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Ehemaliger US-Präsident: Was macht eigentlich Barack Obama, während seine Partei gegen Donald Trump kämpft?

Die Demokraten ringen derzeit darum, wer im November gegen Donald Trump antritt. Wie schon in den vergangenen drei Jahren ist von dessen Vorgänger Barack Obama nicht viel dazu zu hören. Doch das dürfte sich noch ändern.

Barack Obama, ehemaliger Präsident der USA, steht Ende September während seiner Eröffnungsrede auf der Bühne des Unternehmensgründer- und Investorentreffens Bits & Pretzels in München

Barack Obama, ehemaliger Präsident der USA, steht Ende September während seiner Eröffnungsrede auf der Bühne des Unternehmensgründer- und Investorentreffens Bits & Pretzels in München

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Während die US-Präsidentenwahl im November immer näher rückt, hält sich der prominenteste Vertreter der oppositionellen Demokraten im Wahlkampf auffallend zurück: Barack Obama hat sich bislang weder in die Vorwahlen seiner Partei eingeschaltet noch Donald Trump direkt attackiert. Stattdessen setzt der 58-Jährige das fort, was er von seinem ersten Tag als Ex-Präsident an getan hat: Er wahrt Distanz zum politischen Alltagsgeschäft.

Barack Obama übt nie direkt Kritik an Donald Trump

Seit seinem Auszug aus dem Weißen Haus widmet Obama eine Menge Zeit seiner Obama Foundation. Die 2014 gegründete gemeinnützige Organisation mit Sitz in Chicago hat nach eigenem Bekunden das Ziel, gewöhnliche Menschen in den USA und weltweit "zum Handeln zu inspirieren, sie zu befähigen, ihre Welt zum Besseren zu verändern und sie zu verbinden, damit sie gemeinsam mehr erreichen können als allein". Die Stiftung kümmert sich zudem um Obamas Präsidenten-Bibliothek in Chicago und um benachteiligte Jugendliche.

Außerdem schrieb Obama an seinen Memoiren. Nachdem seine Ehefrau Michelle mit "Becoming" einen weltweiten Bestseller vorgelegt hat, wollte der Ex-Präsident eigentlich im Herbst 2019 nachziehen. Das Erscheinen des Buches wurde aber auf dieses Jahr verschoben - mitten in den Präsidentschaftswahlkampf hinein. Mehr als 60 Millionen Dollar soll der Verlag Penguin Random House dem Ehepaar für die beiden Werke gezahlt haben.

Und auch im Filmgeschäft sind die Obamas aktiv. Im Jahr 2018 gründeten sie die Produktionsfirma Higher Ground, die sich nach eigenen Angaben "der Produktion bewegender Geschichten widmet, um zu unterhalten, zu informieren und zu inspirieren, sowie um verschiedenen Stimmen in der Unterhaltungsbranche Gehör zu verschaffen". Gleich das erste Projekt des ehemaligen "First Couple" wurde zu einem Riesenerfolg: Der von Higher Ground unterstützte Netflix-Film "American Factory" über Menschen in einer Fabrik im US-Bundesstaat Ohio gewann bei den diesjährigen Oscars den Preis für die beste Dokumentation.

Seit Juni 2019 beschäftigt sich die Produktionsfirma zudem mit Podcasts. In Kooperation mit dem Streamingdienst Spotify wollen die Obamas Hör-Angebote entwickeln, produzieren und einigen ausgewählten auch ihre Stimme leihen. Auch hier setzt das Paar auf "starke Geschichten zur Unterhaltung, Information und Inspiration".

Auftritte in Deutschland, Ferien mit George Clooney

Und nebenbei macht Barack Obama seine Popularität mit öffentlichen Auftritten und Reden zu Geld, das Medienberichten zufolge zu einem Großteil in seine Stiftung fließt. So saß der ehemals mächtigste Mann der Welt im April 2019 auf der Bühne des "World Leadership Summit" in der Kölner Lanxess-Arena und sprach vor mehr als 14.000 Zuschauern über Klimapolitik, "alternative Fakten" und die Demokratie.

Nur fünf Monate später war Obama erneut in Deutschland und redete bei der Gründermesse "Bits & Pretzels" in München in einem moderierten Gespräch über seine Zeit im Amt und über Führung in der Welt. Was die Veranstalter dem ehemals mächtigsten Mann der Welt für sein Erscheinen zahlen mussten, ist unbekannt. Laut "New York Times" soll Obama im April 2017 für einen Auftritt auf einer Konferenz des Investmentunternehmens Cantor Fitzgerald in New York 400.000 Dollar kassiert haben. 

Hassan Rouhani und Barack Obama

Aber auch das Privatleben des 58-Jährigen kommt seit dem Ende seiner Präsidentschaft nicht zu kurz. Zunächst habe er sich im neuen Heim der Familie in Washington etwas Platz erobern müssen, weil sich die anderen Familienmitglieder überall ausgebreitet hätten, erzählte Obama vergangenen April in Köln. Dann habe er bestimmte Dinge erstmal wieder lernen müssen. "Ich musste mir selbst Kaffee machen. Ich wusste gar nicht, wie die Maschine funktioniert." Sein erster selbst gemachter Kaffee habe denn auch sehr schlecht geschmeckt.

Im Juni 2019 reiste die ganze Familie nach Europa und verbrachte eine Woche in Südfrankreich. Wo genau die Obamas unterkamen, wurde nicht bekannt. Lokale Medien berichteten, sie würde auf der Rhone-Insel Barthelasse übernachten, in einem Haus aus dem 18. Jahrhundert, das einer Familie aus den USA gehört. Angeblich sollte die Miete dort 55.000 Euro pro Woche kosten. Anderen Gerüchten zufolge verweilte die Familie im prächtigen, über Villeneuve gelegenen Haus des ehemaligen Formel-1-Piloten Jean Alesi.

Anschließend besuchte Obama mit Ehefrau Michelle und den Töchtern Sasha und Malia für ein Wochenende Hollywoodstar George Clooney und dessen Gattin Amal in deren Villa in der kleinen Gemeinde Laglio am Comer See in Italien. Die Familien verbindet laut dem US-Magazin "People" schon länger eine enge Freundschaft.

Ende 2019 legten die Obamas sich dann ein eigenes Urlaubsdomizil zu. Medienberichten zufolge kaufte die Familie vom früheren Besitzer des Basketballteams Boston Celtics, Wycliffe Grousbeck, ein Luxusanwesen am Strand der Insel Martha's Vineyard. Kostenpunkt: 11,75 Millionen Dollar (10,58 Millionen Euro). Die Villa im US-Bundesstaat Massachusetts soll 640 Quadratmeter Wohnfläche haben und auf einem fast 120.000 Quadratmeter großen Grundstück liegen. Das Haus in Strandlage verfüge zudem über sieben Schlafzimmer, mehrere Kamine und einen Pool, heißt es.

Die Obamas - wie andere gut betuchte Prominente regelmäßige Besucher von Martha's Vineyard - kennen das Haus gut: Im August hatten sie es nach Angaben lokaler Medien für einen Urlaub gemietet. Seitdem gab es Gerüchte, dass sie das Anwesen kaufen könnten.

Obama schweigt zum Vorwahlkampf - bislang

Sein gesellschaftliches und geschäftliches Engagement und seine Distanz zum Washingtoner Politalltag bedeuten aber nicht, dass Obama nicht mehr politisch aktiv ist. Tatsächlich hat er in den gut drei Jahren nach seinem Ausscheiden aus dem Amt regelmäßig politisch Stellung bezogen. Häufig wandte er sich dabei - ohne diese jemals namentlich zu erwähnen - gegen die Linie von Trump und den Republikanern.

So forderte Obama nach den zahlreichen Amokläufen und Massakern der letzten Jahre in den USA immer wieder öffentlich eine Verschärfung der Waffengesetze. Im September 2019 traf er sich in Washington mit Greta Thunberg und nannte sie hinterher "eine der größten Verteidigerinnen unseres Planeten". Anlässlich der Parlamentswahl in Kanada warb er im Oktober für eine zweite Amtszeit von Premiermimnister Justin Trudeau, dessen "progressive Führung die Welt braucht". Und vor den Wahlen zum US-Kongress im vergangenen November veröffentlichte Obama auf Twitter eine Namensliste von "herausragenden" demokratischen Bewerbern für den Senat und das Repräsentantenhaus, die er "mit Stolz" unterstütze.

Greta Thunberg mit Barack Obama

Nur einmal seit seinem Ausscheiden aus dem Amt hat der Ex-Präsident auch direkt in einer innenpolitischen Auseinandersetzung mitgemischt, wie das "New York Magazine" berichtet. Hinter den Kulissen habe Obama an der Rettung des Affordable Care Act gearbeitet. Das Gesetz über den Zugang zur Krankenversicherung gilt als eine der wichtigsten Errungenschaften seiner Präsidentschaft. Trump hat bislang erfolglos versucht, die als "Obamacare" bekanntgewordene US-Gesundheitsreform abzuschaffen.

Den Vorwahlkampf der Demokraten sitzt Obama dagegen weitestgehend aus. Anders als bei den "Midterms" hat er bislang keinen der demokratischen Anwärter auf die Kandidatur gegen Trump öffentlich zur Wahl empfohlen, nicht einmal seinen ehemaligen Vizepräsidenten Joe Biden. Und auch direkte Kritik ist von Obama nicht zu hören.

Dahinter steckt offenbar ein konkretes Kalkül: Weil das innerparteiliche Rennen um die Präsidentschaftskandidatur immer erbitterter und schmutziger zu werden scheint, und es auf dem Nominierungsparteitag im Juli sogar zu einer Kampfabstimmung kommen könnte, gehen der Ex-Präsident und sein Umfeld nach Ansicht des "New York Magazins" davon aus, dass ihm eine wichtige Rolle bei der Wiedervereinigung der Demokraten zukommen wird. Jegliche vorherige Parteinahme aber würde seine Fähigkeit untergraben, diese Rolle einzunehmen.

"Ich werde mir den Arsch aufreißen"

Eine indirekte Stellungnahme konnte sich Obama dann aber doch nicht verkneifen: Auf einer Veranstaltung der demokratischen Partei zur Sammlung von Wahlkampfspenden im November in Washington verkündete er, die meisten Wähler hätten nicht unbedingt die gleichen Ansichten wie "der aktivistische Flügel unserer Partei" und wollten auch nicht "das System zerstören". Das Land sei weniger an einer Revolution als an Verbesserungen interessiert. "Auch wenn wir an die Grenzen gehen und unsere Vision mutig ist, müssen wir dennoch in der Realität verwurzelt sein", sagte Obama.

Joe Biden attackiert Pete Buttigieg in einem Wahlkampfvideo 

Diese Aussagen könnten durchaus als Kritik an dem selbsternannten "demokratischen Sozialisten" Bernie Sanders gewertet werden. Der Senator aus Vermont liegt derzeit im Rennen der Demokraten klar vorne. Sollte er am Ende tatsächlich die Kandidatur erobern, braucht er dennoch keinen Gegenwind von Obama zu fürchten. Im Gegenteil. Denn auf der selben Veranstaltung in Washington versicherte Trumps Vorgänger laut dem "New York Magazine": "Wir haben ein Feld von sehr versierten, sehr ernsthaften und leidenschaftlichen und klugen Leuten [...] und wer auch immer aus den Vorwahlen als Sieger hervorgeht, ich werde mir den Arsch aufreißen, um sicherzustellen, dass er der nächste Präsident wird."

Quellen: Obama Foundation"New York Magazine" 1, "New York Magazine" 2BBC, CNN