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"HMS Glowworm" Kleiner Zerstörer rammt schweren Kreuzer - Wie ein Nazi-Kapitän einem Briten den höchsten Orden verschaffte

Die "Hipper" vor der brennenden "Glowworm"
Die "Hipper" vor der brennenden "Glowworm"
Ein kleiner britischer Zerstörer traf 1940 auf den Verband des schweren deutschen Kreuzers "Hipper". Der Kapitän der "Glowworm" entschied, nicht zu fliehen, sondern griff das zehn Mal größere deutsche Schiff frontal an.

Die "HMS Glowworm" (H92) war ein britischer Zerstörer. Gebaut in den Dreißigern sollte das Schiff mit einem Kampfverband am 5. April 1940 das Legen von Minen in norwegischen Gewässern absichern. Norwegen war damals noch ein neutraler Staat – aber es war absehbar, dass Briten und Deutsche dort aufeinandertreffen sollten.

Gefecht vor Norwegen

Doch niemand ahnte, dass die kleine "Glowworm" das erste Gefecht bestreiten sollten. Der Zerstörer hatte den Kontakt zu den anderen Schiffen seiner Majestät und auch zum mächtigen Schlachtschiff "Renown" verloren. Statt auf die eigene Kampfgruppe stieß der britische Zerstörer auf den deutschen Flottenverband, der Trondheim und Narvik besetzen sollte. Zuerst sah die "Glowworm" nur zwei deutsche Zerstörer und eröffnete das Feuer. Doch hinter den deutschen Zerstörer lief die hochmoderne "Hipper" heran. Gegen die Feuerkraft der 20,3-Zentimeter-Geschütze der "Hipper" hatte die "Glowworm" keine Chance und hier schon gar nicht, da die "Hipper" von eigenen Zerstörern begleitet wurde.

Ungleiche Begegnung

Zuerst konnte die Hipper das Glühwürmchen ("Glowworm") nicht exakt ausmachen – aber nach wenigen Minuten begannen sich die 20,3-Zentimeter-Batterien auf das kleinere Schiff einzuschießen. Die vierte Salve lag im Ziel. Der britische Kapitän Lieutenant Commander Gerard Broadmead Roope versuchte, sich im eigenen Rauchschleier zu verbergen. Das Manöver hatte keinen Erfolg, da die Geschütze der Hipper vom Radar geleitet wurden. Als die Glowworm aus dem Nebel auftauchte, war sie bereits in Reichweite der Sekundärbewaffnung der Hipper. Die Treffer zerlegten den britischen Zerstörer. Die vordere Kanone wurde zerstört. Funkraum, Brücke, Maschinenraum erhielten Treffer – schließlich brach auch noch der Mast zusammen.  Ein Kurzschluss führte zu einem Dauerheulen des Horns, ein gespenstisches Geräusch, das das Sterben des Schiffes und seiner Besatzung begleiten sollte. Der Kapitän wollte sich nicht ergeben, sondern ging auf Angriffskurs zur "Hipper", um so einen Torpedo-Fächer auf den Kreuzer abzuschießen. Das hatte der deutsche Kapitän kommen sehen und sein Schiff in einen spitzen Winkel zur "Glowworm" gestellt. So bot er den Torpedos nur ein schmales Ziel. Die Torpedos liefen ins Leer, doch auch die Breitseite der "Hipper konnte die "Glowworm" nicht mehr treffen.

Letzte Chance - die "Hipper" rammen

In Rauch und Nebel folgte das überlegene Schiff dem Zerstörer, ums es zu versenken. Als die "Glowworm" erneut aus dem Nebel auftauchte, ging der waidwunde Zerstörer auf Rammkurs – seine letzte Möglichkeit das zehn Mal größere Schiff zu beschädigen. Die "Hipper" wurde kurz hinter dem Anker getroffen, dann schabte das Wrack an der Wand des Kreuzers entlang und riss sie an mehreren Stellen auf. Der vordere Torpedowerfer der "Hipper" ging dabei über Bord.

Zu schwach, um sich selbst zu retten

Das letzte Geschütz der "Glowworm" feuerte auf 400 Metern noch einmal auf den Kreuzer, dann war der ungleiche Kampf vorbei. Kapitän Roope verabschiedete sich von einem Offizier und sagte, dass sie beide für eine Weile wohl nicht mehr Cricket spielen würden. Dann stieg er ins Schiff, um die Flutventile zu öffnen und die "Glowworm" sank in die Tiefe. Zuerst explodierte der Kessel, kurz darauf die Wasserbomben an Bord. Ihre Detonation tötete einen Teil der Besatzung, die auf dem kalten Wasser ums Überleben kämpfte. Der deutsche Kapitän ließ die "Hipper" halten und stellte sie so in die See, dass die Überlebenden auf sie zutrieben. Von oben warfen die deutschen Matrosen den Briten Seile und Schwimmwesten zu und versuchten, sie an Bord zu ziehen. Kapitän Roope schwamm im eiskalten Wasser unter ihnen und half seinen Männern unterhalb der Bordwand, die Seile aufzufangen und Schwimmwesten anzuziehen.

Als er sich selbst schließlich retten wollte, konnte der unterkühlte und entkräftete Mann das Seil nicht mehr halten, mit dem er an Bord gezogen werden sollte. Roope fiel in die Wellen zurück und ertrank. Als erster Brite des Zweiten Weltkriegs wurde das Victoria Cross an ihn verliehen. Der deutsche Kapitän hatte die britische Admiralität mit Hilfe des Roten Kreuzes über den Mut von Roope und seiner Besatzung angesichts der haushoch überlegenen deutschen Kräfte unterrichtet. Es war das einzige Mal in der britischen Geschichte, dass die Verleihung des Victoria Cross vom Feind empfohlen wurde.


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