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Syrien: Aleppo wird evakuiert - syrische Armee beherrscht die Stadt

Überraschend einigten sich am Dienstag die syrische Regierung und die Rebellen auf eine Evakuierung von Aleppo. Der Abzug von Kämpfern und Zivilisten soll am Mittwochmorgen beginnen.

Einer der Busse mit denen Aleppo evakuiert werden soll

Einer der Busse mit denen Aleppo evakuiert werden soll

Nach der Einigung auf eine Evakuierung von Rebellen und Zivilisten aus Ost-Aleppo hat das syrische Militär nach Angaben von Russland die Kämpfe eingestellt. Die Kampfhandlungen im Osten der syrischen Metropole seien "beendet", sagte Russlands UN-Botschafter Witali Tschurkin in New York. 

Der Evakuierungsplan war zunächst von mehreren Rebellengruppen verkündet und später von Russland und der Türkei bestätigt worden. Moskau unterstützt in dem Konflikt die syrische Führung, Ankara hingegen die bewaffnete Opposition. Die Aktion zur Evakuierung wurde nun aber von beiden Ländern vermittelt. Ein Sprecher des türkischen Außenministeriums sprach von einer "Feuerpause" und sagte, der Plan sei das Ergebnis von Verhandlungen zwischen dem türkischen Geheimdienst und dem russischen Militär.

Übereinstimmenden Angaben der syrischen Rebellengruppe Nurredin al-Sinki und der türkischen Diplomatie zufolge sollten zunächst Zivilisten und Verletzte aus der Stadt gebracht werden. Anschließend sollten Kämpfer mit leichten Waffen die Stadt verlassen können. Alle könnten entscheiden, ob sie in Gebiete unter Kontrolle der Rebellen im Westen der Provinz Aleppo oder in der Nachbarprovinz Idlib wollten. Hilfsorganisationen schätzten die Zahl der in Ost-Aleppo eingeschlossenen Menschen zuletzt auf 100.000.

Busse sollen die Menschen aus Aleppo bringen

Am UN-Sitz in New York beschäftigte sich der Sicherheitsrat mit der Lage in Aleppo. Dort sagte Tschurkin, dass Kämpfer und ihre Familien sowie Verletzte über Korridore bereits auf dem Weg nach Idlib seien. Die UN-Botschafterin der USA, Samantha Power, forderte internationale Beobachter, die die Evakuierung überwachen sollten. Tschurkin sagte dann später vor Journalisten, die Betroffenen hätten mit dem Rückzug aus Ost-Aleppo begonnen, folglich habe das Militär die Kämpfe eingestellt.

Im Bezirk Salaheddin, wo sich noch zahlreiche Rebellen aufhielten, warteten Busse, um die Menschen aus der Stadt zu bringen, wie ein AFP-Fotograf berichtete. Der oppositionsnahen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte zufolge gab es seit dem Nachmittag keine Luftangriffe und Attacken mit Artillerie in der syrischen Metropole mehr.

Experten rechnen nicht mit Ende des Bürgerkriegs

Den syrischen Regierungskräften war es in den vergangenen Tagen mit Unterstützung der russischen Luftwaffe sowie schiitischer Milizen aus dem Libanon, Iran, Irak und Afghanistan gelungen, die seit 2012 von den Rebellen gehaltenen Viertel im Ostteil von Aleppo fast vollständig zurückzuerobern. Die Einnahme der Großstadt, die vor dem Bürgerkrieg das Wirtschaftszentrum des Landes war, ist ein militärischer Erfolg für die Regierung in Damaskus.

Die Armee und verbündete Milizen hatten im November eine Offensive begonnen und seitdem mehr als 90 Prozent der von Regimegegnern gehaltenen Teile Aleppos erobert. Weil die Rebellengebiete seit Monaten unter Blockade stehen, spitzte sich die humanitäre Lage dort immer mehr zu. Bis zum Schluss sollen noch Zehntausende Menschen in wenigen Vierteln Ost-Aleppos ausgeharrt haben. Es fehlt ihnen akut an Trinkwasser, Lebensmitteln und medizinischer Versorgung.

Der Abzug bedeutet einen wichtigen Sieg für die syrische Regierung im fast sechs Jahre dauernden Bürgerkrieg. Das Regime von Präsident Baschar al-Assad kontrolliert nun wieder alle großen Städte des Landes. Beobachter rechnen trotzdem nicht damit, dass der Bürgerkrieg bald endet. Rebellen beherrschen unter anderem die Provinz Idlib im Nordwesten Syriens. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat im Norden und Osten Syriens noch große Gebiete unter Kontrolle.

ivi / AFP / DPA