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Supermond 2021 Was macht den Mond zum "Supermond"? Und ist er wirklich so groß?

Supermond 2021
Der Aufgang eines Supermondes über einem portugiesischem Dorf. Der Mond kreist auf einer elliptischen Bahn um die Erde ist uns mal näher, mal ferner.
© Ruibento / Getty Images
Viele Menschen lieben Superlative, viele Medien auch. Der "Supermond" wird gerne zu einem großen Naturspektakel aufgebläht, dabei ist er gar nicht so besonders, wie es scheint. 

Immer wieder kündigen Schlagzeilen einen Supermond an, den man auf keinen Fall verpassen sollte. Dann stolpern Schlaftrunkene aus ihren Betten und staunen über den runden Himmelskörper, der an diesem Tag besonders groß und hell sein soll. Aber was macht den Mond eigentlich zum Supermond? Und sind die Nächte rund um den Vollmond nicht immer besonders schön?

Was ist ein Supermond?

In der Astronomie ist der "Supermond" kein anerkannter Begriff und so gibt es keine offizielle Definition. Der Astrologe Richard Nolle prägte ihn in den späten 70er Jahren und beschrieb damit einen Voll- oder Neumond, der sich auf seiner Umlaufbahn um die Erde am oder nahe beim erdnächsten Punkt befindet. Nolle vermutete einen Zusammenhang zwischen dieser Erdnähe eines Voll- oder Neumondes und der Wahrscheinlichkeit von Vulkanausbrüchen und Erdbeben.

Die Umlaufbahn des Mondes um die Erde ist – wie die der Erde – nicht kreisförmig, sondern elliptisch. Die elliptische Bahn sorgt dafür, dass die Entfernung des Mondes zur Erde in Abhängigkeit von den Positionen beider Objekte erheblich schwankt. Auch ist die Form der Umlaufbahn nicht konstant, weil sie Störungen durch die Schwerkraft der Sonne unterliegt und mal gestaucht und mal gestreckt wird. Der Abstand des Erdtrabanten von unserem Planeten variiert zwischen 356.400 und 406.700 Kilometern. Gemessen wird immer vom Erdmittelpunkt bis zum Mittelpunkt des Mondes. Ist der Mond auf seiner Umlaufbahn am weitesten von der Erde entfernt, steht er im sogenannten "Apogäum", am nächsten Punkt zur Erde steht er im "Perigäum". 

Die nötige Erdnähe eines Vollmondes, der zum Supermond wird, legte Nolle damals recht willkürlich auf 367.600 Kilometer oder weniger fest – was eigentlich kein besonders kleiner Abstand zur Erde ist. Bis heute gibt es keine offizielle Angabe darüber, wie nah ein Mond der Erde kommen muss, um als Supermond zu gelten. Auch kann die tatsächliche Entfernung vom Beobachtungsort um mehr als 6000 Kilometer schwanken. Am geringsten ist der Abstand dort, wo der Mond zum exakten Vollmondtermin im Zenit steht.

Gar nicht so groß, wie erwartet

Der tatsächliche Größenunterschied zwischen einem Vollmond im Perigäum und einem Vollmond im Apogäum, also in Erdferne, ist allerdings relativ gering. Der Supermond wird gerne bei Mondaufgang beobachtet und dort wirkt er – wie alle Objekte, die sich dicht am Horizont befinden – ungewöhnlich groß. Genauso verhält es sich, wenn man die Sonne beim Aufsteigen am Horizont beobachtet. Aufgrund der geringeren Entfernung zu Erde erscheint ein Supervollmond am Nachthimmel im Gegensatz zu einem durchschnittlichen Vollmond um knapp sieben Prozent größer, vergleicht man ihn mit einem Vollmond im Apogäum, wächst der Unterschied auf zwölf bis 14 Prozent.

Der Größenunterschied lässt sich Zuhause leicht mit zwei Münzen nachvollziehen. Eine 1-Euro-Münze verhält sich im Größenverhältnis zu einer 2-Euro-Münze etwa wie ein Vollmond im Perigäum zu einem Vollmond im Apogäum. Legt man beide Münzen mit etwas Abstand nebeneinander, wird man sofort feststellen, dass die 2-Euro-Münze deutlich größer ist. Legt man die Münzen allerdings übereinander, zeigt sich, wie gering der Größenunterschied tatsächlich ist. 

Am Nachthimmel ist so ein Unterschied eigentlich kaum zu erkennen. Vor allem, wenn man sich bewusst macht, dass der Mond auf seiner Umlaufbahn ein halbes Jahr in Bewegung ist, ehe er vom erdfernsten Punkt zum erdnächsten gelangt – es liegt also ein halbes Jahr zwischen dem Supermond und dem "Minimond". 

Warum wirken Objekte am Horizont größer?

Dass der Supermond uns so "super" und außergewöhnlich groß verkommt, liegt auch daran, dass viele Medien gerne zu Superlativen greifen und einen Vollmond im Perigäum zu einem großen Ereignis aufbauschen. Aber man kann auch nicht leugnen, dass ein aufsteigender Supermond ein beeindruckender Anblick ist – vielleicht nicht viel weniger, als ein normaler Vollmond zur gleichen Tageszeit, aber dennoch beeindruckend. Dass Objekte, die sich dicht am Horizont befinden, uns größer vorkommen, ist eine optische Täuschung, die auch "Mondtäuschung" genannt wird und deren Entstehung bis heute nicht endgültig geklärt ist. Sie wird deutlich, wenn wir den Mond am Horizont fotografieren. Auf den Fotos wird er deutlich kleiner sein, als in der direkten Wahrnehmung durch unser Auge. Die Mondtäuschung lässt sich daher nicht physikalisch erklären (der Mond wurde immer wieder vermessen) und verschiebt sich in den Bereich der Psychologie.

Beeinflusst der Supermond Naturphänomene?

Schon Richard Nolle vertrat die These, dass sein Supermond die Natur beeinflusst und die Wahrscheinlichkeit von Vulkanausbrüchen und Erdbeben mit ihm zunehmen würden. Von Wissenschaftlern wird diese Annahme heute in den Bereich der Esoterik verwiesen. Allerdings beeinflusst auch der Supermond, wie jeder Voll- und Neumond, die Gezeiten. Wenn der Mond sich als volle Kugel zeigt, steht er mit Sonne und Erde annähernd in einer Linie, dann verstärkt die Sonne die Gezeitenwirkung des Mondes und verursacht starke Springtiden, also eine etwas erhöhte Flut. Ein Team um den Geologen Satoshi Ide analysierte im Jahr 2016 mehr als 10.000 Erdbeben und kam zu dem Schluss, dass parallel zu Springtiden tatsächlich vermehrt starke Erdbeben auftreten. Ganz abtun lässt sich Nolles These also bis heute nicht.

Quellen: Planetarium Jena, SpektrumWelt der Physik

Supermond 2021: Was macht den Mond zum "Supermond"? Und ist er wirklich so groß?

Sehen Sie im Video: Erst zwölf Menschen haben den Mond betreten. Trotzdem ist er uns fast jede Nacht präsent. Was wissen wir über die Entstehung und Merkmale des Mondes? Wird es eine Sonnenfinsternis auch noch in 550 Millionen Jahren geben? Wir zeigen zehn interessante Fakten über den Mond.

sve

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