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Highlander Schlacht von Culloden – so blutig verleibten sich die Briten Schottland ein

Nach der Schlacht von Culloden vernichteten die Engländer planmäßig eine ganze Kultur ("The Battle of Culloden, David Morier, 1746).
Nach der Schlacht von Culloden vernichteten die Engländer planmäßig eine ganze Kultur ("The Battle of Culloden, David Morier, 1746).
Culloden ist die letzte Schlacht auf britischem Boden. Hier wurde der letzte Aufstand der Schotten zusammengeschossen. Danach überzogen die Briten die Highlands mit Mord und Terror – ganz bewusst zerstörten sie die Kultur der Schotten.

Den meisten Deutschen dürfte die Schlacht von Culloden durch die romantische Time-Slip-Serie "Outlander" bekannt sein. In der TV-Oper fällt die Zweite-Weltkrieg-Sanitäterin Claire in das Schottland des Jahres 1743 und verliebt sich prompt in Highlander Jamie. Überschattet wird die leidenschaftliche Liebe von ihrem Wissen aus der Zukunft: Sie weiß, dass die Welt der Clans 1746 auf dem Feld von Culloden im Feuer der englischen Armee zerbrechen wird ("Outlander - Starke Männer braucht die Frau").

Im Vereinigten Königreich und der Debatte um die Unabhängigkeit Schottlands ist die Schlacht von eminenter politischer Bedeutung, denn hier hat London am 16. April 1746 den letzten Versuch der Unabhängigkeit Schottlands blutig erstickt. Die Schlacht und die folgende gnadenlose Unterdrückung der Schotten haben sich eingebrannt. Denn dem siegreichen Königshaus ging es um nichts weniger, als eine ganze Kultur auszurotten.

Hass, der nie verging

Paul O'Keeffe erzählt nun die Geschichte der letzten großen Schlacht auf britischem Boden. O'Keeffe ist ein gewaltiger Erzähler und er hat einen Trick gefunden, Geschichten, die schon tausendmal erzählt wurden, einen anderen Spin zu geben. Wie in seinem Waterloo-Buch konzentriert er sich nicht auf die Kämpfe, sondern mehr auf das Danach.

Dabei ist die Grundperspektive konventionell. O'Keeffe folgt dem Thronanwärter, dem nur 24-jährigen Charles Edward Stuart - dem Enkel des abgesetzten Stuart-Monarchen James II. Im Sommer 1745 landet er mit nur sieben Männern auf den Äußeren Hebriden, und fordert das Königshaus in London heraus. Mit dabei hatte er immerhin 1500 Musketen, 1800 Breitschwerter, 20 Geschütze und eine Kriegskasse von 4000 Goldstücken.

Der strahlende Jüngling - "Bonnie Prince Charlie" – brachte die Clans der Highlands dazu, sich zu erheben, und beschäftigt seitdem die romantischen Seelen. "Ich bin nach Hause gekommen, Sir... Wenn ich nur hundert gute, stämmige, ehrlich gesinnte Burschen dazu bringen kann, sich mir anzuschließen, werde ich einen Versuch wagen," erklärte er bei seiner Landung.

Ein Unternehmen, das nur scheitern konnte

Tausende schlossen sich ihm und seinem kühnen Feldzug an. Letztlich musste er scheitern - ohne Verstärkungen, ohne industrielle Basis und ohne Verbündete, die echte Truppen hätten schicken können. Die Besonderheit ist nicht, dass seine wilde Truppe bewaffnet immer noch mit Schildern und dem traditionellen Claymore-Schwert in Culloden unterging, sondern dass sie den Briten zuvor so zusetzen konnten.

Bei Prestonpans schlugen 2500 Highlander eine etwas kleinere Regierungstruppe unter Sir John Cope vernichtend. Die Infanteristen der Krone waren schlecht ausgebildet und undiszipliniert. Beim ersten Ansturm brachen ihre Reihen und die Soldaten versuchten zu fliehen. In nur zehn Minuten wurden sie aufgerieben. "Die Hiebe, die die Highlander mit ihren Schwertern austeilten", so ein Augenzeuge, "zeugten von ihrer Stärke; nicht nur Hände und Füße der Männer wurden abgetrennt, sondern sogar die Beine der Pferde." Auch bei Falkirk schlugen die Clans die Armee von General Henry Hawley. Doch diesen mal hielten einige Regimenter stand und deckten den Rückzug der geschlagenen Armee "Mein Herz ist gebrochen", schrieb Hawley, vor Wut soll er seinen Degen zerbrochen haben.

Der "Butcher" regiert Schottland

Doch damit war die Zeit der leichten Siege und der übermütigen Gegner vorbei. Wie bei vielen Aufständen spielte die Zeit der Regierung in die Hände. Der neue Kommandant, der Herzog von Cumberland, richtetet die Moral seiner Soldaten wieder auf und fand neue Taktiken, den Ansturm der wilden Clankrieger zu begegnen. Cumberland war kein militärischer Genius, er war ein kampferprobter Offizier und von gehöriger Gewissenlosigkeit. Vor allem kannte er die Taktiken der Highlander. Er wusste, wie man ihrem berühmten Sturmangriff widerstand. Die Highlander lenkten im Nahkampf mit ihrem kleinen Schild Piken und Bajonett des gegenüberstehen Mannes ab, und erschlugen ihn dann mit einem Hieb des kurzen Breitschwerts. Cumberland trainierte seine Soldaten darauf, nicht auf den unmittelbaren Angreifer einzustechen, sondern darauf, immer den Mann rechts daneben an seiner ungeschützten Seite zu treffen.

Die anstürmenden Highlander hatten keine Chance. Die Artillerie hatte die geschwächten Truppen bereits dezimiert. "Unsere Soldaten", schrieb ein britischer Offizier, "wurden durch die neue Übung unerreichbar für die Schwerter; und die Rebellen, als sie vorwärtsdrängten, fielen in den sicheren Tod. Unsere töteten mindestens zehn Männer bei einem eigenen Gefallen." Innerhalb einer halben Stunde war die Schlacht vorbei und ein "widerstandsloses, wehrloses Gemetzel" war im Gange.

Trost im Suff 

Nach der Schlacht machte Cumberland die Gefangenen nieder, viele sollen lebendig verbrannt worden sein. Das Buch heißt nicht umsonst "Battle and Aftermath". Paul O'Keeffe widmet sich den Folgen der letzten Feldschlacht auf britischem Boden. Er erzählt wie der Herzog von Cumberland im öffentlichen Bewusstsein vom Helden und Retter zum "Schlächter" – "The Butcher" – wurde. Denn auch nach der Schlacht wütete Cumberland weiter. Seine Truppen mordeten, vergewaltigten und brandschatzten. Das erklärte Ziel war es, die gälische Kultur und das System der Clans zu zerstören. Doch das Bewusstsein änderte sich schnell. Waren die Highlander eben noch unzivilisierte Barbaren, wurden sie von der beginnenden Romantik zu edlen Wilden verklärt. Die Briten galten nicht mehr als die Verkünder der Zivilisation, sondern wurden als die brutalen Unterdrücker gesehen, die sie wohl auch waren. In der Serie "Outlander" scheint die romantische Vision der untergegangenen Highlands heute noch durch.

Und O'Keeffe folgt dem Niedergang des schönen Prinzen. Nach Culloden konnte er nie wieder ein Heer aufstellen. Fünf Monate irrte er im Land umher. Keiner der armen Bauern, die ihn versteckten, verriet den Prinzen, obwohl die Briten ein ungeheures Kopfgeld von 30.000 Pfund auf ihn ausgesetzt hatten. Bonnie Prince Charlie floh im September 1746 nach Frankreich. Der letzte Stuart starb als gebrochener Alkoholiker und hinterließ keinen Erben.

Quelle: Culloden: Battle & Aftermath, Paul O'Keeffe

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