kam und alle Rekruten zur Geheimhaltung verpflichtet waren, wurde kaum etwas über die Section VII genannte Truppe bekannt.

Geheimhaltung bis zum Tod

Die erste Veröffentlichung zu dem Thema stammt von Andrew Chatterton. "Diese Vorbereitungen widersprechen unser Vorstellung, dass unsere Verteidigung gegen die Invasion im Grunde darin bestand, dass Dads Armee auf den Klippen stand - nur mit einer Heugabel bewaffnet." Diese "Home Guard" ist bis heute für Filmkomödien gut.

Doch die Rekruten Section VII waren meist Reservisten oder zu jung oder zu alt, um zu den regulären Streitkräften einberufen zu werden. Dabei wurden Teenager bevorzugt. "Teenager waren gute Rekruten, da sie naiv genug waren, um Aktionen durchzuführen, ohne allzu sehr über die Konsequenzen nachzudenken, und weil sie fit und aktiv waren." Mädchen galten generell als weniger verdächtig. Die Briten wussten damals bereits, dass die Deutschen scharf gegen Saboteure vorgingen. Einerseits agierten die Deutschen mit großer Brutalität, aber sie boten gleichzeitig ihre besten Ermittler auf, um Widerstandsgruppen aufzuspüren. Die sonst wenig realistische Serie "Das Boot" gibt einen guten Einblick, wie die deutschen Kriminalisten gegen den Widerstand vorgingen ("Das Boot" : Abtauchen in eine Welt von Wasserbomben, Sex und Attentaten).

Wegen der Geheimhaltung gibt es nur vereinzelte Zeugnisse von Partisanen. Irene Lockley aus dem Dorf South Milford in West Yorkshire erzählte ihrer Tochter Jenny erst kurz vor ihrem Tod davon, wie sie ausgebildet wurde, "zu töten und zu verstümmeln und dem Feind so viel Schaden wie möglich zuzufügen". Ihr wurde gezeigt, wie man Züge entgleisen lässt und wie man Molotowcocktails – ein Gemisch aus Öl und Benzin – herstellt. Dem jungen Mädchen wurde der Nahkampf ohne Waffen beigebracht und sie lernte, wie sie mit einer Drahtschlinge Nazi-Soldaten lautlos erwürgen könnte. Die damals 18-jährige Pricilla Ross aus Hornchurch wurde vermutlich ausgewählt, weil sie die Tugenden einer Lady des Landes beherrschte. Sie konnte reiten und beherrschte den Bogen so gut wie den Degen. Der Stützpunkt ihrer Zelle war eine Kammer unter einem Grab auf dem Kirchenfriedhof.

Gute Vorbereitung 

Chatterton ist sich sicher, dass Großbritannien gut auf die Invasion vorbereitet war. Im Falle einer Landung hätten mehrere Schichten ziviler Verteidigung zur Verfügung gestanden. Seiner Ansicht nach hatte Britannien eine bemerkenswerte Widerstandskraft vorbereitet.

"Wir wissen noch nicht genau, wie viele Zivilisten rekrutiert wurden, aber es geschah landesweit. Das steht im Widerspruch zu unserer Vorstellung von Großbritannien im Jahr 1940. Hunderte, wahrscheinlich Tausende von "normalen" Zivilisten, Männer, Frauen und Kinder, wurden ausgebildet, um die gefährlichsten Aufgaben gegen eine Besatzungsmacht zu übernehmen." Der Autor bedauert, dass der Einsatzwille der jungen Menschen nie publik gemacht worden ist. Schließlich seien sie bereit gewesen, das "ultimative Opfer für ihr Land zu bringen".

Quelle:  Andrew Chatterton "Britain's Secret Defense: Zivile Saboteure, Spione und Attentäter"; Telegraph

Lesen Sie auch:

V2-Rakete: Hitlers unheimliche Vergeltungswaffe wird in England ausgegraben

Mad Jack Churchill - der Mann, der mit Schwert und Bogen gegen die Nazis kämpfte

Luftschlacht um England - als die Deutschen Luftwaffe die Luftherrschaft verlor)

"Das Boot" : Abtauchen in eine Welt von Wasserbomben, Sex und Attentaten


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker