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Stern Logo Was die Zukunft antreibt

Elektromobilität: Schmeißt die Stinker aus der Stadt!

Elektromobilität Den E-Autos gehört die Zukunft, doch eher nicht die Stadt. Hier könnten Zweiräder die perfekten Pendler-Mobile sein. Die mit Zweitaktmotor gehören indes verboten, es gibt mittlerweile reichlich Alternativen.

Elektromobilität Dichter Berufsverkehr in Berlin

Elektromobilität. Dichter Berufsverkehr in Berlin. Die Städte werden größer, die Menschen pendeln mit dem Auto zwischen Haustür und Bürotür. 44 Stunden stehen Berliner Autofahrer pro Jahr im Stau. Andere Verkehrskonzepte müssen her. E-Autos sind da nur ein Baustein.

Getty Images

Als der Corso aus gut 50 Motorrädern und Motorrollern Mitte Juni früh morgen durch Stuttgart rollte, konnte man als Passant problemlos die Gespräche der Fahrer mithören, so leise war es. Softwareentwickler Christian Jog hatte zur EMR gerufen, zur Electric Night Ride. Der Stuttgarter will mit der Aktion zeigen, dass E-Mobilität kein fernes Zukunftsthema mehr ist, sondern bereits heute langsam aber stetig die Innenstädte etwas lebenswerter macht. Nicht nur in Sachen Lärmbelästigung. Die E-Biker zogen auch keine stinkende Abgaswolke hinter sich her. Da wird es och eigentlich Zeit für ein "Electric Night Drive“" bei der E-Auto-Besitzer in der arg belasteten Stuttgarter Kessellage demonstrieren, wie sich eine "Elektromobile-Innenstadt" anfühlt. Die staatliche Förderung von E-Autos scheint zu greifen, jedenfalls stieg die Zahl der Neuzulassungen im ersten Halbjahr 2019 um 80 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Zahl der Hybrid-Autos, also mit Benzin- und E-Motor, stieg um 69 Prozent. 

Elektromobilität: Das Auto bleibt - auf dem Land

Die alleinige Lösung für die Verkehrsinfarkt bedrohten Innenstädte sind die Stromer indes nicht. Sie bilden einen Baustein in einem Gewerk aus Car-Sharing, Fahrradleihstationen, E-Sammeltaxis, E-Scootern, E-Motorrollern und öffentlichem Nahverkehr. Das Auto wird bleiben, vor allem im ländlichen Raum. Wer ein Einzelhaus hat und womöglich mit einer Solaranlage Energie selbst erzeugt, dürfte in Zukunft kaum günstiger Auto fahren können als mit einem Stromer. 

Doch in den wachsenden Städten mit teuren Mieten im Kern und der daher steigenden Zahl an Pendlern aus den Randbezirken wird sich schon mittelfristig etwas ändern müssen. Autofahrer in München standen 2017 im Schnitt gute zwei Tage im Stau, Hamburg und Berlin sah es für die Pendler nur unwesentlich besser aus. In London liegt die Durchschnittsgeschwindigkeit eines Autos im Berufsverkehr gleichauf mit dem Fahrrad.

Die E-Motorroller kommen!

Der "Otto-Normal-Pendler" legt zwischen Haustür und Bürotür rund 15 Kilometer pro Strecke zurück. Eigentlich die perfekte Distanz für den E-Motorroller. Sie füllen die Lücke zwischen Auto und Fahrrad, also jenen Strecken, die zu kurz für das Auto und zu anstrengend mit dem Rad sind.

Der E-Roller hätte gegenüber seinen stinkenden Zweitakt-Altvorderen das Zeug zum perfekten Pendler-Mobil: keine gesundheitsschädlichen Abgase, nahezu kein Lärm, 80 Cent Stromkosten auf hundert Kilometer, wartungsarm da die vielen beweglichen Teile eines Verbrennungsmotors fehlen. Ein Parkplatz ist schnell gefunden und fast alle Rollermodelle lassen sich dank der tragbaren Akkus an der heimischen Steckdose aufladen. Innerhalb der Stadt fällt auch das Reichweitenproblem kaum ins Gewicht. Die meisten E-Roller schaffen mit einer Akku-Ladung 50 Kilometer. Zudem reicht ein Autoführerschein oder der Führerschein der Klasse M, da die meisten E-Roller technisch auf 45 km/h begrenzt sind.

Zweitakter: Alter Diesel sind dagegen Umweltengel 

Der Markt für E-Zweiräder hat in den vergangenen beiden Jahren einen ähnlichen Aufschwung wie bei den E-Autos erfahren. Wie die Autofahrer mittlerweile zwischen unterschiedlichen Modellen und Preiskategorien wählen können, steht auch der Zweiradfan einem deutlich gewachsenen Angebot gegenüber. Vom günstigen E-Motorroller mit 1800 Watt-Motor, über durchgestylte Retro-Modelle bis zum ausgewachsenen Motorrad mit 200 km/h Spitze.

Die gute alte Vespa hat als Alternative jedenfalls ausgedient. Zweitakter wie sie pusten so viel Schadstoffe aus ihren Auspuffröhrchen, dass selbst ein ungefilterter Diesel mit dem Umweltengel ausgezeichnet werden müsste. Durch die Funktionsweise des Zweitakters und seinem speziellen Treibstoff setzen Motorroller sowohl im Leerlauf als auch beim Fahren zwischen 53 und 771 Mal mehr organische Aerosole aus als andere Fahrzeuge, hat das Schweizer Paul-Scheerer-Institut gemessen. So entfielen vor drei Jahren in Bangkok nur zehn Prozent des Treibstoffverbrauchs auf Zweiräder, sie verursachen aber 60 Prozent des Feinstaubs. Kein Wunder also, dass sie in einigen chinesischen Metropolen verboten wurden. Elektro ist dort Pflicht. Das würde sicher auch Städten wie dem Sommersmog belasteten Stuttgart gut tun.

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