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Crash-Vermeidung: Was Flugzeug-Ingenieure von Wellensittichen lernen

Beim Fliegen stoßen Vögel so gut wie nie zusammen. Verfügen sie über ein besonderes Kollisions-Warnsystem? Australische Wissenschaftler haben das Geheimnis herausgefunden.

Wellensittich im Flug

Wellensittich im Flug: Die Vögel weichen immer nach rechts aus

Der australische Biologe Mandyam Srinivasan beschäftigt sich seit 25 Jahren mit dem perfekten Flug von Bienen. Selbst, wenn vor dem Bienenstock dichtes Gedränge herrscht, stoßen die Insekten nie zusammen und landen elegant auf Blüten, wo sie ihren Nektar saugen. In seinen Forschungsarbeiten untersucht der in Indien geborene Wissenschaftler die Zusammenhänge zwischen visueller Wahrnehmung, Bildverarbeitung und Robotik.

Seine zentrale Fragestellung: Gibt es in der Natur ein Prinzip, das Kollisionen verhindert? Mit einem Forscherteam hat Srinivasan an der University von Queensland in Australien eine neue Serie von Experimenten durchgeführt: Dazu sind Wellensittiche von den gegenüberliegenden Enden eines Tunnels aufeinander zugeflogen und mit Hochgeschwindigkeits-Videokameras gefilmt worden.

Das Verblüffende bei dem Experiment in Brisbane: "Es kam zu keiner Kollision in der Luft, da die Wellensittiche immer rechtsherum auswichen und in manchen Fällen sogar, vermutlich nach vorher festgelegten Vorlieben, unterschiedlich hoch flogen“, berichtet eine Veröffentlichung des Instituts Ranke-Heinemann.

Bestimmt die Gruppenhierarchie die Flugbahn?

Bei den Versuchen flogen die Wellensittiche selten auf derselben Höhe. Haben Vögel etwa Vorlieben für bestimmte Flughöhen und wird ihre Position durch die Gruppenhierarchie bestimmt? Antworten auf diese weiterführenden Fragen gibt es noch nicht.

Da der Luftverkehr weltweit jedes Jahr zunimmt, hat der Bedarf an optimierten Antikollisionssystemen enorm zugenommen. Zwar wurde für Verkehrsflugzeuge ein Traffic Alert and Collision Avoidance System (TCAS) entwickelt, es wird in jedes Flugzeug mit mehr als 5,7 Tonne Abflugmasse eingebaut. Ausgelöst wurde die Entwicklung eines Crash-Warnsystems durch den Zusammenstoß (Mid-air collision) zweier Propellermaschinen über dem Grand Caynon im Jahre 1956, bei dem 128 Menschen ums Leben kamen.

Doch aufgrund des Einsatzes von immer mehr unbemannten Flugobjekten gilt es auch, automatische Steuersysteme für Drohnen zu entwickeln. Deshalb werden die Untersuchungen am Queensland Brain Institute von Boeing Defence Australia gefördert. Auch das Militär hat an den Forschungsergebnissen ein hohes Interesse.

tib