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Riesenshow in Washington: Kuriose Bilder: Warum Trump am Nationalfeiertag zu einer Glaswand spricht

Panzer, Parade und Pomp: US-Präsident Donald Trump hat aus dem Nationalfeiertag ein aufgeblasenes Militärspektakel gemacht. Was er nicht beeinflussen konnte: das Wetter. Und so entstanden bei seiner Ansprache in Washington ziemlich kuriose Bilder.

Donald Trump vor der völlig verregneten und verschmierten Glaswand

Rede ohne Aussicht: Donald Trump vor der völlig verregneten und verschmierten Glaswand

DPA

US-Präsident Donald Trump hat die Feiern zum Unabhängigkeitstag in Washington für eine umstrittene militärische Machtdemonstration genutzt. Der 73-Jährige trat am Donnerstagabend (Ortszeit) auf einer von zwei Panzern flankierten Bühne am Lincoln Memorial in der US-Hauptstadt auf und hielt eine Rede. "Mit dieser sehr besonderen Ehrenbezeugung für Amerika kommen wir heute als eine Nation zusammen", sagte er. "Wir feiern unsere Geschichte, unser Volk und die Helden, die stolz unsere Flagge verteidigen - die tapferen Männer und Frauen des Militärs der Vereinigten Staaten."

Der US-Präsident sprach hinter schusssicherem Glas vor Zehntausenden Menschen auf der National Mall im Zentrum von Washington. Während der Feierlichkeiten regnete es teils in Strömen. Trump ließ sich von der verregneten und verschmierten Glaswand jedoch nicht beirren und hielt in gewohnter Manier seine Rede zu Ende. Seine Vorgänger hatten aufgrund von Sicherheitsbedenken ebenfalls bereits hinter Glaswänden gesprochen.  

Trump vor einer verregneten Glaswand

Regenschlieren und Scheinwerfer: Ob Trump wirklich erkennen konnte, zu wem er da sprach?

AFP

"Air Force One" fliegt über Washington

Dabei ging er auf wichtige Momente der US-Geschichte ein, pries die US-Armee, militärische Erfolge, wissenschaftliche Entdeckungen,  Pioniertaten in der Raumfahrt und technologische Errungenschaften. Er würdigte auch die Polizei, Einsatzkräfte bei den Terroranschlägen vom 11. September 2001 und Vertreter der US-Einwanderungspolizei ICE, die in der Migrationskrise an der Grenze zu Mexiko in Kritik geraten ist. Die USA seien die "außergewöhnlichste Nation in der Weltgeschichte", sagte Trump. "Was für ein großartiges Land." Die Zuschauer riefen immer wieder "USA! USA!". 

Mehrmals flogen am Nationalfeiertag Militärmaschinen über Washington

Mehrmals flogen am Nationalfeiertag Militärmaschinen über Washington

AFP

 Zum Auftakt seines Auftritts hatte Trump eine der beiden Boeing 747 im Tiefflug über Washington fliegen lassen, die zur "Air Force One" werden, wenn der US-Präsident an Bord ist. Es folgten Überflüge von insgesamt 21 Armeehubschraubern und Kampfflugzeugen, darunter auch einem B2-Tarnkappenbomber, während Trump die einzelnen Teilstreitkräfte würdigte. Auf der National Mall waren mehrere Panzer ausgestellt. Kritiker warfen ihm vor, die Feierlichkeiten zu politisieren und zu militarisieren. 

Trumps Rede ist ein Bruch mit den politischen Gepflogenheiten: Der 4. Juli, an dem an die Gründung der Vereinigten Staaten im Jahr 1776 erinnert wird, ist für gewöhnlich ein unpolitischer Feiertag. Hunderttausende pilgern für ein Picknick auf die Wiesen der National Mall. Normalerweise steht der US-Präsident nicht im Mittelpunkt und hält auch keine Rede. Höhepunkt ist vielmehr das abendliche Feuerwerk.

Auch ist das Lincoln Memorial mit der riesigen Statue des früheren Präsidenten Abraham Lincoln eine höchst symbolischer Ort: Hier hielt der schwarze Bürgerrechtler Martin Luther King 1963 seine berühmte Rede "I Have a Dream" (Ich habe einen Traum).

Donald Trump vor der völlig verregneten und verschmierten Glaswand

Rede ohne Aussicht: Donald Trump vor der völlig verregneten und verschmierten Glaswand

DPA

Donald Trump wünscht sich eine Militärparade, seit er in Paris bei einer dabei war

Der Präsident nannte die US-Truppen "die besten Soldaten auf der Erde" und rief junge Amerikaner dazu auf, sich den Streitkräften anzuschließen. In seiner von Patriotismus getragenen Rede sagte er: "Wir werden nie vergessen, dass wir Amerikaner sind und dass die Zukunft uns gehört." Trump fügte hinzu: "Wir sind ein Volk, das einen Traum und ein großartiges Schicksal verfolgt. Wir alle teilen dieselben Helden, dasselbe Zuhause, dasselbe Herz, und wir sind alle von demselben allmächtigen Gott geschaffen worden." 

US-Präsident Donald Trump und seine Frau Melania

Gute Laune trotz miesem Wetter: US-Präsident Donald Trump und seine Frau Melania

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Trump wünscht sich eine Militärparade in Washington, seit er eine solche 2017 als Ehrengast beim französischen Nationalfeiertag in Paris gesehen hat. Trumps Pläne für eine Militärparade in der US-Hauptstadt im vergangenen Jahr wurden fallengelassen, als die Kostenschätzungen von rund 92 Millionen Dollar öffentlich wurden. Am Donnerstag gab es zwar keine klassische Parade mit marschierenden Soldaten und fahrenden Panzern, aber eine Art Light-Version davon - und das reichte schon, um die Debatte anzufachen. 

Kritiker warfen dem republikanischen Präsidenten vor, ihm sei es entgegen des von ihm gewählten Mottos der Veranstaltung nicht um ein "Salute to America" gegangen, also um eine Ehrenbezeugung für Amerika, sondern um eine Profilierung seiner Person. Der demokratische Fraktionschef im US-Senat, Chuck Schumer, schrieb vorab auf Twitter, es handele sich um eine Wahlkampfveranstaltung Trumps und um einen "verzweifelten Schrei nach Aufmerksamkeit". 

Donald Trump blickt nach oben.

Gegen den Regen ist selbst ein US-Präsident machtlos

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Und was kostet der Spaß? Trump: wenig "im Vergleich zu dem, was es wert ist"

Allerdings gab sich Trump am Donnerstagabend tatsächlich präsidial, er verzichtete auf seine bei Wahlkampfauftritten übliche Polemik. Das mag auch der Tatsache geschuldet gewesen sein, dass die Veranstaltung ansonsten nicht mit Steuergeldern, sondern mit Mitteln aus Trumps Wahlkampffonds hätte bezahlt werden müssen. Die Kosten für das Spektakel hat die Regierung bislang nicht beziffert. Trump hatte am Mittwoch auf Twitter geschrieben, die Kosten "werden sehr gering sein im Vergleich zu dem, was es wert ist". 

Umstritten war neben den Kosten auch, dass ein unmittelbar am Lincoln Memorial gelegener Bereich für Prominente abgesperrt wurde. US-Medien berichteten, ein Teil der VIP-Tickets sei von der Republikanischen Partei an Trump-Unterstützer verteilt worden. Trump nannte die Zuschauer auf Twitter "eine großartige Menge an Patrioten". 

Baby-Protest auf der National Mall

Trump-Gegner protestierten auf der National Mall. Die Organisation "Code Pink", die sich selber als Menschenrechts- und Friedensgruppe bezeichnet, stellte einen rund sechs Meter großen aufblasbaren Baby-Trump mit Windel zur Schau. Der Baby-Trump musste allerdings - anders als die Kampfjets - am Boden bleiben: Die Behörden erteilten keine Genehmigung dafür, ihn in die Luft steigen zu lassen.

"Heute sollte nicht der Tag sein, an dem Donald Trump kommt und unseren Feiertag kapert", sagte Code-Pink-Mitbegründerin Medea Benjamin bei der Protestveranstaltung am Donnerstag. "Heute sollte nicht der Tag sein, an dem wir Panzer auf unseren Straßen sehen." Benjamin fügte hinzu: "Wir bezahlen dafür, dass Donald Trump das Militär dazu zwingt, eine Kulisse für etwas zu sein, was wie eine Wahlkampfveranstaltung aussieht."

mik / DPA / AFP