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Brexit: Johnson, Corbyn und Co.: Das sind die Köpfe, die über Großbritanniens Zukunft bestimmen

Resolut und angriffslustig oder überzeugt und staatstragend: Wie es mit Großbritannien und dem geplanten Brexit weitergeht, entscheiden maßgeblich vier Männer und eine Frau. Sie ringen um einen EU-Austritt - mit oder ohne Deal.

Im Uhrzeigersinn: Boris Johnson, John Bercow, Kenneth Clarke, Jeremy Corbyn, Jo Swinson

Im Uhrzeigersinn: Boris Johnson, John Bercow, Kenneth Clarke, Jeremy Corbyn, Jo Swinson

DPA / Getty Images

In Großbritannien werden nach der Sommerpause dramatische Brexit-Debatten im Unterhaus erwartet. Regierung, Opposition und Rebellen in der Regierungspartei arbeiten seit Tagen an Manövern, um die Modalitäten des Austritts von Großbritannien aus der EU bestimmen zu können. Doch wer sind die Schlüsselfiguren in diesem Kampf um den Brexit?

Boris Johnson, 55: Der Premierminister, der früher als Korrespondent in Brüssel arbeitete, gilt als sehr machtbedacht. Er sieht seine besten Chancen für eine breite Wählerunterstützung darin, am EU-Austrittsdatum 31. Oktober festzuhalten - mit oder ohne einen Vertrag bzw. den sogenannten Deal, der aufs erste die Beziehungen zur EU regeln würde. Er hat dem Parlament allerdings eine Zwangspause verordnet, und macht es den Abgeordneten damit schwer, einen ungeregelten Brexit per Gesetz zu verhindern. Er könnte aber auch eine Neuwahl anstreben, braucht dafür allerdings eine Zweidrittelmehrheit. Ob die Oppositionspartei Labour zustimmt, hängt womöglich davon ab, ob die Wahl vor oder nach dem 31. Oktober stattfinden würde.

 Jeremy Corbyn, 70: Der Oppositionsführer ist vom linken Flügel der Labour-Partei und genießt an der Parteibasis großen Rückhalt. Er war zeitlebens kein großer EU-Fan, hat sich aber unter dem Druck von gemäßigteren Kräften durchgerungen, ein neues Referendum zu verlangen. Zunächst will er aber einen No-Deal-Brexit verhindern. Mit Rebellen unter den Konservativen hofft er auf eine Mehrheit für ein Gesetz, um der Regierung einen EU-Austritt ohne Vertrag zu verbieten. Plan B: ein Misstrauensvotum. Gewinnt er, will er Übergangspremier werden und eine Neuwahl ausrufen.

Brexit mit oder ohne Deal auf dem Spiel

Jo Swinson, 39: Die neue Vorsitzende der Liberaldemokratischen Partei, die einst mit 25 als jüngste Abgeordnete im Unterhaus saß, war gegen den Brexit. Nun will sie zumindest ein Ausscheiden aus der EU ohne Vertrag verhindern. Die 14 Abgeordneten ihrer Fraktion könnten einem solchen Gesetz zusammen mit Labour, der schottischen Nationalpartei (SNP) und anderen zu einer Mehrheit verhelfen. Auch einen Misstrauensantrag schließt sie nicht aus, Corbyn als Übergangspremierminister ist für sie aber keine Option. Swinsons Vorschlag: Kenneth Clarke.

Kenneth Clarke, 79: Der Konservative hat sich bereiterklärt, als Übergangspremier zu fungieren, um einen No-Deal-Brexit zu verhindern. Er ist seit fast 40 Jahren im Unterhaus und damit der am längsten amtierende Abgeordnete. Clarke begann seine Ministerkarriere unter Margaret Thatcher und war unter anderem Schatzkanzler, Innen-, Gesundheits- und Bildungsminister. Er hat sich drei Mal vergeblich um den Posten des Parteichefs beworben. Er ist ein glühender Europäer. Während rechte Konservative und Brexit-Befürworter Clarke als Unverbesserlichen aus einem anderen Jahrhundert abtun, wird er von vielen Oppositionsabgeordneten als Brückenbauer geschätzt.

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John Bercow, 56: Der Parlamentspräsident wacht über das Prozedere im Unterhaus. Er hat die von Johnsons erwirkte Zwangspause scharf kritisiert und könnte der Opposition zu einer Dringlichkeitsdebatte verhelfen. Das wäre der erste Schritt, um dann ein Gesetz gegen einen No-Deal-Brexit einzubringen. Bercow ist zwar Konservativer, aber seine Parteimitgliedschaft ruht, weil er in seiner Rolle über Parteipolitik stehen soll.

rw / Christiane Oelrich / DPA