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Hurrikan Harvey in Texas "Charlie Hebdo" provoziert mit Neonazi-Cover zu Flutopfern

Hurrikan Harvey in Texas: "Charlie Hebdo" provoziert mit Neonazi-Cover zu Flutopfern
© Screenshot "Charlie Hebdo"-Facebookseite
Erneut Aufregung um eine Titelseite von "Charlie Hebdo": Das französische Satire-Magazin stellt auf seinem neuen Cover die Opfer von Hurrikan Harvey in Texas als Neonazis dar, die von Gott ertränkt wurden. Die Reaktionen: erwartbar heftig.

Das französische Satire-Magazin "Charlie Hebdo" sorgt mit einer Titelseite zu den Opfern von Hurrikan Harvey in Texas mal wieder für Aufregung: Das Cover der neuen Ausgabe zeigt zum Hitlergruß erhobene Arme und Hakenkreuzflaggen, die im Wasser versinken. Beschriftet ist die Zeichnung mit den Zeilen: "Gott existiert! Er hat alle Neonazis von Texas ertränkt!"

Die Illustration bezieht sich offensichtlich auf die Naturkatastrophe in Texas und Louisiana, bei der Dutzende Menschen ihr Leben verloren rund 100.000 Häuser beschädigt oder zerstört wurden. Sie verknüpft die Überschwemmungen mit den Ausschreitungen bei einer Demonstration von Rassisten in Charlottesville, in deren Verlauf eine Frau von einem mutmaßlichen Rechtsextremen mit einem Auto getötet wurde sowie der breiten Unterstützung für Donald Trump im Bundesstaat Texas. Bei der Präsidentenwahl im November hatten dort 52,6 Prozent für den Milliardär gestimmte.

Wütende Tweets über das Cover

In den sozialen Netzwerken löste das aktuelle Cover heftige Reaktionen aus.

"Hey Charie Hebdo", schreibt "Texas Marine" auf Twitter. "22.000 Texaner starben im Zweiten Weltkrieg und das waren keine Nazis, nicht damals und nicht heute. Eure Vorfahren würden sich für Euch schämen."

"Daniel Miller" twittert: "Nur eines unserer Länder ergab sich und kooperierte mit den Nazis. Kleiner Tipp: Es war nicht Texas!" Damit spielt er auf das Vichy-Regime in Frankreich an, das von 1940 bis 1944 mit Hitler-Deutschland zusammenarbeitete und rund 75.000 Juden in Vernichtungslager deportierte.

"Das war es dann mit 'Je suis Charlie', nehme ich mal an", schrieb US-Schauspieler James Woods auf Twitter. "America First" antwortet prompt: "Der Titel sagt, dass Gott existiert. Er ertränkte alle Neo-Nazis in Texas. Was zum Teufel!? Je ne suis plus Charlie. Nicht länger an deiner Seite, Charlie Hebdo."

"Melba Higbee" antwortet auf den selben Tweet: "Falsche Freunde! Franzosen waren schon immer Feiglinge. Erinnert ihr euch, wie sie sich im Zweiten Weltkrieg plötzlich gegeneinander wandten? Sie arbeiteten mit den Nazi-Angreifern."

Kurzen Prozess mit dem französischen Satire-Magazin macht "Peckinpah": "Charlie Hebdo hat ein neues Level von Primitivität erreicht."

"Charlie Hebdo" ist berühmt für Provokationen

"Charlie Hebdo" ist für provokante Karikaturen bekannt, mit denen sie immer wieder aneckt. Nach dem Anschlag von Barcelona provozierte sie mit einer Titelseite zu Terror und Islam heftige Diskussionen und Kritik. Die Zeichnung zeigte zwei Menschen, die in Blutlachen liegen, während im Hintergrund ein Lieferwagen wegfährt. In großen, blutroten Buchstaben stand daneben geschrieben: "Islam, Religion des Friedens ... des ewigen Friedens!"

Die religionskritische Satirezeitung, die mit der Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen den Hass von Islamisten auf sich gezogen hatte, war im Januar 2015 Ziel eines Anschlags geworden. Zwei Islamisten stürmten die Redaktionsräume in Paris und erschossen zwölf Menschen, unter ihnen einige der bekanntesten Karikaturisten des Blattes. Der Anschlag sorgte weltweit für Entsetzen und löste eine beispiellose Welle der Solidarität unter dem Motto "Ich bin Charlie" aus.

mad/tkr

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