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Golf von Oman: Angriffe auf Öltanker: USA machen Iran verantwortlich - Video soll Vorwurf belegen

Wer steckt hinter den mutmaßlichen Angriffen auf die beiden Tanker "Front Altair" und "Kokuka Courageous" im Golf von Oman? US-Außenminister Mike Pompeo hat sich festgelegt und präsentiert ein ominöses Video. Der Iran spricht von "Sabotage-Diplomatie".

US-Militär veröffentlicht Video zu mutmaßlichen Tanker-Angriffen

Die USA machen den Iran für die mutmaßlichen Angriffe auf zwei Öltanker im Golf von Oman verantwortlich. "Es ist die Einschätzung der US-Regierung, dass die Islamische Republik Iran verantwortlich für die Angriffe ist, zu denen es heute im Golf von Oman kam", sagte US-Außenminister Mike Pompeo am Donnerstag in Washington bei einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz. Diese Einschätzung basiere unter anderem auf Geheimdienstinformationen, auf den eingesetzten Waffen und auf ähnlichen Angriffen in jüngster Vergangenheit.

US-Außenminister Mike Pompeo, Tankschiff "Front Altair"

US-Außenminister Mike Pompeo sagt, der Iran stecke hinter den Angriffen auf die Tanke "Front Altair" (Bild) und "Kokuka Courageous" im Golf von Oman

DPA

Auf Twitter schrieb Pompeo, die Angriffe seien eine Bedrohung für den internationalen Frieden und die Sicherheit und eine "nicht hinnehmbare Eskalation der Spannung durch den Iran". Er sagte außerdem, dass es dem Iran darum gehe, die Aufhebung der US-Sanktionen zu erzwingen. Seine Regierung setzte aber weiter auf wirtschaftliche und diplomatische Bemühungen, "um den Iran zur richtigen Zeit zurück an den Verhandlungstisch zu bringen". Am Nachmittag wollte sich in New York der UN-Sicherheitsrat mit dem Vorfall befassen. Mehrere Diplomaten bestätigten der Deutschen Presse-Agentur, dass die USA die Gespräche hinter verschlossenen Türen beantragt haben.

Iran weist "haltlose Behauptung" zurück 

Der Iran reagierte und wies die "haltlose Behauptung" der USA kategorisch zurück. Die Vertretung Irans bei den Vereinten Nationen teilte in einer Erklärung mit: "Der ökonomische Krieg und Terrorismus der USA gegen das iranische Volk sowie ihre massive Militärpräsenz in der Region sind weiterhin die Hauptursachen für Unsicherheit und Instabilität in der weiteren Persischen Golfregion."

Zugleich forderte das Land von den USA, dass sie und ihre regionalen Verbündeten "die Kriegshetze stoppen und die schädlichen Verschwörungen sowie die Operationen unter falscher Flagge in der Region beenden" müssten. Damit schien der Iran andeuten zu wollen, dass die USA und ihre Alliierten selbst hinter den Angriffen stecken könnten.

Video soll iranische Revolutionsgarden belasten 

Das US-Militär veröffentlichte inzwischen ein Video, das die Revolutionsgarden des Iran belasten soll. Das US-Zentralkommando Centcom, welches die amerikanischen Truppen im Nahen Osten führt, teilte mit, das Video zeige, wie ein Boot der Revolutionsgarden auf den Tanker "Kokuka Courageous" zufahre. Die Menschen an Bord des iranischen Schnellbootes seien dabei "beobachtet und aufgenommen" worden, wie sie eine nicht explodierte Haftmine wieder vom Schiffskörper entfernten.

Auf dem Video ist zu erkennen, wie sich Menschen an Bord eines Schnellbootes an der Wand eines Öltankers zu schaffen machen und von dort etwas zu entfernen scheinen. Das Boot entfernt sich danach von dem Tanker. Centcom sprach von einem "Haftminenangriff". Die US-Marine gab nach Angaben eines Regierungsvertreters an, am Rumpf eines der Tanker eine nicht detonierte Mine entdeckt zu haben.

Außenminister Sarif: USA führen "Sabotage-Diplomatie"gegen Iran

Der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif warf den USA vor, die Öltanker-Vorfälle als Vorwand zu nehmen und eine "Sabotage-Diplomatie" gegen den Iran zu führen. "Mit einem Fetzen an Indizien haben die USA sofort den Iran beschuldigt ... damit ist klar, dass das amerikanischen B-Team auf Plan B und auf Sabotage-Diplomatie umgeschaltet hat", schrieb Sarif auf seiner Twitter-Seite.

Mit dem B-Team meint Sarif das Team von US-Sicherheitsberater John Bolton, der laut Teheran nichts anderes als einen Regimewechsel im Iran plane und dafür sogar einen militärischen Konflikt provozieren würde. "Ich hatte schon vor einigen Monaten vor solch einem Szenario (des B-Teams) gewarnt", so der iranische Chefdiplomat.

Der japanische Betreiber eines der beiden Tanker hat inzwischen bestritten, dass sein Schiff von einem Torpedo getroffen worden sei, wie es in ersten Berichten zunächst geheißen hatte. Die Besatzungsmitglieder hätten noch vor der Explosion "fliegende Objekte" gesehen, sagte der Präsident der japanischen Firma Kokuka Sangyo bei einer Pressekonferenz in Tokio. Die Besatzung sei mittlerweile auf den Tanker "Kokuka Courageous" zurückgekehrt, sagte Yutaka Katada weiter.

Warnung und Sorge vor Konfrontation 

Die Sorge vor einer Eskalation zwischen den USA und dem Iran in der Golfregion wächst. UN-Generalsekretär Antonio Guterres hatte zuvor vor einer "großen Konfrontation" gewarnt. "Ich nehme den Vorfall in der Straße von Hormus mit tiefer Besorgnis zur Kenntnis. Ich verurteile jeden Angriff auf zivile Schiffe scharf", sagte Guterres vor dem UN-Sicherheitsrat. Es müsse festgestellt werden, wer für die Taten verantwortlich sei. "Und wenn es etwas gibt, was die Welt sich nicht leisten kann, ist es eine große Konfrontation in der Golf-Region."

Das iranische Außenministerium äußerte sich inzwischen besorgt über die mutmaßlichen Angriffe und sprach von "dubiosen" Zwischenfällen. Besonders der Zeitpunkt sei sehr verdächtig, sagte Außenamtssprecher Abbas Mussawi. Zum Zeitpunkt des Angriffs befand sich Japans Premierminister Shinzo Abe in Teheran zu Gesprächen über den Konflikt zwischen dem Iran und den USA.

Ähnliche Vorfälle bereits vor einem Monat

Die schweren Zwischenfälle mit Tankern am Golf haben die Spannungen zwischen dem Iran und seinen arabischen Erzrivalen noch weiter erhöht. Betroffen waren am Donnerstag ein von einem deutschen Unternehmen gemanagter Frachter sowie ein Schiff einer norwegischen Reederei. Die norwegische Seefahrtsbehörde bestätigte einen Angriff auf den Öltanker "Front Altair". Das norwegische Unternehmen Frontline meldete eine Explosion und einen Brand an Bord.

Die deutsche Bernhard Schulte Shipmanagement (BSM) teilte mit, auch der mit Methanol beladene Tanker "Kokuka Courageous" sei im hinteren Teil beschädigt und ein Besatzungsmitglied sei leicht verletzt worden. Die 21 Seeleute an Bord wurden von einem US-Marineschiff aufgenommen, wie ein Sprecher des Schiffsmanagement-Unternehmens sagte. Die Ladung sei intakt, der Frachter drohe nicht zu sinken. Auch die japanische Firma Kokuka Sangyo erklärte, ihr Tanker "Kokuka Courageous" sei betroffen.

Die betroffene Meerenge, die Straße von Hormus, ist eine der wichtigsten Seestraßen überhaupt. Sie verbindet die ölreiche Golfregion mit dem offenen Meer. Über sie läuft ein großer Teil des weltweiten Öltransports - etwa ein Fünftel - per Schiff. Als Reaktion auf die mutmaßlichen Angriffe stiegen die Rohölpreise deutlich. Erst vor vier Wochen hatten die Vereinigten Arabischen Emirate Sabotageakte gegen vier Handelsschiffe in derselben Region gemeldet.

Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran nehmen seit Monaten zu. Das US-Militär verlegte zuletzt unter anderem einen Flugzeugträgerverband und eine Bomberstaffel in die Region, was die Sorgen vor einem militärischen Konflikt weiter anheizt.

Im Video: Maas warnt nach Tanker-Vorfall vor Eskalation in der Golfregion

Video: Tanker-Vorfall: Maas warnt vor Eskalation in der Golfregion
wue / rw / DPA / AFP