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Antike Kriegsführung Die makedonische Phalanx – mit Hammer und Amboss schuf Alexander ein Weltreich

Szene aus aus dem Fim "Alexander" von Oliver Stone
Szene aus aus dem Fim "Alexander" von Oliver Stone
© PR
Die makedonische Phalanx war eine Superwaffe der Antike. Mit ihr schuf Alexander sein Weltreich, erst die Römer wussten, wie man den griechischen Hammer besiegen konnte.

Geboren wurde die Phalanx aus der Not heraus. Anders war es auch kaum möglich, denn die tiefgestaffelte Formation erreichte ihre Wirkung als Kollektiv. Eine Kaste wohlhabender Elitekrieger hätten das Einordnen in die Masse stets abgelehnt. Als Philipp II. im Jahr 359 v. Chr. den makedonischen Thron bestieg, war das Land ziemlich heruntergekommen. Das Volk war verarmt, schlecht ausgerüstet und kaum ausgebildet. Um ein hervorragender Schwertkämpfer zu werden, war ein lebenslanges Training vonnöten. Also verfiel er auf eine andere Idee. Er rüstete seine Soldaten mit leichten Rüstungen aus und gab ihnen eine vier bis sechs Meter lange Lanze, die Sarissa. Für einen stolzen Adeligen war die Larissa eine undenkbare Waffe, denn für den Einzelkämpfer war sie vollkommen wertlos. Im Kampf Mann gegen Mann kann der Opponent den unhandlichen Langspieß umgehen und dann ungehindert den Träger attackieren, der zudem nur einen kleinen Schild trug. Die Larissa wirkte in der Masse. Wenn mehrere Reihen den Spieß senkten und dann Spitze neben Spitze wie bei einem stählernen Igel nach vorn ragte.

Nur stark als Gruppe 

Die Länge der Spieße führte dazu, dass die Gegner die Makedonen mit ihren Schwertern nicht erreichen konnten. Wurde die Larissa mit dem stumpfen Ende im Boden abgestützt, konnte sie einen Angriff von Reitern und sogar Streitwagen auffangen. Um sie effektiv bedienen zu können, war Kraft vonnöten und die Fähigkeit, mit eiserner Disziplin den Bewegungen der Formation zu folgen.

Ähnlich wie die römische Schildkröte war die Phalanx eine kompakte Formation, die 16 Glieder tiefgestaffelt aufgestellt wurde. Durch die Länge der Piken sah sich ein Gegner gleich fünf Spitzen gegenüber. Damit deckte man mit seinen Truppen nur eine geringe Frontbreite ab, aber auf dieser Breite wirkte die Phalanx wie ein Hammer. Einmal in Gang gesetzt, war die Formation kaum aufzuhalten, da die hinteren Ränge die vorderen Männer buchstäblich nach vorne schoben. Wenn alles gut ging, brach diese Formation die feindliche Linie an mehreren Stellen auf. Mit dem Brechen der Linie war in den damaligen Zeiten die Schlacht entschieden.

Das Manko der Formation war ihre Schwerfälligkeit, doch das glich Philipp durch ständigen Drill aus. Seine Soldaten waren in der Lage auch im Gefecht schnell Richtung und Tiefe der Formation zu ändern. Dadurch war es schwer, die Phalanx an den schwachen Stellen, den Seiten und dem Rücken, anzugreifen. Sie konnten länger und schneller marschieren als andere.

Basis eines Weltreiches 

Mit der makedonischen Phalanx erbte Philipps Sohn und Nachfolger Alexander die stärkste und disziplinierteste Infanterie der damaligen Zeit. Er vervollkommnete ihren Einsatz in der "Hammer und Amboss"-Taktik. Ein Teil seiner Armee griff in Phalanx-Form den Gegner an, versuchte aber nicht, ihn aus der Position zu werfen, sondern verwickelte ihn nur in Kämpfe. Dieser "Amboss" band die gegnerischen Truppen, die sich nicht mehr frei bewegen konnten. Dann führt Alexander selbst seine Elitetruppe der Hetairoi (Gefährten) gegen einen schwachen Teil des Feindes. Die Hetairoi kämpften als Stoßkavalarie zu Pferde. Alexander soll sein Streitross Bukephalos geliebt haben wie einen Freund, bis zum Tode begleitete ihn Bukephalos in allen Schlachten.

Die Reiter stießen durch die Front, die der Gegner nicht mehr verstärken konnte. Dann wandten sich die Hetairoi gegen den Rest der feindlichen Soldaten, die nun auch stärker von den anderen Truppen Alexanders bedrängt wurden. Der Hammer schlug zu, der Feind war zwischen ihm und dem Amboss gefangen. Die großen Siege Alexanders führten nicht zu einer Schwächung des Gegners, sondern zu weitgehender Vernichtung seines Heeres.

Am Ende ausmanövriert 

Die Disziplin der Makedonier war entscheidend, ebenso wichtig war, dass die Truppen des Gegners schlechter auf die Bewegungen in ihren Formationen gedrillt waren. Sobald ein Gegner sich durch eine flachere Aufstellung schneller koordiniert auf dem Schlachtfeld bewegen konnte, musste die Phalanx Probleme bekommen. Ihre kurze Fronbreite führte notwendigerweise zu einer kurzen Linie. Die Ära der Phalanx endete, als die Makedonen auf die Römer trafen. Die Legionäre waren ebenso diszipliniert und trainiert wie die makedonischen Fußsoldaten. Doch ihre Generäle konnten kleine Gruppen von Soldaten – Manipel und Kohorten – gezielt auf dem Schlachtfeld bewegen, so wurde die Phalanx ausmanövriert.


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