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Thailands Arbeitsaffen: Von der Schulbank in die Palmenwipfel

Thailands Landwirtschaft käme ohne Affen auf keinen grünen Zweig: Die flinken Erntehelfer können pro Tag bis zu 1000 Kokosnüsse aus den Palmenwipfeln holen. Mui Chundang trainiert die Affen seit 30 Jahren.

Wie viele Schützlinge er in seinem Leben schon auf die Palme gebracht hat, weiß Mui Chundang nicht mehr. "Einige hundert, vielleicht auch über tausend", sagt der 50-Jährige. Seit 30 Jahren trainiert Mui nun schon Affen, zeigt ihnen, wie sie in Schwindel erregender Höhe Kokosnüsse und andere Früchte pflücken. Thailands Landwirtschaft könnte kaum auf die flinken Helfer verzichten: Während ein Mensch mühsam 200 bis 300 Nüsse am Tag aus den Palmwipfeln holen kann, bringen es Affen auf bis zu 1000.

Wie etwa Michael, der fünf Jahre alte Makak. Wenn der Primat nicht gerade mit Mui Chundang auf Plantagen unterwegs ist, zeigt er nahe der nordthailändischen Stadt Chiang Mai im 'Monkey Center' vor Publikum sein Können. Auf einen kleinen Wink seines Besitzers hin schießt das Tier in wenigen Sekunden an einer langen Leine den steilen Palmenstamm hinauf. Oben angekommen, dauert es wieder nur ein paar Augenblicke und schon sausen die Kokosnüsse herab. Im günstigsten Fall lässt der Affe unreife oder angefaulte Früchte hängen und pflückt nur jene, die sich gut verkaufen lassen.

12.000 ehrliche, höhenangstfreie Erntehelfer

Bis zu zwei Jahre dauere die Ausbildung eines Tiers in der Regel, berichtet Trainer Mui. Die Affen stammten zumeist von Eltern ab, die ohnehin schon bei Menschen leben, oder sie wurden in den Urwäldern gefangen, wie schon seit Jahrhunderten. Er selbst habe den Job des Ausbilders von seinem Vater übernommen, erzählt Mui. Seiner Schätzung zufolge sind derzeit in ganz Thailand 12.000 Primaten als Erntehelfer im Einsatz. "Affen beschweren sich nicht, verhandeln nicht um Löhne, sie betrügen nicht und haben keine Höhenangst", erläutert ein Schild in Chiang Mais 'Monkey Center' die Vorteile für den Menschen.

Dabei sei Affe nicht gleich Affe, sagt Trainer Mui. "Manche sind talentiert und manche wollen einfach nicht hören." Die weniger Begabten schreibe er aber nicht gleich ab und schicke sie zurück in den Dschungel. "Wir nehmen die Langsamen nicht für die großen Plantagen, sondern für kleinere Aufträge von Privatleuten." Die Arbeitszeit von Mensch und Tier sei indes dieselbe, betont er. "Um 8.00 Uhr geht es los, dann Mittagspause, um 5.00 Uhr ist Schluss."

Wie ein Familienmitglied

Tierschützer hegen indes kaum Bedenken gegen den Ernteeinsatz der Affen. Der Bestand der Tiere sei nicht bedroht, heißt es etwa vom World Wide Fund for Nature (WWF). "Von meiner eigenen Beobachtung her scheinen diese Affen bei ihren Besitzern unter ziemlich vernünftigen Umständen zu leben, und sie sind viel draußen", sagt der Naturschutzleiter des WWF in Thailand, John Parr. Werden die Tiere allerdings im Urwald gefangen und damit aus ihrer natürlichen Umgebung gerissen, sehe man dies "mit großer Sorge".

"Man muss sich um sie kümmern wie um ein Familienmitglied", sagt Trainer Mui. "Wenn es für die Familie beim Essen einen Nachtisch gibt, muss der Affe ebenfalls einen haben." Auch wenn die übliche "Pensionsgrenze" der Tiere im Alter von etwa 14 Jahren erreicht ist, bleiben sie bei ihrem Besitzer im Haus; im Durchschnitt hat ein Makak dann noch etwa 15 Jahre zu leben. "Im Dschungel würde er sich nicht mehr zurechtfinden. Deshalb lebt er weiter bei uns", sagt Mui.

Frank Brandmaier / DPA
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