HOME

Treffen in Sotschi: Darum geht es Merkel beim Treffen mit Putin wirklich

Donald Trump stößt seine europäischen Verbündeten zunehmend vor den Kopf: Zölle, Aufkündigung des Atomdeals mit dem Iran, Drohungen mit Sanktionen. Die deutsche Wirtschaft gerät in eine Zwickmühle, da wird Putin zum Hoffnungsträger.

Wladimir Putin begrüßt Angela Merkel mit einem Blumenstrauß

Wladimir Putin begrüßte Angela Merkel in Sotschi mit einem Blumenstrauß

Picture Alliance

Am Schwarzen Meer treffen sich Angela Merkel und zum ersten Mal in diesem Jahr. Und es sind große Erwartungen, die Berlin an dieses kurze Treffen knüpft. Internationale Krisen wie die in der Ukraine und in Syrien stehen auf der Tagesordnung. Doch der Kanzlerin geht es vor allem um die deutsche Wirtschaft. 

Deutsche Unternehmen werden aktuell gleich auf mehreren Fronten bedroht. Die USA haben das Atomabkommen mit dem einseitig aufgekündigt und drohen nun allen, die sich doch daran halten sollten mit Sanktionen. Gleichzeitig erwägt Moskau Sanktionen gegen Unternehmen einzuführen, die sich an die US-Sanktionen gegen Russland halten. Andererseits drohen den deutschen Unternehmen Strafen der USA, wenn sie sich nicht an die Sanktionen gegen Russland halten. 

"Wladimir Putin kann sein Glück kaum fassen"

In dieser Zwickmühle hofft die deutsche Wirtschaft auf - und Putin. "Die Kanzlerin und der russische Präsident müssen sich darum bemühen, dass die einseitigen Sanktionen der USA nicht den Handel zwischen dem Iran und Europa, Russland und China zum Erliegen bringen", appellierte Grünen-Außenexperte Jürgen Trittin in einem Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland im Vorfeld des Treffens der beiden Staatsoberhäupter in Sotschi. "Merkel und Putin müssen einen Weg zum Erhalt des Iran-Abkommens finden", betonte er.

Dank sitzt Putin nun auch hier unverhofft am langen Hebel. "Die Destruktionen sind jetzt nicht mehr einseitig. Sie kommen jetzt von Ost und West und (es gibt sie) innerhalb des Westens", sagte CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen über die Lage. Die dadurch ausgelöste Instabilität führe dazu, dass sich Putin "in einem zynisch-machtpolitischen Sinne" zunächst einmal als Profiteur der neuen Situation sehe. "Nach meiner Einschätzung kann Wladimir Putin sein Glück kaum fassen", so der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag.

Gasversorgung Europas auf dem Spiel

Neben dem Fortbestand des Atomabkommens mit dem Iran steht auch die Gasversorgung Europas auf dem Spiel. Anfang dieser Woche hat der Bau der russischen Gas-Pipeline Nord Stream 2 durch die Ostsee bis nach Mecklenburg-Vorpommern begonnen. Von dort aus soll das Gas in andere Teile Europas weitergeleitet werden. Die USA drohten prompt auch hier mit Sanktionen. Die Pipeline ist den Amerikanern ein Dorn im Auge, weil sie vor allem selbst Flüssiggas nach Europa verkaufen wollen. Offiziell wird jedoch der Widerstand anders begründet: Die Ferngasleitung sei schlecht für die , heißt es in Washington. Die Ukraine fürchtet nämlich, ihre Bedeutung im Gastransit zu verlieren. Die Einnahmen daraus sind immens wichtig für das Land.

Um ihren Besuch bei Putin vorzubereiten und die amerikanischen Kritikpunkte an Nord Stream 2 zu entkräften, reisten in der vergangenen Woche erst Außenminister Heiko Maas nach Moskau, dann Wirtschaftsminister Peter Altmaier. Das Ziel: Garantien von Russland zu bekommen, dass russisches Erdgas neben der neuen Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 auch weiter durch die Ukraine transportiert wird. Russland könnte der Ukraine etwa eine bestimmte Menge Transitgas auch nach dem Bau von Nord Stream 2 zusichern. Damit wäre Washington der Wind aus den Segeln genommen.

Für Russland ist es jedoch nicht von Interesse Gas über die Ukraine zu leiten. Einen möglichen Preis für ein Entgegenkommen in diesem Punkt hat Putin bereits genannt: Sein Schützling Assad soll weiter über Syrien herrschen.

Mehr dazu lesen Sie hier:

mit Agenturen