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Neue Studie Steinzeitmenschen lebten wohl fast komplett von Fleisch – bis die großen Tiere ausstarben

Steinzeitmensch bei der Jagd
Die Jagd sicherte für sehr lange Zeit das Überleben der Steinzeitmenschen
© gorodenkoff / Getty Images
Fast ausschließlich Fleisch, kaum Pflanzen – so soll laut Forschern die Ernährung der Steinzeitmenschen ausgesehen haben. Erst, als die großen Säugetiere nicht mehr als Nahrungslieferanten zur Verfügung standen, änderte sich das.

Wie haben unsere Vorfahren in der Steinzeit gelebt? Diese Frage treibt Wissenschaftler seit langer Zeit um und ist nur schwer zu beantworten. Forscher der Universität in Tel Aviv wollen nun neue Erkenntnisse darüber gewonnen haben, wie sich die Steinzeitmenschen ernährt haben. Demnach stand zwei Millionen Jahre lang fast ausschließlich Fleisch auf dem Speiseplan. Erst seit etwa 80.000 Jahren sollen Pflanzen eine größere Rolle in der Ernährung des Menschen spielen.

Das erklären die Wissenschaftler um den Paläoanthropologen Miki Ben-Dor in einem Aufsatz, der im Jahrbuch der Fachzeitschrift "American Journal of Physical Anthropology" veröffentlicht wurde. Ein Schlüsselereignis sei das Aussterben vieler großer Säugetiere, der sogenannten Megafauna, in verschiedenen Teilen der Welt gegen Ende der Steinzeit gewesen. Diese Tiere waren bis dahin die wichtigsten Fleischlieferanten für die Menschen gewesen. So waren die Jäger gezwungen, ihre Ernährung schrittweise umzustellen und mehr Pflanzen zu essen.

Steinzeitmenschen ernährten sich wohl zu mehr als 70 Prozent von Fleisch

Zu diesen Ergebnissen kamen Ben-Dor und seine Mitarbeiter, nachdem sie fast ein Jahrzehnt lang 400 wissenschaftliche Studien aus verschiedenen Fachdisziplinen analysiert hatten. Bisher, so erklärt Ben-Dor das Vorgehen, habe die Forschung meist versucht, aus dem Verhalten heutiger Kulturen von Jägern und Sammlern auf die Steinzeit zu schließen. Diesmal standen Erkenntnisse zum Beispiel aus der Biologie und der Archäologie im Mittelpunkt. "Das menschliche Verhalten verändert sich schnell, aber die Evolution arbeitet langsam. Der Körper erinnert sich", sagt Ben-Dor.

So deute der Säuregehalt im menschlichen Magen darauf hin, dass die Menschen lange als Fleischesser lebten. Im Vergleich zu anderen Jägern oder Allesfressern sei er relativ hoch. Ben-Dor führt das darauf zurück, dass die Säure sich herausgebildet hat, um Bakterien abzuwehren. Bakterien, die zum Beispiel in Fleisch vorkommen, vor allem, wenn es schon einige Tage oder Wochen alt ist.

Pflanzen spielten lange keine große Rolle

Jagdwerkzeuge und Überreste großer Tiere, die Archäologen gefunden haben, stützen diese Hypothese laut Ben-Dor ebenfalls. Die Menschen hätten damals eine "große Expertise" im Jagen von großen Säugetieren besessen und seien damit maßgeblich für deren Aussterben verantwortlich gewesen. "Es gibt keinen besseren Beweis dafür, dass die Menschen auf die Jagd von großen Tieren spezialisiert gewesen sind", ist sich der Forscher sicher. Werkzeuge für das Verarbeiten von Pflanzen würden erst später auftauchen.

Pflanzen wurden zwar durchaus auch damals schon konsumiert, machten in der Gesamtrechnung aber nur einen kleinen Anteil aus. Zu mehr als 70 Prozent ernährten sich die Steinzeitmenschen von Fleisch – zum Beispiel von Elefanten. Als Reaktion auf das Aussterben dieser großen Tiere in vielen Regionen wandten sie sich vermehrt den Pflanzen zu, bis hin zum systematischen Anbau, mit dem sie aber erst vor rund 13.000 Jahren begannen. 

Quellen: "American Journal of Physical Anthropology" / Universität Tel Aviv

epp

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