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Konstruktiver Journalismus Erste Episode von "Klima vor acht" startet auf YouTube

Gegenüberstellung von grüner Wiese und einer verdorrten Wiese


Unser Klima verändert sich. Das spüren wir – und hören es auch immer wieder in den Medien. Im Gegensatz zum Wetter – was einen kurzfristigen Zustand wie Sonnenschein oder Regen an einem bestimmten Ort bezeichnet – betrachtet man beim Klima das Wetter über einen längeren Zeitraum und in einer größeren Region. Im letzten Jahrhundert hat sich das Klima auf der Welt verändert: Die globale Durchschnittstemperatur ist um ungefähr ein Grad gestiegen. Gar nicht so viel, könnte man meinen. Aber: Die aktuelle Erwärmung verläuft schneller als alle bekannten und natürlichen Erwärmungsphasen in den letzten 65 Millionen Jahren. Mittlerweile sind sich die meisten Wissenschaftler deshalb einig: Die aktuelle Erderwärmung ist von Menschen verursacht.
Eine wichtige Ursache für die globale Erwärmung ist der sogenannte Treibhauseffekt. Wie bei einem Gewächshaus lässt die Erdatmosphäre Sonnenstrahlen größtenteils ungehindert zu uns durch. Die Strahlen werden von der Erde reflektiert und die so genannten Treibhausgase in der Atmosphäre nehmen die Strahlung weitgehend auf, erwärmen sich und schicken uns längerwellige Strahlung zurück. Das ist ein ganz natürlicher Prozess, durch den es auf der Erde angenehm warm ist – im globalen Durchschnitt 15 Grad. Ohne diesen natürlichen Treibhauseffekt wäre es im Schnitt Minus 18 Grad kalt!
Seit Beginn des Industriezeitalters ist die Konzentration der Treibhausgase jedoch stark gestiegen, denn viele industrielle Prozesse erzeugen Treibhausgase wie Kohlenstoffdioxid – kurz CO2 – oder Methan. Und vereinfacht kann man sagen: Je mehr Treibhausgase in der Atmosphäre, desto mehr Rückstrahlung – und umso wärmer wird es auf der Erde.
Verursacht haben wir den Anstieg der Treibhausgase zum Beispiel dadurch, dass wir in der Industrie oder im Autoverkehr fossile Brennstoffe wie Kohle oder Erdöl verwenden – und durch die Abholzung von Wäldern. Denn Pflanzen nehmen CO2 auf und wandeln es in Sauerstoff um – die Amazonas-Region zum Beispiel hat so viel CO2 gespeichert, wie die ganze Welt in 15 Jahren produziert!
Die Folgen? Manche spüren wir heute schon – zum Beispiel häufigere Wetterextreme oder wärmere Winter. Langfristig schmilzt durch wärmeres Klima das Eis an den Polkappen, dadurch steigt der Meeresspiegel. Viele Regionen, Pflanzen und auch Tiere sind von der Erderwärmung bedroht – im schlimmsten Fall könnte jede dritte Art aussterben.
Höchste Zeit, aktiv zu werden – für die Weltgemeinschaft, aber auch für jeden Einzelnen.
http://www.explain-it.tv/de/
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Warum sind Moore gut für unser Klima? Dieser Frage geht die Initiative "Klima vor acht" in ihrem ersten Filmbeitrag auf den Grund. Die erste Episode der sechsteiligen Klimastaffel geht morgen an den Start.

Mehr Klimaberichterstattung – dafür setzt sich die Initiative "Klima vor acht" ein. Gut neun Monate nach der Gründung präsentierten die Initiatoren in einer Sneak Preview einen viereinhalb minütigem Fernsehbeitrag und ihre Idee von konstruktivem Klimajournalismus. "Unser Ziel ist ein Format, das die Klimakrise verständlich und wissenschaftlich fundiert zur Primetime aufbereitet", sagte Mitinitiatorin und Sprecherin Friederike Mayer bei der Pressekonferenz.

Die Initiative gibt es seit August letzten Jahres und hat Mithilfe einer Crowdfunding-Kampagne sechs kurze Filmbeiträge produziert, die in den kommenden Wochen jeweils donnerstags um 19.55 Uhr auf YouTube ausgestrahlt werden. Mit dem Sendekonzept erhoffen sich die Initiatoren ein Beispiel für andere Medienhäuser zu sein.

Auftakt über die Bedeutung der Moore fürs Klima 

Im Sinne des konstruktiven Journalismus gehe es nicht darum, die bereits bestehenden Katastrophen-Szenarien des Klimawandels weiterzuspinnen, sondern Lösungen zu präsentieren. Dafür brauche es sowohl Hintergründe, als auch Einordnungen aktueller Klimaereignisse – ein Anspruch, dem die Initiatoren in jeder Episode treu bleiben wollen.

Den Beginn der sechsteiligen Klima-Staffel macht ein Beitrag über die Bedeutung der Moore für das Klima. In dem ungefähr vierminütigen YouTube-Beitrag erklärt die Moderatorin, Schauspielerin und studierte Kommunikations- und Umweltwissenschaftlerin, Nina Eichinger, wie Moore dazu beitragen, den CO2-Gehalt in der Atmosphäre zu reduzieren und welche Folgen eine Trockenlegung haben kann. "Die Klimakrise ist gerade das größte Problem der Gesellschaft", sagt Eichinger. "Die Leute müssen mehr darüber Bescheid wissen und die Wissenschaft soll stärker zu Wort kommen."

Schauspieler Marcus Mittermeier setzt sich für die Initiative "Klima vor Acht" ein

Klimawandel in deutschen Medien immer noch ein Nischenthema

Tatsächlich bestünde einer der größten Irrtümer über die Medienberichterstattung darin, über den Klimawandel werde so viel berichtet wie nie zuvor, sagt Michael Brüggemann. Er ist Professor am Lehrstuhl für Qualitätsjournalismus der Universität Hamburg und beschäftigt sich sich schwerpunktmäßig mit der Klimaberichterstattung. "In Deutschland ist der Klimawandel immer noch ein Nischenthema." Dies führe dazu, dass das Unwissen der Leute weiter bestehen bleibe.

Die Initiatoren von "Klima vor acht" hoffen, dass sich das künftig ändert. In den kommenden Folgen sollen auch aktuelle Klimaereignisse aufgegriffen und erklärt werden. Welche das sind, haben sie noch nicht verraten. Zunächst soll es bei sechs Episoden bleiben, wie es danach weitergeht, könne man allerdings noch nicht sagen. Ziel sei es aber nach wie vor, die Klimaberichterstattung, vor allem bei den öffentlich-rechtlichen Sendern, voranzutreiben, wie Sprecherin Friederike Mayer sagt.

Aktivisten aus der ganzen Welt kämpfen gegen die Klimakrise

Diese Notwendigkeit sieht auch Michael Brüggemann. "In unseren Befragungen geben 75 Prozent der Leute an, sich über den öffentlich-rechtlichen Rundfunk über den Klimawandel zu informieren." Das ändere zwar nichts daran, dass das Format auch cross-medial gedacht werden müsse, um auch die jungen Generationen zu erreichen. "Es ist eher das Fernsehpublikum, das die Problematik noch nicht ganz auf dem Schirm hat", sagt Brüggemann.

Erste Gespräche mit RTL und ARD

Im März hatte sich die Initiative in einem offenen Brief an die ARD gewandt und gefordert, der Klimaberichterstattung einen Sendeplatz vor der Tagesschau einzuräumen. Danach habe sich RTL überraschend bei den Initiatoren gemeldet und Interesse an dem von der Initiative vorgestellten Format bekundet. Derzeit sei man im Austausch. Produzieren müsse RTL das Format aber selbst, die wöchentlich veröffentlichten YouTube-Beiträge sollen als Orientierung dienen.  "Wir hoffen natürlich, dass ihr Format unseren Vorstellungen entspricht", sagt Mayer. Auch mit der ARD sei man mittlerweile im Gespräch, Ende Mai wollen sich die Initiatoren erneut mit Programmdirektorin Christine Strobl zusammensetzen.

cl

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