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Neue Studie Neue Erkenntnisse zu Glyphosat: Ist das Pflanzenschutzmittel doch für das weltweite Insektensterben verantwortlich?

Glyphosat wird seit den 1970er Jahren weltweit eingesetzt.
Glyphosat wird seit den 1970er Jahren weltweit eingesetzt.
© FRP / Picture Alliance
US-Forscher sind einer Nebenwirkung von Glyphosat nachgegangen. Das Herbizid hemmt die Produktion von Melanin in Insekten und schwächt so ihre Immunabwehr.

Der Bestand an Insekten nimmt dramatisch ab. In vielen Ländern können Insekten heute in Städten besser überleben als in ländlichen Gebieten, wenn der Boden dort landwirtschaftlich genutzt wird. Schon lange wird ein Zusammenhang zwischen dem Insektensterben und dem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln vermutet, nur der Nachweis ist schwierig. Denn das weltweit am meisten verwandte Pflanzenschutzmittel Glyphosat wurde eigens so entwickelt, dass es keine schädlichen Auswirkungen für Insekten, Tiere und Menschen haben sollte.

Glyphosat tötet gezielt Pflanzen ab, indem es einen wichtigen Stoffwechselprozess unterbricht. Diesen Stoffwechsel gibt es nur in Pflanzen, also galt Glyphosat lange Zeit als harmlos. Glyphosat ist in den letzten Jahren nach Prozessen in den USA massiv in die Kritik gekommen. Vietnam hat das Herbizid vollständig verboten, mehrere andere Länder planen einen schrittweisen Ausstieg.

Tod durch die Hintertür

Nun haben Forscher der Johns-Hopkins-Universität festgestellt, dass Glyphosat doch Nebenwirkungen für Organismen hat. Ihre Erkenntnisse deuten darauf hin, dass das Herbizid das Immunsystem von Insekten schwächt. Schon im Jahr 2001 untersuchte ein Forscherteam die Wirkung von Glyphosat auf Pilze. Sie fanden heraus, dass das Mittel die Melaninproduktion der Pilze hemmt.

Beim Menschen ist Melanin als schützendes Hautpigment bekannt, bei Insekten spielt es eine entscheidende Rolle bei der Immunität. Also fragten sich die Forscher, welche Auswirkungen Glyphosat auf das Immunsystem von Insekten hätte, würde die Chemikalie auch hier die Melaninproduktion stören. Die Wirkung untersuchten sie bei zwei Insektenarten: einer afrikanischen Stechmücke, die als Malariaüberträger bekannt ist, und einer Wachsmottenart.

Die Insekten sterben mit enormer Geschwindigkeit

Bei beiden Arten hemmt Glyphosat tatsächlich die Melaninproduktion. Die Insekten sind dann anfälliger für Infektionen. Eine Vergiftung über einen Umweg: Die Tiere sterben nicht am Glyphosat, es macht sie nur wehrlos gegenüber anderen Infektionen. "Mücken, die Glyphosat ausgesetzt waren, waren weniger in der Lage, Plasmodium-Infektionen zu beherrschen, denen sie sonst widerstanden hätten", so Co-Autor Daniel Smith. Bei der Stechmücke führt das nicht allein zur Gefährdung der Insekten, sie sind vermutlich auch gefährlichere Überträger von Malaria. "Diese Ergebnisse geben Anlass zur Sorge über den zunehmenden Einsatz von Glyphosat in Regionen der Welt, in denen Malaria endemisch ist."

Arturo Casadevall, ein weiterer Autor der Studie, möchte noch keine direkten Schlüsse zwischen dem Einsatz von Glyphosat und dem weltweiten Insektensterben ziehen. Er betont aber, dass die entdeckten Nebenwirkungen überraschend sind, die Wirkung also von niemandem vorhergesehen wurde. "Unsere Ergebnisse zeigen unerwartete Auswirkungen eines weitverbreiteten Herbizids und machen darauf aufmerksam, dass die Verbreitung dieser Chemikalien in der Umwelt unbeabsichtigte Folgen haben kann", lautet seine sehr vorsichtige Formulierung. Auch so wird die Diskussion um Glyphosat weitergehen. Eine Studie aus dem Jahr 2017 zeigte, dass bis zu 75 Prozent der Fluginsekten in den letzten 25 Jahren verschwunden sind. Es ist also keine Zeit mehr zu verlieren.

Quelle: Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health


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