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Getränke-Lieferdienst Oetker will Flaschenpost übernehmen – und zahlt wohl eine Milliarde

Flaschenpost
Der Getränkelieferdienst Flaschenpost ist zuletzt stark gewachsen
© Rolf Vennenbernd / DPA
Erst versuchte Oetker, den erfolgreichen Getränkelieferdienst Flaschenpost zu kopieren. Jetzt kauft der Konzern das Original – und greift dafür tief in die Tasche.

Im wachsenden Markt für Getränkelieferdienste bahnt sich ein Mega-Deal an: Die Oetker-Gruppe plant den Kauf des Start-ups Flaschenpost. Entsprechende Verträge seien am 30. Oktober unterzeichnet worden, bestätigte der Konzern dem stern. Die Transaktion müsse aber noch von den Kartellbehörden genehmigt werden. Über den Kaufpreis sei "Stillschweigen vereinbart" worden. Laut den Portalen OMR und Deutsche Startups, die am Sonntag als Erste über den Deal berichtet hatten, soll Oetker für die Übernahme eine Milliarde Euro auf den Tisch legen.

Flaschenpost wurde 2012 in Münster gegründet und betreibt mittlerweile 23 Standorte mit rund 7000 Mitarbeitern in ganz Deutschland. Der Lieferdienst mit den pink-weißen Fahrzeugen verspricht eine Getränkelieferung binnen 120 Minuten nach Online-Bestellung. Flaschenpost liefert nach eigenen Angaben 100.000 Kisten am Tag aus. In der Pandemie hat sich die Nachfrage nach den Getränkelieferungen noch einmal erhöht, der Umsatz für dieses Jahr wird von Beobachtern auf mehr als 300 Millionen Euro geschätzt. Allerdings ist der Dienst wohl noch stark defizitär.

Verschmelzung von Flaschenpost mit Durstexpress

Nahrungsmittelriese Oetker, zu dem im Getränkebereich die Radeberger Gruppe gehört, betreibt mit Durstexpress seit 2017 einen direkten Konkurrenten von Flaschenpost. Sollte der Zukauf vom Kartellamt genehmigt werden, könnte Oetker beide Dienste miteinander verschmelzen. An der Spitze des fusionierten Dienstes sollen Manager aus beiden Unternehmen stehen, teilte Oetker mit. Der Getränkelieferdienst soll künftig von Münster und Berlin aus gelenkt werden.

Flaschenpost gilt aufgrund seines starken Wachstums als Erfolgsgeschichte. Kritik gab es in der Vergangenheit an den Arbeitsbedingungen. So soll es in den Fahrzeugen teils keine Klimaanlagen gegeben haben und Mitarbeiter im Logistikzentrum sollen mit Kameras überwacht worden sein. Als Mitarbeiter Ende 2019 einen Betriebsrat gründen wollten, wurde das vom Unternehmen massiv torpediert. Seit April dieses Jahres gibt es den Betriebsrat aber trotzdem.


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