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Afghanistan "Könnte Dolmetscher das Leben kosten": Briten verraten versehentlich mehr als 250 Mailadressen

Rafi, ein ehemaliger Übersetzer der britischen Armee in Afghanistan, hat Mitte August vor dem Parlament in London die Lage in Afghanistan geschildert
Rafi, ein ehemaliger Übersetzer der britischen Armee in Afghanistan, hat Mitte August vor dem Parlament in London die Lage in Afghanistan geschildert
© Glyn Kirk / AFP
Längst nicht alle Ortskräfte der westlichen Truppen haben es aus Afghanistan herausgeschafft. Nun bringt ein Fehler des britischen Verteidigungsministeriums wohl gut 250 Dolmetscher in Lebensgefahr.

Das britische Verteidigungsministerium hat versehentlich die E-Mailadressen von mehr als 250 afghanischen Dolmetschern preisgegeben und diese damit womöglich in Gefahr gebracht. Eine Sprecherin des Ministeriums gestand die Datenpanne am Montagabend ein und kündigte eine Untersuchung an. Der Fehler "könnte Dolmetscher das Leben kosten, besonders wenn sie sich noch in Afghanistan befinden", sagte ein Übersetzer der BBC.

Der Sender hatte zuvor berichtet, das Verteidigungsministerium habe Dolmetschern, die nach Großbritannien einreisen wollen, eine E-Mail geschickt, in der es Hilfe bei der Ausreise aus Afghanistan versprach. Dabei waren alle Empfängeradressen für alle anderen Empfänger sichtbar. Häufig waren die Adressen zudem mit einem Profilfoto versehen, das ebenfalls allen Empfängern angezeigt wurde.

Ministerium entschuldigt sich

Die Ministeriumssprecherin sagte später, es seien Untersuchungen zu einem "Datenschutzverstoß" der für Ausreisen aus Afghanisten zuständigen Behördenabteilung eingeleitet worden. "Wir entschuldigen uns bei allen, die von diesem Verstoß betroffen sind, und arbeiten hart daran, dass sich so etwas nicht wiederholt", fügte sie hinzu.

Der konservative Abgeordnete und frühere Staatsekretär im Verteidigungsministerium, Johnny Mercer, sprach von einem "kriminell fahrlässigen" Vorfall. Viele ehemalige Ortskräfte müssten nun wohl erneut untertauchen, um einer Vergeltungsaktion zu entgehen. Dem BBC-Bericht zufolge schickte das Ministerium 30 Minuten nach der ersten Mail eine weitere, in der es die Dolmetscher aufforderte, ihre E-Mailadressen zu ändern.

Ortskräfte in Afghanistan fürchten Rache der Taliban

Nach der Machtübernahme der Taliban befürchten ehemalige Mitarbeiter westlicher Streitkräfte, Organisationen und Botschaften in Afghanistan Vergeltungsaktionen der Islamisten. Im August hatte es bereits eine ähnliche Datenpanne gegeben: Die Zeitung "The Times" berichtete damals, in der britischen Botschaft in Kabul seien Dokumente mit persönlichen Informationen über Angestellte und Bewerber zurückgelassen worden.

Afghanistan: Frauen kämpfen im Netz gegen die Verschleierung 

Premierminister Boris Johnson hatte Anfang September gesagt, nach Ende der Evakuierungsmaßnahmen befänden sich noch 311 Menschen mit Schutzstatus in Afghanistan. "Wir werden alles tun, um sicherzustellen, dass diesen Menschen die sichere Ausreise gewährt wir, die sie verdienen", sagte er im Parlament. Großbritannien hatte über 15.000 Menschen aus Afghanistan ausgeflogen.

tkr AFP

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