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200.000 Jahre alt Neue Erkenntnisse über unsere mysteriösen Vorfahren: Bisher älteste Knochen von Denisova-Menschen entdeckt

Klein, aber bedeutungsvoll: Knochenreste des Denisova-Menschen
Klein, aber bedeutungsvoll: Knochenreste des Denisova-Menschen
© Katerina Douka
Bislang gibt es nur wenige Hinweise auf die Denisovaner – eine Urmenschenart, die einst in Asien und Russland lebte und eng mit uns verwandt war. Nun machten Archäologen spannende neue Funde.

Vor nicht einmal zehn Jahren wurden sie entdeckt, und das beinahe durch Zufall: Die Denisova-Menschen, eine vor etwa 60.000 Jahren ausgestorbene Urmenschenart, deren erste Spuren in der Denisova-Höhle in Sibirien gefunden wurden. Erst als man aus den wenigen dort ausgegrabenen Knochen DNA extrahieren konnte, stellten die Forscher fest: Dies war kein Homo sapiens, kein Neandertaler und auch sonst kein bekannter Urmensch. Eine Sensation. Seither hat man viel über die Denisovaner gelernt – doch noch immer sind sie unsere wohl mysteriösesten Verwandten.

Während vor 100.000 bis 200.000 Jahren Europa vor allem von den Neandertalern besiedelt war, lebten die Denisovaner wohl größtenteils in Asien. Doch in Russland und Osteuropa trafen beide Menschenarten aufeinander, bewohnten teils dieselben Siedlungsplätze. Auch der moderne Mensch hat die Denisova-Menschen getroffen, als er später von Afrika aus den Rest der Welt eroberte – und offenbar kam es auch zu romantischen Begegnungen. In der DNA vieler heutiger Menschen, besonders im asiatischen Raum, lassen sich winzige Spuren von Denisova-DNA nachweisen.

Denisova-Menschen: Noch immer rätselhaft

Doch über die Denisovaner kann man noch immer sehr wenige konkrete Aussagen treffen. Wie sie aussahen? Dazu gibt es nur Vermutungen. Wie sie lebten? Dazu lässt sich kaum etwas sagen. Das liegt daran, dass es noch immer kaum umfangreiche Spuren der mysteriösen Urmenschen gibt. Bis vor kurzem war alles, was Forscher:innen hatten, eine knappe Handvoll an kleinen Knochen oder Knochenresten – gerade einmal sechs Stück.

Nun aber machten sich Archäolog:innen daran, erneut am allerersten Fundort in der Denisova-Höhle in Sibirien zu graben. "Wir haben gezielt Bereiche ausgewählt, in denen zuvor angeblich keine menschlichen Fossilien gefunden wurden und diese Strategie war erfolgreich", so Dr. Katerina Douka von der Universität Wien. "Wir waren begeistert, als wir in den ältesten Schichten der Denisova-Höhle unter anderem drei weitere Denisovaner-Knochen gefunden haben!" Die versteinerten Knochen sind rund 200.000 Jahre alt und damit die ältesten Spuren der Menschenart.

Neue Funde verraten mehr über die Menschenart

Zum ersten Mal ergaben sich auch Hinweise auf den Lebensstil der Denisova-Menschen. Denn die Knochenfunde waren umgeben von Steinwerkzeugen und Überresten von Jagdbeute. Offenbar ernährten die rätselhaften Urmenschen sich von Gazellen, Rotwild, Wollnashörnern, Wildpferden und Bisons. Sie fertigten Werkzeuge für die Jagd und das Zerteilen des Fleisches an. "Wir können daraus schließen, dass die Denisovaner gut an ihre Umwelt angepasst waren und alle Ressourcen, die ihnen zur Verfügung standen, nutzten", so Katerina Douka. Sie hofft, dass in Zukunft noch viel mehr Informationen über unsere geheimnisvollen Vorfahren ans Licht kommen.

Quellen:  "Livescience", "Nature"

wt

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