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Botsuana Hunderte tote Elefanten: War ein natürliches Toxin schuld?

Ein toter Elefant liegt in Botsuana in einem Gebüsch
Ein toter Elefant liegt in Botsuana in einem Gebüsch
© Uncredited/hons/AP / DPA
Nach dem Tod von mindestens 281 Elefanten im afrikanischen Botsuana meinen Experten und Regierung nun, den Grund für das Massensterben gefunden zu haben. Sie vermuten ein natürliches Toxin.

Die grausamen Bilder gingen um die Welt: Elefanten liegen im Safari-Paradies Botsuana im südlichen Afrika am Boden. Sie sind verendet. Laut Behördenangaben wurden 281 tote Elefanten in den vergangenen Wochen im Okavango-Delta im Nordwesten des Landes gezählt. Tierschützer berichten sogar von mehr als 350 Kadavern.

Als Todesursache wurde Wilderei ausgeschlossen, da die toten Tiere mit intakten Stoßzähnen gefunden wurden. Nahrungsmangel oder eine Infektion mit Krankheitserregern galten ebenso als unwahrscheinlich. Die meisten Tiere verendeten in der Nähe von Wasserlöchern. Offenbar sind die Elefanten schnell gestorben. 

Natürliches Toxin als Ursache vermutet

Nun ist die Todesursache für das mysteriöse Elefantensterben anscheinend gefunden worden: Vorläufige Tests würden auf ein natürlich vorkommendes Toxin als wahrscheinliche Ursache hindeuten, sagte ein hochrangiger Wildtierbeamter der Nachrichtenagentur Reuters. Es sei höchst unwahrscheinlich, dass eine Infektionskrankheit dahinterstecke, fügte Cyril Taolo, amtierender Direktor des Ministeriums für Wildtiere und Nationalparks, hinzu.

"Wir haben mehrere Testergebnisse aus anderen Ländern einschließlich der USA erhalten. Bisher zeigen die Ergebnisse, dass es höchst unwahrscheinlich ist, dass die Ursache ein infektiöser Erreger sein könnte", so Taolo. Es würden weitere Untersuchungsergebnisse erwartet und man hoffe, ein konkreteres Update geben zu können, sagte er. Weitere Tests würden durchgeführt.

Das Hauptaugenmerk liege nun auf der Untersuchung von Umweltfaktoren wie natürlich produzierte Toxine von Bakterien, die in der Umwelt vorkommen, beispielsweise in Gewässern. Taolo erklärte, dass einige Bakterien auf natürliche Weise Gift produzieren können, insbesondere in stehendem Wasser. 

Sehen Sie im Video: Mysteriöses Elefantensterben in Botswana hält an – zu langsame Ermittlungen?  Die Großwildjagd ist in Botswana seit Mai vergangenen Jahres erlaubt. Präsident Mokgweetsi Masisi hatte das Verbot damals aufgehoben. Sie kann laut Experten aber nicht der Grund für die vielen mysteriösen Tode von Hunderten Elefanten sein, die in den letzten zwei Monaten festgestellt wurden. An den meisten Kadavern waren die Stoßzähne noch dran, welche auf dem asiatischen Schwarzmarkt einen sehr hohen Preis haben. Die Tierschutzbehörden des Landes sind überfragt, wieso so viele Elefanten am Okavango-Delta auf einmal gestorben sind. Die Opfer waren verschiedenen Alters und wurden alle im Umkreis von 8.000 Quadratkilometern gefunden. Mmadi Reuben ist Leiter der Behörde für Wildtiere und Nationalparks: "Es könnte sich um eine Infektionskrankheit handeln, die durch klimatische Veränderungen noch schlimmere Ausmaße annehmen könnte. Auch der Ernährungszustand der Tiere kann dazu beigetragen haben." Reuben sagt, dass man in den nächsten Tagen Testergebnisse von Proben erwarte, die man nach Südafrika und Kanada geschickt habe. Die Regierung wurde zuletzt dafür kritisiert, zu langsam bei den Ermittlungen vorgegangen zu sein. Wilderei ist der häufigste Grund für unnatürliche Tode von Elefanten. Botswana, Namibia und Simbabwe setzen sich für die Legalisierung des Elfenbeinhandels ein. Die Legalisierung der Trophäenjagd auf Elefanten spielt Botswana viel Geld ein. Die Jagdsaison konnte wegen der Corona-Pandemie nicht wie geplant beginnen. Seit Ende April wurden 281 Kadaver gefunden. In Botswana leben verhältnismäßig viele Elefanten, nach Zählungen aus dem Jahr 2018 waren es rund 130.000.
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Ein Drittel des Elefanten-Bestands Afrikas lebt in Botsuana

Die örtliche Tierschutzorganisation Elephants Protection Society wies Anfang Juli auf ein ähnliches Massensterben hin: Vor gut einem Jahr habe schon einmal ein zunächst mysteriöser Erreger die Region heimgesucht, sagte der Direktor der Organisation, Oaitse Nawa. Als Ursache galten damals mit dem Anthrax-Erreger (Milzbrand) verseuchte Böden. Diesmal wurde eine Vergiftung durch Anthrax mit Tests aber ausgeschlossen.

In Botsuana lebt fast ein Drittel des Elefanten-Bestands Afrikas. Der Staat hat eigentlich einen guten Ruf in Sachen Natur- und Tierschutz. Im Vorjahr hatte es aber international Empörung wegen der Aufhebung des Elefantenjagdverbots gegeben. Während die Zahl der Elefanten in vielen Regionen Afrikas zurückgeht, ist sie in Botsuana laut offiziellen Angaben von etwa 50.000 im Jahr 1991 auf gut 130.000 Tiere angestiegen.

Quellen: Nachrichtenagenturen Reuters, DPA, AFP (via France24)

rw

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