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Dallas-Attentat Die Hass-Gruppe, die offen zum Mord an weißen Polizisten aufruft

Mauricelm-Lei Millere, Organisator der winzigen Gruppe African American Defense League.
Mauricelm-Lei Millere, Organisator der winzigen Gruppe African American Defense League.
© Screenshot/Instagram
Der Dallas-Attentäter Micah Xavier Johnson folgte in sozialen Medien mehreren radikalen Organisationen. Eine davon fordert bei Facebook und Instagram seit Jahren den Tod weißer Polizisten.

Nur wenige Stunden nach dem tödlichsten Tag für die US-Polizei seit 9/11 schreibt ein Mann, der sich selbst Menschenrechtsaktivist und religiöser Führer nennt, unvorstellbare Worte auf seinem Instagram-Account nieder: "Wir haben keine Wahl! Wir müssen weiße Polizisten im Land töten." Dazu stellt er ein Bild von sich und Bill Clinton, offenbar aufgenommen auf einer Wahlkampfveranstaltung für Hillary Clinton im Mai.

Mauricelm-Lei Millere heißt der Mann, der über die sozialen Netzwerke zum Mord aufruft. Immer wieder. Schon 2015 schreibt er nach Angaben der "Dailybeast" auf Facebook: "Jeder Schwarze dieser Nation sollte einen weißen Polizisten finden, den er tötet - in jedem Staat und jeder amerikanischen und europäischen Provinz". Und nach dem tödlichen Polizeieinsatz gegen den 37-jährigen Afroamerikaner Alton Sterlin am Dienstag im Bundesstaat Louisiana fordert Millere: "Ihr und ich wisst, was zu tun ist, und ich meine nicht das Marschieren und viel Lärm machen oder an Versammlungen teilnehmen." Er spricht von "Schweineblut", das in Louisiana vergossen werden solle.

Schütze von Dallas folgte Milleres Organisation

Millere organisiert eine Gruppe, die sich African American Defense League nennt. Er selbst spricht von einer Bewegung, doch davon kann kaum eine Rede sein. Die Facebook-Seite hat nicht einmal 200 Fans, bei Instagram hat Millere 527 Abonnenten. Doch einer dieser Follower war Micah Xavier Johnson, Schütze der Dallas-Attentate.

Mauricelm-Lei Millere bei einer Wahlkampfveranstaltung von Bill Clinton
Mauricelm-Lei Millere bei einer Wahlkampfveranstaltung von Bill Clinton
© Screenshot/Instagram

Johnsons Facebook-Seite wurde im Verlauf des Tages gelöscht. Doch Nachrichtenagenturen und mehrere US-Medien nennen als "likes" mehrere radikale afroamerikanische Gruppierungen. Dazu gehören die von US-Organisationen als antisemitisch und weißenfeindlich eingeschätzten Gruppen New Black Panther Party (NBPP) und die Nation of Islam. Und dazu gehört eben auch die von Millere betriebene African American Defense League. Zudem soll Johnson auf einem Foto mit erhobener rechter Faust zu sehen gewesen sein, einer typischen Geste der Black-Power-Bewegung früherer Jahrzehnte.

"Wunderbare Neuigkeiten"

Ob Johnson Milleres blutrünstige Appelle vernahm, ist ungeklärt. Klar scheint aber, dass er sich gründlich auf Gewaltaktionen vorbereitete. In seiner Wohnung in Mesquite, einem Vorort von Dallas, hortete er nach Angaben der Polizei ein ganzes Waffenarsenal. Gewehre, Munition, kugelsichere Westen, Material zum Bau von Bomben sowie eine Art Tagebuch zu Kampftechniken.

Unabhängig davon, ob Johnson engeren Kontakt zu Millere hatte oder nicht, dürfte feststehen: Millere freute sich über das Attentat. In einer mittlerweile gelöschten Konversation unter einem Posting auf Facebook, die der "Dailybeast" vorliegt, soll er geschrieben haben: "Wunderbare Neuigkeit, diese Selbstverteidigung! Nicht wahr?"

Eines von Milleres Instagram-Postings
Eines von Milleres Instagram-Postings: "Die amerikanische Polizei/Gestapo tötet weiter Mitglieder der schwarzen Familie. Es sollte sie nicht verwundern, dass wir zu Waffengewalt gegen sie greifen müssen."
feh mit AFP-Material

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