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Archäologie: Ringheiligtum in Sachsen-Anhalt: Englische Forscher untersuchen Gemeinsamkeiten mit Stonehenge

Eine archäologische Stätte in Sachsen-Anhalt lockte eine Gruppe englischer Forscher an, die zusammen mit deutschen Kollegen nach Gemeinsamkeiten des Areals in Pömmelte mit den berühmten Steinkreisen von Stonehenge und Avebury suchen wollen.

Eine Rekonstruktion des Ringheiligtums von Pömmelte

Eine Rekonstruktion des Ringheiligtums von Pömmelte

Stonehenge kennt jeder: mystische Steine, riesengroß und faszinierend. Die englische Sehenswürdigkeit sagt auch Menschen etwas, die sonst nichts mit Archäologie am Hut haben. Aber Pömmelte – haben Sie das schon mal gehört? Vermutlich nicht. Denn Pömmelte ist ein 600-Seelen-Ort in der idyllischen Magdeburger Börde, fernab vom alltäglichen Trubel der Welt. Doch die Harmlosigkeit der Landschaft trügt: Unter den scheinbar endlosen Getreidefeldern der Gegend verbergen sich hochspannende Geheimnisse.

Das große Areal wurde zufällig entdeckt

2005 wurden durch Aufnahmen aus der Luft die Überreste einer massiven Kreisgrabenanlage im Boden entdeckt. Archäologen datierten sie auf das dritte Jahrtausend vor Christus. Mit seinen 80 Metern Durchmesser sorgte das altertümliche Ringheiligtum schnell für den Spitznamen "Klein-Stonehenge". Ganz ernst war das zuerst nicht gemeint – doch jetzt ist tatsächlich eine Gruppe Archäologen und Studenten von der Universität Southampton angereist. Die Forscher rund um Joshua Pollard haben sich zuvor intensiv mit den Stätten von Stonehenge und Avebury in England beschäftigt und sehen deutliche Ähnlichkeiten zwischen den britischen Anlagen und dem Ringheiligtum von Pömmelte.

Die britischen Archäologen untersuchen gemeinsam mit Kollegen der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg derzeit das Gelände außerhalb des Ringwalls. Dort stießen sie bereits auf Häuser der Glockenbecher-Kultur (2500–2050 vor Christus), von denen es in der Region ansonsten kaum Siedlungsspuren gibt, und auf Grabstätten aus der Zeit der Schnurkeramiker (2800–2050 vor Christus). Vermutlich waren es diese Menschen, die vor der Errichtung des großen Ringheiligtums in Pömmelte zuerst ein viereckiges "Vorläufer-Heiligtum" anlegten. Spannend: Auch im englischen Avebury konnten Spuren einer solchen Anlage, die älter als der spätere Steinkreis ist, nachgewiesen werden.

Wussten die Erbauer in England und Deutschland voneinander?

Sowohl in Südengland als auch in der Magdeburger Börde errichteten also Menschen der Schnurkeramik-Kultur erste Heiligtümer. An beiden Orten bauten später Menschen der Glockenbecher-Kultur aus den bescheidenen Vorläufer-Stätten imposante Ringanlagen – in Deutschland aus Holz, in Stonehenge und Avebury aus Steinen. Zudem trugen die Menschen der Glockenbecher-Ära, über deren Ursprung wenig bekannt ist, erste Kenntnisse der Metallverarbeitung in verschiedenste Teile Europas.

Die Ausgrabungsstätte außerhalb des Ringheiligtums

Die Ausgrabungsstätte außerhalb des Ringheiligtums

Die Ausgrabungen sollen bis September fortgeführt werden, aufgrund der vielen Funde und des großen Geländes aber im kommenden Sommer fortgesetzt werden. Das Ringheiligtum vom Pömmelte bestand aus mehreren Holzpalisaden, Gräben und Wällen. Es war so ausgerichtet, dass zwei der schmalen Eingänge an besonderen Tagen des Jahres zum Sonnenauf- und Untergang lagen. Zudem wurden hier rituelle Opfergaben dargebracht, und zwar – das ist bisher einzigartig – in speziell dafür ausgehobenen Schächten. In diesen Schächten fanden sich Waffen wie Steinbeile, Tier- und Menschenknochen. Auch zwei menschliche Schädel wurden entdeckt.

Das Ringheiligtum bestand über Jahrhunderte

Besonders ist, dass das Heiligtum von verschiedenen Kulturen genutzt wurde: von den Schnurkeramikern ab 2800 vor Christus, von den Menschen der Glockenbecher-Kultur ab 2500 vor Christus bis hin in die frühe Bronzezeit um 2000 vor Christus, in der die sogenannte Aunjetitzer Kultur (die die berühmte "Himmelsscheibe von Nebra" schuf) hier Rituale abhielt. Rund um die Stätte finden sich aus verschiedensten Epochen Spuren von Siedlungen und Leben – Häuser und Gräber. Vor mehr als dreitausend Jahren war Pömmelte also nicht die ländliche Idylle, die es heute ist – sondern eine für damalige Verhältnisse pulsierende Metropole, die vielleicht bis nach Großbritannien bekannt war.

Quelle: "Archäologie Online"