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Streit um Berg-Karabach Armenien versus Aserbaidschan: Darum geht es in dem erneut eskalierten Konflikt

Mann bringt Besitz in Sicherheit
Ein Mann bringt sein Hab und Gut in Sicherheit, nachdem der Konflikt um die Region Berg-Karabach im Herbst 2020 erneut eskaliert
© Valery Sharifulin / Picture Alliance
Zwischen Armenien und Aserbaidschan flammen immer wieder Gefechte auf. Dabei kamen nun erneut zahlreiche Soldaten ums Leben. Aber wofür eigentlich?

Im seit Jahren schwelenden Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan hat es an den Landesgrenzen erneut Tote gegeben. Laut armenischem Verteidigungsministerium hätten verfeindete Truppen versucht, die Grenzen zu überschreiten. Dabei seien armenische Stellungen nahe der Städte Goris, Sotk und Dschermuk mit Artillerie und großkalibrigen Waffen angegriffen worden. Aserbaidschan wirft Armenien umgekehrt ebenfalls vor, Militärstellungen in der Grenzregion beschossen zu haben. Ein groß angelegter armenischer Sabotageversuch soll die Kämpfe in der Nacht auf Dienstag schließlich ausgelöst haben, heißt es aus Aserbaidschan.

Die Lage ist unübersichtlich – wie so oft in Kriegen. Fest steht aber: Zahlreiche Menschen verloren in dem Gefecht ihr Leben. Armeniens Regierungschef Nikol Paschinjan beziffert die Zahl der getöteten armenischen Soldaten auf 49 und rechnet mit weiteren Toten. Auch auf aserbaidschanischer Seite sollen Soldaten getötet worden sein.

Armenien und Aserbaidschan streiten um Berg-Karabach

Anders als etwa der russische Angriffskrieg in der Ukraine, schwelt der Konflikt zwischen Aserbaidschan und Armenien schon seit einem Jahrhundert, flammte aber durch den Zerfall der ehemaligen Sowjetunion wieder auf. Die Region ist seit Jahrhunderten umkämpft, weil sie immer wieder unter armenischem, persischem, tatarisch-mongolischem, türkischem und russischem Einfluss stand.

Mit der Unabhängigkeit Armeniens und Aserbaidschans vom russischen Zarenreich 1918 erhoben beide Länder Anspruch auf die Region im Südkaukasus. Unterstützt von der Türkei, dem damaligen osmanischen Reich, erhielt Aserbaidschan schließlich das Verwaltungsrecht über die schon damals mehrheitlich mehrheitlich armenisch besiedelte Region Berg-Karabach. Ein Abkommen sollte zumindest weitreichende Autonomierechte garantieren. Diese wurden jedoch immer wieder verletzt, was die Fronten zwischen Armenien und Aserbaidschan zunehmend verhärtete.

Unter sowjetischer Herrschaft wurden diese Spannungen zwar weitestgehend unterdrückt. Mit dem Zerfall der Sowjetunion eskalierte der Konflikt aber erneut. Der erste große Krieg zwischen den beiden Ländern fand in den 1990er Jahren statt und forderte zwischen 1992 und 1994 Zehntausende Todesopfer auf beiden Seiten. Ein Waffenstillstandsabkommen konnte den Konflikt nicht lösen. Dass sich das mehrheitlich armenisch besiedelte Berg-Karabach 1991 für unabhängig erklärte, wurde international nie anerkannt. Allerdings hat Armenien die Unabhängigkeit militärisch abgesichert, indem es sieben aserbaidschanische Provinzen besetzte – aus völkerrechtlicher Sicht ein illegaler Schritt.

Russland handelt neuen Waffenstillstand aus

Zum größten Gefecht der jüngeren Geschichte zählt die militärische Auseinandersetzung vom Herbst 2020. Bei den sechswöchigen Gefechten wurden etwa 6500 Menschen getötet. Weil Russland vermittelte, konnte der Krieg zunächst durch ein Waffenstillstandsabkommen beigelegt werden, zudem wurden 2000 russische Soldaten zur Friedenssicherung nach Berg-Karabach entsandt. Für Armenien bedeutete das Abkommen zudem Gebietsverluste. Einen Kompromiss gibt es bis heute nicht, der Streit bleibt ungelöst. Politikwissenschaftler sprechen deshalb von einem "eingefrorenen Konflikt".

Nach den jüngsten Gefechten hat der armenische Staatschef Nikol Paschinjan bei einem Telefonat die USA, Russland und Frankreich zu einer "angemessenen Reaktion der internationalen Gemeinschaft" aufgefordert. Unter Federführung Russlands wurde erneut ein Waffenstillstand ausgehandelt. Dieser trat um acht Uhr mitteleuropäischer Zeit ein. Man erwarte, dass sich beide Seiten an die Abmachung hielten, hieß es aus Moskau. Die Türkei mahnte Armenien indes, seine "Provokationen" gegen Aserbaidschan einzustellen und "sich auf Friedensverhandlungen und Zusammenarbeit" mit Baku zu konzentrieren.

Quellen:Landeszentrale für politische Bildung, mit Material von AFP und DPA

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