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UN-Klimagipfel "Brennender Zorn und schonungslose Eloquenz": So kommentiert die Presse Gretas Wutrede bei der UN

Greta Thunberg spricht vor der UN-Vollversammlung
Laut sprach Greta Thunberg nicht vor der UN-Vollversammlung – aber eindringlich
© Timothy A. Clary / AFP
Sie musste gar nicht laut werden, um sich Gehör zu verschaffen: Mit drastischen Worten hat Greta Thunberg den Mächtigen der Welt in Sachen Klimapolitik die Leviten gelesen. Das Presseecho ließ nicht lange auf sich warten.

"Wie könnt ihr es wagen?" Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg hat den Staats- und Regierungschefs auf dem Klimagipfel in New York gehörig die Leviten gelesen. Ihre Kindheit sei zerstört, Tier- und Pflanzenarten ausgerottet, die Zukunft der Menschheit aufs Spiel gesetzt worden.

Mit Tränen in den Augen und sichtlich bewegt machte sie den Mächtigen der Welt heftige Vorwürfe. Ihre Rede wurde von der internationalen Presse überwiegend positiv aufgenommen. Doch es gab auch kritische Reaktionen. Ein Überblick.

Das sind die deutschen Pressestimmen 

"Augsburger Allgemeine": "Der UN-Klimagipfel war geprägt vom Versagen der Politik und dem starken Auftritt der Klimaaktivisten rund um Greta Thunberg. Mit rollenden Augen hielt die Schwedin eine flammende Ansprache und darin den Staats- und Regierungschefs den Spiegel vor. Ihr redet nur und werft mit Geld um euch, statt zu handeln, war Thunbergs Hauptvorwurf. In der Tat wurden auf dem Gipfel wieder ein paar Millionen Dollar durch die Welt geschoben, aber das Bekenntnis, sofort etwas gegen den Klimawandel tun zu wollen, blieb aus. Am Ende standen Wut und Enttäuschung bei Jugendlichen in aller Welt, die nun immer mehr das Vertrauen in die Politik verlieren." 

"Cicero": "'How dare you?' Ich weiß nicht, ob es an diesen drei Worten lag. An dem kindlichen Gesicht, das vor Wut ganz rot und verzerrt war. An den Augen, die sich zu Schlitzen verengten. An der Stimme, die vor Wut bebte. Oder an dem Applaus, den erwachsene Menschen diesem Auftritt einer 16-jährigen spendeten, die, gehyped von Politikern und Journalisten, offenbar nicht mehr weiß, wer sie ist, ein Mädchen, das von der Angst vor der Klima-Katastrophe besessen ist und sich dazu berufen fühlt, die Welt zu retten – oder der liebe Gott, pardon, die liebe Göttin selbst? Aber es lief mir kalt den Rücken herunter. Es ging mir mit der Wutrede, die Greta Thunberg beim Klimagipfel der Vereinten Nationen hielt, wie mit einem jener Horrorfilme von Stephen King, in denen Kinder die Hauptrolle spielten: Ich bekam Angst."

"Deutsche Welle": "Sie ist jung und sieht noch jünger aus. Wenn sie zu uns spricht, schaut uns das Gesicht eines Kindes an. Und das berührt etwas ganz tiefes in den Menschen. [...] Kinder gelten als unschuldig und rein. Sie sprechen Wahrheiten aus, die Erwachsene versuchen zu ignorieren und zu verbergen. [...] Und so ist Greta Thunberg das Kind unserer Zeit, das die Wahrheit spricht. Das uns, den Erwachsenen, in die Augen schaut und uns Lügner nennt. Und wir schauen gebannt hin, applaudieren, projizieren in sie unsere Wünsche, Sehnsüchte und Ängste, sehen in ihr das Kind, das uns retten wird. Endlich! Hosianna! Und jetzt können wir uns wieder ruhig zurücklehnen und entspannen. [...] Der weltweite Medienhype hat aber auch wesentlich mit einer weiteren Fähigkeit von Greta Thunberg zu tun: Sie ist eine Meisterin der Zuspitzung und Vereinfachung. Das ist etwas, was sie mit vielen Populisten weltweit gemein hat."

Das sagt die internationale Presse zur Wutrede von Greta Thunberg

"The Sydney Morning Herald" (Australien): "Egal, was Sie schon über den Klimawandel wissen, wie sehr oder auch nicht Sie sich darum sorgen: Sie sollten Greta Thunbergs Fünf-Minuten-Rede am Montag bei der UN ansehen. Mit brennendem Zorn hat sie die rationalste aller Antworten gegeben auf die existenzielle Krise, die sich vor uns ausbreitet. Diese Antwort war ihr ins junge Gesicht geschrieben – eine Mischung aus Empörung, Trauer und Wut. Mit schonungsloser Eloquenz hat sie die ungeheure Unzulänglichkeit der offiziellen Pläne zur Bekämpfung der Erderwärmung bloßgestellt."

"CNN" (USA): "Greta Thunberg, eine 16-jährige, schwedische Aktivistin, hat uns gerade alle daran erinnert, was in Sachen Klimawandel genau auf dem Spiel steht. [...] Thunberg hat der Generation, die einmal darunter leiden wird, ein Gesicht und eine Stimme gegeben. [...] Sie war eine wichtige Erinnerung daran, wie stark eine einzelne Stimme sein kann. Wir brauchen nicht weiter zu schauen als bis zu den Zusammenbrüchen der Klimaleugner, um zu wissen, dass sie einen Nerv getroffen hat. Lasst uns aber darauf hoffen, dass ihre Worte auch diejenigen ermutigen, die die Beweise sehen und die Wahrheit kennen, jetzt zu handeln."

"Corriere della Sera" (Italien): "Als sie vor einem Jahr klein und allein vor dem Stockholmer Parlament saß, hätte niemand auch nur eine schwedische Krone auf sie gewettet. Jetzt hält sie vor der Welt im UN-Plenum eine Tirade ab und bringt Millionen Menschen auf die Straße. [...] Sie zeigt auf schillernde Weise, dass große Talente im autistischen Spektrum verborgen sein können."

mik

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