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Verschmutzung der Meere Fotografin Caroline Power: "Jedes ekelige Plastikteil, das normalerweise im Mülleimer ist, war im Ozean"

Plastik überzieht das Meer, so weit das Auge reicht. Diese Aufnahmen gingen 2017 um die Welt. Sie stammen von der Fotografin Caroline Power. Die US-Amerikanerin lebt seit rund elf Jahren auf Roatán, einer kleinen Insel vor der Küste von Honduras. Im Interview erzählt sie, was seit dem Video passiert ist – und wieso der Kampf gegen den Plastikmüll weitergehen muss.


„Es gab viele gute Dinge, die im letzten Jahr passiert sind. Taiwan hat das fortschrittlichste Plastikverbot vorangebracht, das noch dieses Jahr umgesetzt wird. Großbritannien hat einen Plan für die kommenden 25 Jahre entwickelt und will damit den Goldenen Standard unter den Ländern setzen, um Einwegplastik, Styropor zu reduzieren und mehr zu recyceln. Das Aufregendste ist das EU-Plastikverbot gewesen. Sie haben es bereits genehmigt, jetzt müssen sie in Verhandlungen noch herausfinden, wie genau es umgesetzt wird. Aber es scheint das umfassendste Verbot von Einwegplastik zu sein, das es bis heute gibt. Und sie wollen große Konzerne davon überzeugen, die Kosten von Plastikverschmutzung zu tragen.“


Power sieht die großen Konzerne und Regierungen weltweit am meisten in der Pflicht.
„Ich denke, dass die Plastikplage, die wir im Moment erleben, so weitreichend und so umfangreich ist, dass es jeden und jedes Land braucht, um etwas zu ändern. Als Individuen müssen wir unseren Fußabdruck von Einwegplastik verringern. Als Verbraucher müssen wir Konzerne ermutigen, entweder auf Plastikverpackungen zu verzichten oder zumindest leicht recyclebare Verpackungen anzubieten. Wenn man ein Produkt kauft und es ist ganz aus Plastik, hat man nicht wirklich eine Wahl. Regierungen müssen den Druck verschärfen und  Konzerne in ihrem Einsatz von Einwegplastik regulieren. Außerdem brauchen wir Unternehmen, die nach Alternativen suchen.“


Power ist leidenschaftliche Taucherin, macht Unterwasser-Aufnahmen und ist oft mit Tierschutzgruppen im Meer unterwegs. Erst kürzlich filmt sie, wie sich kleine Schildkröten auf ihrem Weg ins Meer abmühten und dabei viel Plastik im Weg war.


Als wir dort ankamen, war es schrecklich. Es gab nicht nur Golftange (eine Art von Braunalge, Anm. d. Red.) mit ein bisschen Plastik, es gab fast nur Plastik mit etwas Seegras. Da waren Chipstüten, Verpackungen von Wasserflaschen, Cola-Flaschen und Kinderspielzeug, Croc Flip Flops, und Windeln, und Kondome, und Metallmüll. Jedes ekelige Plastikteil, das man normalerweise im Mülleimer findet, war im Ozean. Es war schrecklich.
Es war schockierend, diese bedrohten Schildkröten zu sehen, wie sie über die Oberfläche aus Plastiktüten krabbelten. Einige waren gefangen in Plastiktüten, eine hatte einen Flaschenverschluss um ihre Flosse. Es war wirklich schrecklich...


Power und das Team konnten 18 lebende Schildkröten einfangen und in eine Aufzuchtstation bringen. Dort sollen sie groß werden und dann wieder in die Natur entlassen werden.


Für die Zukunft wünscht sich Power, dass das Thema Plastikverschmutzung nicht in Vergessenheit gerät – und das noch viel passiert.


“Ich hoffe, dass dieses Jahr genau so viele positive Veränderungen und Aufmerksamkeit gegenüber Plastikmüll im Ozean bringt wie letztes Jahr. Letztes Jahr ist Plastikmüll im Ozean zu etwas geworden, von dem erst niemand sprach zu etwas, von dem alle sprechen. Sogar mein Großvater, der 97 Jahre alt ist, hat vor einigen Monaten einen Plastikstrohhalm abgewiesen. Weil er nicht wollte, dass er ins Meer gerät. Das ist etwas, was vorher niemals passiert wäre. Von meiner kleinen Schwester, die 13 Jahre alt ist, zu meinem Großvater, der 97 Jahre alt ist, bis hin zu Fremden in der Schlange vor mir, die sagen: ‘Nein, danke, ich brauche keine Plastiktüte.’ Es gab große Veränderungen. Ich hoffe nur, dass wir damit weitermachen können. Denn ich glaube, es ist kein Problem, das schon besser wird. Wir müssen immer noch darüber reden und Aufmerksamkeit schaffen, und große Veränderungen vorantreiben. Wir müssen sicher gehen, dass es nicht in Vergessenheit gerät.”
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Fotografin Caroline Power veröffentlichte diese Aufnahmen 2017. Die Bilder gingen um die Welt. Die auf der kleinen Insel Roatán lebende US-Amerikanerin berichtet im Interview, was es für positive Veränderung im vergangenen Jahr gab - und warum sie weiter gegen Umweltverschmutzung kämpfen wird.

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