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Raumfahrt Der Mann, der den Kosmos küsst: Matthias Maurer nächster Deutscher auf der ISS

Raumfahrt: Der Mann, der den Kosmos küsst: Matthias Maurer nächster Deutscher auf der ISS
Sehen Sie im Video: Nasa schickt experimentelles Weltraum-Klo zu ISS.


Die Nasa plant, mit ihrem Orion-Raumschiff Astronauten zum Mond zu fliegen. Doch sie hat ein Problem: Zuerst müssen die Ingenieure herausfinden, wie die Toilette der Kapsel weniger stinkend wird.
Deshalb schickt die Nasa jetzt eine neue Toilette im Wert von 23 Millionen US-Dollar an die Internationale Raumstation ISS.
Sie ist als Test gedacht: Astronauten auf der ISS werden die Toilette testen, bevor die Nasa eine aktualisierte Version auf ihrem Orion-Raumschiff installiert, denn bereits 2023 soll eine Besatzung zum Mond fliegen.
Die Toilette wird als Universal Waste Management System – also universelles Abfall Management System bezeichnet. Ihr Vorteil ist nicht unerheblich, sie ist für Frauen einfacher zu bedienen als frühere Weltraumtoiletten.
Aber Jason Hutt, technischer Leiter des Orion-Raumschiffs, sagte, die neue Weltraumtoilette habe ein Problem: Sie ist zu stinkend.
"Wenn Sie den Geruch von gebrauchten Raumfahrzeugen nachstellen möchten, nehmen Sie ein paar schmutzige Windeln, einige Lebensmittelverpackungen für Mikrowellen, einen gebrauchten Beutel mit Luftkrankheit und ein paar verschwitzte Handtücher, legen Sie sie in einen Metallmülleimer der alten Schule und lassen Sie ihn in einem Ofen in der Sommersonne für 10 Tage backen", schrieb Hutt im August auf Twitter . "Dann öffne das Kind und atme tief durch."
Vorerst soll die neue neben einer der aktuellen ISS-Toiletten installiert werden. Schließlich soll das Demo-Modell auf der Station bleiben und dort auf unbestimmte Zeit benutzt werden.
Das Problem von Weltraumtoiletten ist die fehlende Schwerkraft. Auf der Erde sorgt die Erdanziehungskraft dafür, dass der Abfall nach unten gespült wird. Die neue Toilette, saugt den Urin und den Kot der Astronauten mit Ventilatoren ab. Im Raumschiff Orion würden die festen Exkremente aufbewahrt, bis das Schiff zur Erde zurückkehrt. Die flüssigen Bestandteile werden in den Weltraum entlüftet und gefrieren dort bei -270 Grad Celsius zu Eis.
Die Aussicht, wochenlang menschlichen Abfall zu lagern, erfordert nun, dass Ingenieure Wege finden, um den Gestank einzudämmen.
"Geruch wird durch die chemischen Verbindungen verursacht, die aus menschlichen Abfällen freigesetzt werden und den Filter durchbrechen, der diese Verbindungen entfernen soll", sagte Hutt.
Natürlich müssen alle Filter, die die Nasa verwendet, auch leicht und kompakt sein.
Wenn Gerüche entweichen, haben Astronauten nur sehr wenige Möglichkeiten, sie zu bekämpfen.
"Man kann nicht einfach ein Fenster öffnen, wenn etwas schlecht riecht", sagte Hutt.
Daher hat sein Team viele potenzielle Desodorierungsoptionen getestet. Für die Tests auf der Erde beschäftigt die Nasa "zertifizierte Schnüffler", die an den Toiletten riechen, um zu beurteilen, ob Geruchskontrollmaßnahmen funktionieren. Doch für den Weltraumeinsatz müssen jetzt die Astronauten der ISS selber ran. Sie müssen als Versuchskaninchen herhalten und dafür gibt die Nasa ganze 23 Millionen Dollar aus, damit die Mondmission nicht am Ende wegen unkontrollierter Geruchsbelästigung scheitert.
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Wenn alles gut geht, fliegt im Herbst 2021 der nächste Deutsche zur Internationalen Raumstation. Esa-Astronaut Matthias Maurer soll mit einer privaten Raumkapsel von SpaceX ins All starten. Der 50-Jährige erklärte seine Mission zur Liebeserklärung ans All.

Der deutsche Esa-Astronaut Matthias Maurer wird im Herbst 2021 zur Internationalen Raumstation ISS fliegen. Laut dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln soll Maurer als erster deutscher Astronaut an Bord einer Raumkapsel des privaten US-Unternehmens SpaceX von Milliardär Elon Musk ins All reisen. Die amerikanische, russische, kanadische, japanische und europäische Raumfahrtagentur haben ihn offiziell für den Flug ausgewählt.

Maurer wird als Vertreter des Astronautenkorps der Europäischen Weltraumagentur (Esa) an der Mission teilnehmen. Mit ihm fliegen den Angaben zufolge die Nasa-Astronauten Raja Chari und Thomas Marshburn. "Es ist offiziell... nächster Halt: ISS!", twitterte Maurer. "Ende 2021 startet mein erster Flug zum orbitalen Außenposten der Menschheit, um weiter über das Leben im Weltraum und Kenntnisse für uns auf der Erde zu erforschen." Seine Mission in den Erdorbit erklärte der 50-jährige gebürtige Saarländer zur Liebeserklärung an den Weltraum und stellte seinen Flug unter das Motto "Cosmic Kiss".

"Cosmic Kiss"-Logo: Himmelsscheibe von Nebra als Inspiration

Für das Logo der Mission ließ sich Maurer unter anderem von der tausende Jahre alten Himmelsscheibe von Nebra inspirieren. Diese Nachricht sei "mit großer Freude aufgenommen" worden, teilte am Dienstag das Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle (Saale) mit, das die Himmelsscheibe beherbergt.

"Archäologie und Astronomie sind die beiden Wissenschaften, in denen sich die Sehnsüchte und die großen Fragen der Menschheit bündeln: Woher kommen wir und wohin gehen wir?", erklärte Sachsen-Anhalts Landesarchäologe Harald Meller. "Die Himmelsscheibe von Nebra verbindet mit ihrem Blick in den Kosmos der Bronzezeit beides auf einzigartige Weise". 

Matthias Maurer: sechs Monate auf der ISS

Maurer wird sechs Monate lang auf der ISS leben und forschen. Dort wird er unter anderem Experimente des deutschen Astronauten Alexander Gerst fortsetzen. Auch ein Experiment zum Entstehungsprozess der Planeten ist geplant. Maurer ist Material- und Werkstoffwissenschaftler und hält in diesem Bereich mehrere Patente. Außerdem spricht der Amateurfunker neben Deutsch drei Fremdsprachen (Englisch, Spanisch, Französisch) fließend und hat während seiner Astronautenausbildung zudem Russisch und Chinesisch intensiv gelernt. Maurer wurde nach Angaben der Esa 2015 offiziell in das Astronautenkorps aufgenommen. Er ist der einzige Esa-Astronaut, der bisher noch nicht ins All geflogen ist.

Deutscher Esa-Astronaut Matthias Maurer
Unser nächster Mann im All: Esa-Astronaut Matthias Maurer fliegt im Herbst kommenden Jahres zur ISS.
© Nicole Fischer / Esa / DPA

Laut Maurer war er zunächst auch für diese Mission nur als Backup für seinen französischen Kollegen Thomas Pesquet vorgesehen. Nun rückte er aber in die Hauptcrew. Pesquet soll schon im Frühjahr zu seiner bereits zweiten ISS-Mission starten. "Ich freue mich darauf, Dich Ende 2021 auf der ISS zu treffen, sollten sich unsere Missionen überlappen", twitterte der Franzose.

Mission mit 35 deutschen Experimenten

Deutschland sei innerhalb der Esa der größte Beitragszahler, aber auch der größte Profiteur der wissenschaftlichen Nutzung, sagte der Leiter der Deutschen Raumfahrtagentur, Walther Pelzer. "Ich freue mich daher besonders, dass es uns in sehr kurzer Zeit gelungen ist, die Esa-Mission von Matthias Maurer mit rund 35 deutschen Experimenten zu unterstützen", fügte er hinzu.

dho AFP

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