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Wahl 2020 Nachzählung in Arizona: Joe Biden gewinnt sogar noch höher gegen Donald Trump

US-Präsident Joe Biden schaut ernst
Joe Biden kann sich in einem Wahkbezirk von Arizona über 99 Stimmen meghr freuen
© Nicholas Kamm / AFP
Eine private, von den Republikanern angeheuerte Firma sollte angeblichen Betrug in einem Wahlbezirk in Arizona überprüfen und ihn dazu neu auszählen. Nun liegt das Ergebnis vor. Und die nächsten Nachzählungen sind bereits angekündigt.

Als Teile der US-Republikaner im Frühjahr eine Firma namens Cyber Ninjas anheuerten, um das Wahlergebnis in Arizona zu überprüfen, war die Hoffnung groß. Das Resultat werde "verblüffend" sein, prophezeite der frisch abgewählte US-Präsident Donald Trump. Monatelang hatten er und der rechte Flügel der Partei gegen angeblichen Wahlbetrug gewettert. Die Nachzählung von zwei Millionen Stimmen in Maricopa County würde die ganze Sache aufdecken. Mehr noch: Sie würde geradezu eine Kaskade aus Neuauszählungen auslösen. Nun stellen die Cyber Ninjas ihre Auswertung vor – und sie fällt ernüchternd für die Konservativen aus.

Donald Trump hat 261 Stimmen weniger bekommen 

Obwohl das detaillierte Ergebnis erst im Laufe des Freitags Arizona-Zeit vorgestellt wird, gibt es bereits eine Vorabversion. Danach hat US-Präsident Joe Biden die Wahl in dem Bundesstaat sogar deutlicher gewonnen, als es das offizielle Endergebnis ausweist. Nach der Cyber-Ninja-Zählung hat Trump 261 Stimmen weniger bekommen und Biden 99 mehr. "Wir müssen nicht einmal tiefer in die Senats/Cyber Ninja-Auswertung eintauchen um bestätigt zu bekommen, was wir schon wissen", sagte der Vorsitzende der zuständigen Behörde Jack Sellers: "Der von den offiziellen Stellen als Gewinner bestätigte Kandidat hat tatsächlich gewonnen."

Die Abstimmung in Arizona war das engste Rennen zwischen Joe Biden und Donald Trump bei der US-Präsidentschaftswahl im vergangenen November. Überraschend holte der Demokrat Biden dort die Mehrheit, wenn auch nur mit einem hauchdünnen Vorsprung. Weil die Kandidaten nur 10.500 Stimmen trennten, wurden die Stimmen mehrfach nachgeprüft – mit dem immer gleichen Ergebnis. Doch der republikanisch dominierte Senat des Bundesstaats drückte mit seiner Mehrheit eine weitere Nachzählung durch – gegen den Willen der eigenen Partei im Hauptstadtbezirk Maricopa County.

Dass dabei ausgerechnet die Cyber Ninjas die Neuauswertung vornehmen sollten, stieß auf heftige Kritik. Die Firma hatte bis dahin kaum Erfahrung mit der Auszählung von Wählerstimmen, außerdem hatte ihr Chef direkt nach der Wahl (unbelegte) Fälschungs- und Betrugsvorwürfe verbreitet – unisono mit Donald Trump und vielen seiner Unterstützer. Die Demokraten hatten deshalb gegen die Prüfung geklagt, allerdings erfolglos. Konsequenzen auf den Wahlausgang hätte die Nachzählung zwar nicht gehabt, aber alles andere als die Bestätigung des offiziellen Ergebnisses hätte das bereits erschütterte Vertrauen in den US-Wahlprozess weiter untergraben.

Trump verlangt Prüfung in Texas

Donald Trump, der unbeirrt Wahlbetrug wittert, hatte sich von einer Korrektur der Arizona-Wahl eine Initialzündung für weitere, landesweite Nachzählungen erhofft. Obwohl er in Arizona einen weiteren "Rückschlag" einstecken musste, forderte er jetzt vom ebenfalls republikanischen Gouverneur von Texas, Greg Abbott, die Überprüfung einiger Wahlergebnisse – obwohl der Ex-Präsident den Bundesstaat gewonnen hatte. "Trotz meines großen Sieges in Texas höre ich, dass Texaner nach einer Kontrolle verlangen", schreibt Trump in einem Brief an den Gouverneur.

Laut des Nachrichtensenders NBC News habe der sich zwar noch nicht zu der "Bitte" seines Parteifreundes geäußert, doch das zuständige Innenministerium von Texas hat bereits angekündigt, Stimmen in vier Kreisen erneut auszuzählen: zwei, in denen die Republikaner gewonnen haben und zwei, in denen die Demokraten siegreich waren. Der Behördenleiter kündigte eine "vollständige, umfassende und forensische Überprüfung" an. "Es ist nicht klar, wie der Prozess genau aussehen wird, eine 'forensische Überprüfung' ist auch kein klar definierter Begriff unter Wahlexperten", schreibt das US-Magazin "Politico" etwas ratlos dazu. 

Quellen: Politico, NBC News, CNN

nik

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