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Gesichtsrekonstruktion Der Greif-Krieger – er war reich, gefürchtet und sah recht stattlich aus

Das Gesicht des Griechen.
Das Gesicht des Griechen.
© Commons
Umgeben von unermesslichen Schätzen ruhte der Krieger Bronzezeit 3500 Jahre in seinem Grab. Nun wurde sein Gesicht wieder zum Leben erweckt.

Vor 3500 Jahren wurde der Krieger der Bronzezeit beigesetzt. Das Grab sorgte wegen der Fülle der Schätze für Aufsehen. Der Krieger muss außerordentlich reich gewesen sein. Nun wurde sein Gesicht rekonstruiert und auch das passt zu seinem grimmigen Image: Der Mann hatte einen quadratischen Kiefer und einen sehr kräftigen Hals, dabei aber ein ansprechendes Gesicht.

Den Beinamen "Greif" bekam der Krieger wegen einer Elfenbeintafel in seinem Grab, die das mythische Wesen zeigt. Der Schädel des Mannes, von dem man annahm, dass er zwischen 30 und 35 Jahre alt war, als er um 1500 v. Chr. starb, war in sehr schlechtem Zustand, sagte Tobias Houlton, ein Spezialist für Gesichtsrekonstruktionen, der mit seiner Kollegin Lynne Schepartz von der University of the Witwatersrand in Johannesburg, Südafrika, den Krieger zum Leben erweckte. "Der Schädel war mehrfach fragmentiert, mit einer offensichtlichen Verformung der Knochen im gesamten Mittelgesicht, was sich auf die Nasenregion und Details im inneren Auge auswirkte", sagte Houlton. "Vor dem Wiederzusammenbau waren wir unsicher, ob eine Gesichtsrekonstruktion möglich sein würde", fügte er hinzu.

Fehlende Teile wurden durch den Computer mithilfe der Gesichter heutiger Griechen berechnet. Dazu wurden Informationen mykenischer Wandmalereien herangezogen, um dem Krieger eine zeitgenössische Frisur zu geben.

Das Ergebnis ist ein kräftiger Mann mit langem schwarzem Haar. Das Grab des Kriegers wurde in der Nähe sagenumwobenen Palastes von Nestor gefunden, der in Homers Ilias ein Kontingent griechischer Truppen bei Troja anführte.

"Dies ist nicht das Grab des legendären Königs Nestor und auch nicht das Grab seines Vaters Neleus. Der Krieger starb vielleicht 200 oder 300 Jahre vor der Zeit von Nestor und Neleus", sagte Stocker.

Der Krieger war Teil einer herrschenden Elite von Erobern. Der verschwenderische Inhalt des Grabes des Mannes zeigte seine Bedeutung. Es wurde erst im Sommer 2015 vom Archäologenehepaar Davis and Sharon Stocker gefunden. Auf dem Boden des Grabes lag ein Skelett auf dem Rücken, das 3500 Jahre lang nicht gestört wurde. Den Krieger umgab ein Hort von mehr als 2000 Objekten. Auf der Brust lag ein Schwert aus Bronze mit einem elfenbeinfarbenen, mit Gold geschnürten Griff. Daneben befand sich ein Dolch ebenfalls mit Goldgriff, und weitere Waffen waren um Beine und Füße herum drapiert. Dazu fanden sich goldene Becher und eine goldene Halskette mit zwei Anhängern. Das Haupt wurde von über 1000 Perlen aus Edelsteinen wie Karneol, Amethyst, Jaspis, Achat und aus Gold umgeben. Dazu fanden sich Ringe aus massivem Gold, Elfenbeinkämme, silberne Pokale sowie Schalen, Becher, Krüge und Schüsseln aus Bronze angeordnet. Nicht ein einziges Objekt war aus Keramik, der Mann war so reich, dass alles aus Metall bestand.

In dem Grab waren auch "typisch weibliche" Gegenstände gefunden. Die Kämme deuten auf die Tradition hin, sich vor der Schlacht die Haare zu kämmen. Andere Gegenstände waren vermutlich als Gaben für Göttinnen gedacht.

Die Grabbeigaben sind nicht nur prächtig, sie zeigen eine Momentaufnahme der Entstehung dessen, was man heute als klassisches Griechentum versteht. Die Mykener eroberten damals die verfeinerte minoische Kultur. Sie zerstörten sie aber nicht, sondern adaptierten die Einflüsse. So einen Moment zeigt das Grab des mächtigen Kriegers, er ruhte umgeben von Beutestücken, deren kultische Bedeutung ihm aber offenbar bewusst war.


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