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US-Präsident: Mobbing-Monster: Die perfide Methode, mit der Trump seine Gegner diskreditiert

Rex Tillerson, James Comey, Jeff Sessions: Die Liste von Donald Trumps Mobbing-Opfern ist lang - und belegt die perfide Methode des US-Präsidenten: Wer Unruhe stiftet, droht vor einem Millionenpublikum bloßgestellt zu werden. 

Donald Trump Berater Stephen Bannon

Donald Trump hat offenbar viele Feinde. Um genau zu sein: 394, wie die US-Zeitung "New York Times" unter dem Titel "Menschen, Orte und Dinge, die Donald Trump auf Twitter beleidigt hat" errechnet hat. Der US-Präsident diffamiert seine Opfer etwa als "Lügner", "Verlierer", "Feigling" und schreckt dabei nicht zurück, auch in den eigenen Reihen mit Schlamm zu werfen - während er vorgibt, eine weiße Weste zu tragen.

Die Mobbing-Attacken finden vor einem Millionenpublikum statt: Knapp 44 Millionen Menschen verfolgen Trumps berüchtigten Ausfälle allein auf dem Kurznachrichtendienst Twitter; viele weitere lesen davon in den Schlagzeilen. Wer ins Visier des US-Präsidenten gerät, wird geradezu weltweit an den Pranger gestellt. Das dürften seine (potenziellen) Opfer wissen, aber auch Trump selbst: Diese Art von Öffentlichkeit ist unangenehm. Nun scheint Außenminister Rex Tillerson in Trumps virales Fadenkreuz geraten zu sein.

Donald Trump: "Spare deine Energie, Rex."

Nachdem die "New York Times" über den "Plan" berichtet hat, dass Tillerson durch den CIA-Chef Mike Pompeo abgelöst werden soll, verdichten sich die Hinweise, dass dahinter Kalkül gesteckt haben könnte. Das Außenministerium dementierte den Bericht, die Sprecherin des Weißen Hauses wies ihn lediglich halbherzig zurück. "Es gibt derzeit keine Personalien zu verkünden", bügelte Sarah Sanders das Thema ab. Rückendeckung sieht anders aus. Laut dem US-Sender "CNN" soll es sich bei der Spekulation über die Ablöse um eine gezielte Bloßstellung Tillersons gehandelt haben. So oder so scheint die Botschaft klar: Rex, du solltest abtreten. 

Ein Wink mit dem Zaunpfahl. Und vermutlich der Klimax einer schon länger währenden Fehde der beiden Alphatiere. Zuvor soll Tillerson Trump intern einen "Schwachkopf" genannt haben. Daraufhin hat Trump, angeblich im Spaß, einen IQ-Test vorgeschlagen. Doch bereits vorher hat der US-Präsident seinem Außenminister unmissverständlich zu verstehen gegeben, dass er mit seinem Politikstil wenig anfangen kann. Etwa in der Frage, wie mit Nordkorea umzugehen ist. Tillerson setzt eher auf eine diplomatische Lösung, während Trump bekanntlich mit "Feuer und Zorn" droht. Ein Widerspruch gegen seine harte Linie, die der US-Präsident nicht duldet: "Ich habe Rex Tillerson gesagt, unserem wundervollen Außenminister, dass er seine Zeit verschwendet, mit dem Little Rocket Man (sein Spitzname für Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un, Anm. d. Red.) zu verhandeln", schrieb Trump auf Twitter, "Spare deine Energie, Rex. Wir machen, was gemacht werden muss!" Denn, dieser Eindruck soll offenbar entstehen, Tillerson tut es nicht. 

"So viele falsche Statements und Lügen"

Auch James Comey ist seine Überparteilichkeit zum Verhängnis geworden. Der ehemalige FBI-Chef wurde von Donald Trump gefeuert. Als offizieller Grund wird Comeys Handhabung in der Affäre um Hillary Clintons E-Mails aus ihrer Zeit als Außenministerin angeführt. Wohlgemerkt eine Affäre, die Trump ausgeschlachtet hat wie kein zweiter. Die ihm sehr genutzt hat. Aber in der Comey nunmal, wenn es nach Trump geht, falsch gehandelt hat - indem er Clinton schließlich entlastete. Er werde kein Verfahren gegen Trumps damalige Kontrahentin eröffnen, hieß es damals. Trump kritisierte ein "manipuliertes System" - und revanchierte sich offenbar, als er US-Präsidenten wurde, mit Comeys Kündigung. Ganz abgesehen davon, dass der inoffizelle Kündigungsgrund schwerer wiegt: die Russland-Ermittlungen des FBI gegen Trumps Wahlkampfteam. 

In diesem Fall wird immer noch ermittelt. Comey sagte gegen Trump aus - und wurde dafür von Trump natürlich diffamiert. "Wie sich herausstellt, hat James Comey gelogen und Hillary Clinton beschützt", so Trump. "So viele falsche Statements und Lügen", und "sehr feige!" sei das alles. Die Bühne für die Beschuldigungen: Twitter. Das Ziel: Comey in aller Öffentlichkeit als Lügner darzustellen.

Eine "Cyber-Bullying-Kampagne"?

Auch seinem US-Justizminister, Jeff Sessions, warf Trump auf Twitter eine "SEHR schwache Position" zu Clintons "Verbrechen" vor. In einer Pressekonferenz gab er zu Protokoll, dass er "schwer enttäuscht" von seinem Justizminister sei. Ob er ihn entlassen wolle? "Das wird die Zeit zeigen", so Trump. Die "Zeit" titelte damals: "Warum Trump seinen Minister trollt". US-Journalisten würden von einer "Cyber-Bullying-Kampagne" sprechen, "die allein zum Ziel habe, Sessions aus dem Amt zu ekeln." Der Fall erinnert unweigerlich an Außenminister Rex Tillerson, über den nun gespottet wird. 

Nur: Die öffentliche Diffamierung scheint bei Jeff Sessions einen Schalter umgelegt zu haben. Wenige Monate später, als er Fragen zur Russland-Affäre beantworten soll, sagte er den Abgeordneten des Repräsentantenhauses wieder und wieder : "Ich erinnere mich nicht." Er wisse nichts über Kontakte von Trumps Wahlkämpfern zu Russen. Während der ehemalige außenpolitische Wahlkampfberater George Papadopoulos sagte, bei einem Treffen mit Trump und Sessions über eben solche gesprochen zu haben. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" titelte damals: "Erinnerungslücken eines Justizministers".

Nun drängt sich die Frage auf: Ist Trumps Mobbing-Masche aufgegangen? Das wird sich vermutlich auch im Fall von Außenminister Rex Tillerson zeigen. 

Es brodelte schon länger: Donald Trump will Rex Tillerson offenbar als Außenminister entlassen