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Alla Pugatschowa "Schlag von der wichtigsten Frau Russlands": Größte Pop-Diva stellt sich gegen Putin

Alla Pugatschowa hat Russland nach dem Beginn des Kriegs in der Ukraine verlassen
Alla Pugatschowa hat Russland nach dem Beginn des Kriegs in der Ukraine verlassen
© Sergei Bobylev / Picture Alliance
Alla Pugatschowa ist in Russland eine wahre Institution. Auf dem Pop-Olymp überdauerte sie alle Kreml-Chefs von Breschnew bis Jelzin. Politisch hielt sie sich jedoch stets zurück. Bis jetzt. 

Jeden Freitag wird in Russland die Liste der so genannten "ausländischen Agenten" bekannt gegeben. Meistens finden sich mehrere neue Namen auf dieser Liste. Am vergangenen Freitag war es jedoch nur einer. Aber was für einer: Maxim Galkin. 

Der Komiker und Moderator gehört zu den größten Stars des russischen Show-Business. Sein Gesicht kennt ganz Russland. Und das Publikum liebt ihn. Günther Jauch, Hape Kerkeling und Stefan Raab würden wahrscheinlich nicht einmal zusammen auf seine Beliebtheitsratings kommen.

Jahre lang galt Galkin als unantastbar. Ihm gingen sogar böse Parodien auf Wladimir Putin durch. Doch der Kreml demonstriert nun: Jeder kann vom Olymp gestoßen werden. In Russland gilt er ab jetzt als "ausländischer Agent". (Wie Galkin von einer Ikone zum Staatsfeind wurde, erfahren Sie hier.

Alla Pugatschowa reiste aus Israel zum Begräbnis von Michail Gorbatschow an. 
Alla Pugatschowa reiste aus Israel zum Begräbnis von Michail Gorbatschow an. Ihrem Mann Maxim Galkin bleibt die Rückkehr nach Russland vorerst verwehrt. 
© Valery Sharifulin / Picture Alliance

Alla Pugatschowa will zur ausländischen Agentin" erklärt werden 

Der Entscheidung des russischen Justizministeriums löst ein großes Echo in der russischen Gesellschaft aus. Damit erreicht die Führung im Kreml etwas, was den Vorgängerregierungen noch nicht gelang: Die offene Feindschaft seitens der russischen Queen of Pop Alla Pugatschowa

Pugatschowa ist in Russland eine Ikone ohnegleichen. Und sie ist die Ehefrau von Galkin. Nun fordert sie vom Justizministerium: "Nehmt mich auf die Liste der ausländischen Agenten auf", schrieb die Diva auf Instragram. "Denn ich bin solidarisch mit meinem Ehemann, einem ehrlichen, anständigen und aufrichtigen Mann, einem wahren und unbestechlichen Patrioten Russlands, der für seine Heimat Wohlstand, ein friedliches Leben, Redefreiheit und ein Ende des Sterbens unserer Jungs für illusorische Ziele wünscht, die unser Land zu einem Ausgestoßenen machen und das Leben unserer Bürger erschweren."

"Ein Politiker der Alla-Pugatschowa-Ära"

Seit dem Beginn des Kriegs befindet sich Pugatschowa mit Galkin in Israel. Das Paar war unter den ersten Prominenten, die aus Protest gegen den Krieg Russland verlassen hatten. Während der Komiker aber seine Haltung umgehend deutlich machte, hielt sich Pugatschowa selbst mit politischen Statements zurück. Bis jetzt. Mit der Forderung, sie ebenfalls als "ausländische Agentin" einzustufen, stellt sie sich offen gegen den Kreml. Und das zum ersten Mal während ihrer jahrzehntelangen Karriere. 

Die heute 73-Jährige feierte in den 70er Jahren ihren Durchbruch. Welch einen Status sie in den nachfolgenden Jahrzehnten erreichte, zeigt eine Anekdote, die in den späten Sowjetjahren sehr populär war: Über den sowjetischen Staatsoberhaupt Leonid Breschnnew werde es in zukünftigen Enzyklopädien heißen, er sei ein Politiker der Alla-Pugatschowa-Ära gewesen. 

Ein Schlag von der wichtigsten Frau Russlands 

Dieser alte Witz können nun neu erzählt werden, kommentierte der Philologe und Professor der Russischen Akademie der Wissenschaften Andrej Desnizki den Bruch Pugatschowas mit dem Kreml. Man ersetze schlicht den Namen von Breschnew durch den Namen des aktuellen Oberhaupts Russlands, "der sich auf der Suche nach geopolitischer Größe verirrt hat", so Desnizki. 

Der Politologe Arkadij Dubnow schrieb: "Die oberste Macht in Russland hat mit dem öffentlichen Aufruf der russischen Primadonna mit der Bitte, sie als ausländische Agentin anzuerkennen, innerhalb von wenigen Tagen einen zweiten schweren Schlag gegen ihre königliche Würde erhalten. Den ersten Schlag teilte der indische Premierminister Narendra Modi bei dem Gipfel in Samarkand aus, als er Putin einen Vortrag über die Unzulässigkeit von Kriegen in unserer Zeit hielt. Der zweite Schlag kam von der wichtigsten Frau Russlands." 

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