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Geschäfte von Donald Trump: Eine Präsidentschaft zum Wohle der eigenen Familie

Luxushotels, Golfklubs, Wolkenkratzer, insgesamt besitzt Donald Trump mehr als 500 Firmen. Und er vermischt skrupellos und immer offener Geschäft und Politik. Von seiner Präsidentschaft profitiert vor allem - seine Familie.

Donald Trump steht im Oval Office

Donald Trump: mal Präsident, mal Geschäftsmann; hier an seinem Schreibtisch im Oval Office.

"Kann ich Ihnen helfen, Sir?", fragt die junge Frau, schwarz und schön, in der Lobby des neuen Trump-Hotels in Washington. Hinten an der Bar halten ihre Kollegen den ungarischen Weißwein bereit, der in Kristalllöffelchen zu je 140 Dollar angeboten wird. Gern mixen sie den Cocktail "The Benjamin" für 100 Dollar. Und immer mehrt ein Teil des Geldes den Reichtum des Präsidenten und seines Clans, dem jedermann hier einen kleinen Vorteil zukommen lassen kann.

Die Kundschaft im historischen Postgebäude mit dem Uhrenturm ist meist männlich, weiß und in der zweiten Lebenshälfte. Es riecht nach großem Geld und großen Deals. Die Kuwaitis haben hier die Sause zu ihrem Nationalfeiertag ausgerichtet, Bahrain mietete schon im Dezember den Ballsaal.

Der Präsident hat Schulden bei Feinden

"Alle anderen Restaurants sind nun zweite Wahl, wenn jemand einen Gefallen von der Regierung möchte", sagt der Anwalt Scott Rome. Er vertritt ein Ehepaar, das in der Gegend eine Weinbar betreibt und Trump wegen Geschäftsschädigung vor Gericht verklagt. Das sei "lächerlich", schimpft Präsidentensohn Eric. Wahrscheinlich hat er nicht einmal unrecht. In Trumps Imperium kommt es nicht auf eine Party an, nicht auf einen Drink und auch nicht auf ein paar Übernachtungen in der Townhouse Suite zum Preis eines Sportwagens. Es geht um ungleich viel mehr.

Zum ersten Mal herrscht im Weißen Haus ein Mann, der rund um die Welt Unternehmen besitzt, Schulden hat bei Feinden seiner Regierung, Verbindungen unterhält zu korrupten Partnern. Einer, der weiterhin und unbedingt Geld verdienen will: Das wichtigste Amt der freien Welt wird zum Marketinginstrument eines Familienclans, der sich in einer Sekunde um den Staatshaushalt kümmert und in der nächsten um den Profit.

Die Vermischung mit Geschäften schadet Amerika

"Diese Präsidentschaft erinnert an eine Kleptokratie irgendwo in der Welt", schimpft Liz Kennedy vom Center for American Progress (CAP). Die Einladung zum Tee in Trumps Hotel lehnt die Juristin dankend ab. Sie schäumt lieber ein paar Blocks weiter in ihrem Büro: "Die Vermischung von Präsidentschaft und Geschäft schadet Amerika und verstößt gegen die Verfassung."

Vor ein paar Tagen ging CAP-Direktorin Kennedy zu einer Veranstaltung in die National Archives. Es gab Schnittchen, Sekt und große Gefühle. Sie stand zum ersten Mal in der Rotunde, wo die Gründungsdokumente der amerikanischen Demokratie ausgestellt sind. "Es war ergreifend", sagt die 40-Jährige. "We the People", beginnt die Verfassung von 1787 in großen Lettern und fährt fort mit einem noch größeren Versprechen: die Freiheit zu sichern. Um das zu erreichen, so steht es geschrieben, darf kein Amtsinhaber Zuwendungen von einem "König, Prinzen oder ausländischen Staat" annehmen.

Trumps Imperium erstreckt sich in Königreiche, zu Prinzen und in fremde Staaten: Von Schottland bis in die Vereinigten Arabischen Emirate, von der Türkei nach Indien, von Indonesien bis auf die Philippinen. Außerhalb der USA sind etwa 150 Trump-Firmen in rund zwei Dutzend Staaten aktiv. Von überallher fließt Geld ins Zentrum: zum Trump Tower in New York.

500 Firmen gehören ihm

Dort, in der für jeden zugänglichen Bar, sitzt Trumps Biograf David Cay Johnston auf einem abgewetzten Sessel. Er zieht eine Liste aus der Tasche. Mehr als 500 Firmen stehen darauf, die alle Donald J. Trump gehören. Golfklubs, Luxushotels, Wohn- und Bürogebäude zählen dazu. Unter dem Namen Trump werden Wein und Wasser verkauft, Matratzen und Manschettenknöpfe. Johnston, Autor des Buches "Die Akte Trump", sagt: "Trump investiert in den Ruf seines Namens. Das ist sein größter Wert. Die Präsidentschaft ist für ihn die Chance, seinen Namen endgültig zu vergolden."

Wochenendresidenz: Mar-a-Lago in Florida - Trumps protziger Traum aus Gold und Kitsch
Mar-a-Lago ist das pompöse Anwesen von Donald Trump und seiner Familie in Palm Beach in Florida. Trump heiratete hier seine Frau Melania im Januar 2005. Das Bild zeigt die Trauung von Donald Trump Jr., dem ältesten Sohn des Milliardärs, und seiner Frau Vanessa, im November des selben Jahres.

Mar-a-Lago ist das pompöse Anwesen von Donald Trump und seiner Familie in Palm Beach in Florida. Trump heiratete hier seine Frau Melania im Januar 2005. Das Bild zeigt die Trauung von Donald Trump Jr., dem ältesten Sohn des Milliardärs, und seiner Frau Vanessa, im November des selben Jahres.


Trumps Vorgänger haben nach ihrer Wahl stets alle Geschäfte aufgegeben. Barack Obama hatte nur gewöhnliche Ersparnisse, vor allem US-Schatzbriefe. Jimmy Carter trennte sich von seiner Erdnussfarm. Denn der Präsident ist Repräsentant des Volkes – und nur des Volkes, kein anderes Interesse darf ihn beeinflussen. Schon der Anschein gilt als verheerend.

Die Firmenzentrale das Symbol für seinen Erfolg

Trump aber bleibt Eigentümer seiner Geschäfte und hat nur das Management an seine Söhne übertragen. Auf einer Liste der größten Privatfirmen in den USA steht die Trump Organization auf Platz 48. Das Unternehmen besteht aus vielen Einzelgesellschaften ohne persönliche Haftung. Gewinne oder Verluste müssen nicht veröffentlicht werden; alles bleibt sehr privat.

Trump hat seinen wirtschaftlichen Aufstieg so bewerkstelligt, wie er heute sein Amt führt. Die Firmenzentrale in Manhattan ist das Symbol für sein Streben und seinen Erfolg - mit dem Wasserfall über vier Etagen, dem rosa Marmor überall und den goldenen Fahrstühlen. Der Klotz an der Ecke Fifth Avenue und 56. Straße gehörte zu den wenigen Gebäuden, in denen Käufer anonym Wohnungen erwerben konnten.

"Deshalb ist der Turm voller krummer Hunde", sagt Johnston. Beim Bau in den 80er Jahren wurden Arbeiter aus Polen illegal beschäftigt. Trump zahlte weit unter Tarif. Schutzkleidung gab es keine. Die Sache landete vor Gericht. Einer seiner Berater hatte ihn gewarnt, aber dann resigniert festgestellt: "Mit Vernunft konnte man ihm nicht beikommen, wenn Geld im Spiel war."

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Nähe zu Donald Trump für 200.000 Dollar

Die Statthalter Eric, 33, und Donald Jr., 39, genannt "Don", residieren im 25. Stock des Trump Towers. Ihre Büros sind nur mit Glaswänden voneinander getrennt. So wollte es der Vater, dessen leer stehendes Büro eine Etage darüber liegt. Ein Trump aus Pappe steht beinahe lebensgroß in Erics Büro. Der "New York Times" sagte der Sohn: "Seine DNA erschuf die Firma, und sie erschuf auch uns. Wir sind in vielfältiger Weise seine Verlängerungen." Nun haben sie den Auftrag, das Imperium zu führen. Aber die Wolkenkratzer, die Lizenzen, die Golfklubs gehören nach wie vor dem Vater. Die Gewinne mehren sein Vermögen.

Auf das 400.000-Dollar-Jahresgehalt eines US-Präsidenten hat Trump verzichtet. Es war sein persönlicher Franz-Beckenbauer-Moment. Ein Ehrenmann, der scheinbar selbstlos seine Arbeit macht, für die er über ein paar Ecken aber mehr einstreicht, als ihm zusteht.

CAP-Direktorin Kennedy hat in einem langen Papier die Interessenkonflikte des Präsidenten aufgelistet. Es war eine gigantische Aufgabe, mühsam, wenn es darum ging, all die Gebäude ausfindig zu machen, die Trumps Namen tragen. Unappetitlich fand sie es, dass in Trumps Privatklub Mar-a-Lago in Florida reiche Geschäftsleute gegen eine auf 200 000 Dollar verdoppelte Aufnahmegebühr die Nähe des Präsidenten kaufen können. Schockierend war es, den Partnern Trumps in der Welt nachzuspüren. "Auf den Philippinen sind es Freunde des Gewaltherrschers Rodrigo Duterte, der ist ein Killer." In Washington wacht nun ein von Duterte entsandter Mann über den Fortgang der zwischenstaatlichen Geschäftsbeziehungen. Mit diesem Jose E. B. Antonio ist Trump seit Langem verbandelt. Das Haar kämmt Antonio gern nach hinten, sein Sohn Robbie, der Projektleiter für das Trump-Gebäude in Manila, posiert auf Bildern mit dem Trump-Clan. Es sieht fast familiär aus. Vergangenes Wochenende lud Trump nun sogar Duterte persönlich nach Washington ein.

Eine "Trump-Villa" für vier Millionen Dollar

Ob auf den Philippinen oder in Aserbaidschan: Überall ist Trump dubiose Verbindungen eingegangen. Sein Partner in Baku etwa, Zija Mammadow, bis vor Kurzem Verkehrsminister, hat es trotz eines bescheidenen Gehalts zum Milliardär gebracht. Selbst nach den örtlichen Standards gilt sein Clan als besonders korrupt.

Als Trump sich gerade mit neuen goldenen Vorhängen im Weißen Haus eingerichtet hatte, eröffneten seine Söhne in Dubai den Trump International Golf Club. Dazu gehören einige Hundert "Trump"-Villen, die für 1,3 bis 4 Millionen US-Dollar zu haben sind. Partner bei diesem Geschäft ist der Milliardär Hussain Sadschwani, der 2011 in Ägypten wegen Korruption zu fünf Jahren Haft verurteilt wurde. Die Strafe wurde in eine Geldstrafe von 15 Millionen Dollar umgewandelt. Dem US-Sender CNN sagte Sadschwani: "Die vergangenen zwölf Monate haben Trumps Marke stärker gemacht. Das wird sich positiv auf den Verkauf auswirken." So ist es immer bei Trump. Seine heißeste Ware ist eben sein Name.

"Spa by Ivanka Trump"

Überall wo "Trump" draufsteht, kassiert die Familie. Oft hält außer dem Präsidenten auch Tochter Ivanka die Hand auf. Im Scheinwerferlicht trägt sie gern Produkte ihrer Modelinie, die sich so gut verkauft wie nie zuvor – auch wenn mittlerweile ihre Leute nicht mehr per "style alert" darauf hinweisen, was genau sie vorgeführt hat. In Gebäuden wie dem neuen Trump Tower in Vancouver wird im "Spa by Ivanka Trump" dem Gast "ein Pfad zu innerer Heilung und äußerer Schönheit" versprochen. Die 217 Luxusapartments kosten bis zu 20 Millionen Dollar. Bauträger ist die Holborn Group. Als Chef fungiert Joo Kim Tiah, 37, Sohn des Multimilliardärs Tony Tiah, der 2002 wegen Börsenmanipulation in seinem Heimatland Malaysia verurteilt wurde. Das Muster scheint vertraut. Joo Kim Tiah erzählte in Vancouver, bei den Trumps sei es wie in seiner eigenen Familie. "Wir sind sehr respektvoll unseren Vätern gegenüber. Wenn sie sprechen, dann schweigen wir."

Trumps Firmen besitzen derzeit über 400 Luxusapartments, die in den USA zum Verkauf stehen. Die günstigste Wohnung kostet 200 000 Dollar, die teuerste 35 Millionen. Eine ideale Gelegenheit für Lobbyisten, dem Präsidenten und seiner Familie diskret größere Summen zukommen zu lassen. Die Käufer können sich hinter Briefkastenfirmen verbergen. Seit der Wahl wurden nach Recherchen von "USA Today" mindestens 14 Wohnungen im Gesamtwert von 23 Millionen Dollar verkauft. Wie immer bei Trump laufen die Geschäfte so diskret wie undurchschaubar.

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Nur dass es aufwärtsgeht mit dem Clan, ist deutlich erkennbar. Anfang März trat der geschäftsführende Sohn Eric im Washingtoner Familienhotel auf und sagte: "Ich denke, unsere Marke ist heißer als jemals zuvor." Geplant sind neue Wohnanlagen in Indonesien und in der Dominikanischen Republik, neue Trump Tower in Mumbai und Gurgaon in Indien, in Punta del Este, Uruguay. Dagegen seien Bauvorhaben in China und einigen anderen Ländern gestoppt worden, heißt es auf Nachfrage bei der Trump Organization in New York. Dort zu investieren, wäre politisch dann doch zu heikel.

Wie seine Geschäftsbeziehungen aussehen - unklar

Eine Einsicht, die nicht bedeutet, dass es keine Verbindungen in Staaten gibt, mit denen Trump als Präsident über Kreuz liegt. Und zwar Verbindungen, die zumindest die Gefahr bergen, dass ihn eine fremde Macht unter Druck setzt: Trump hat Schulden auf der ganzen Welt. Mindestens 650 Millionen Dollar hat er bei acht verschiedenen Banken aufgenommen. Hauptgläubiger sind die Deutsche Bank und die New Yorker Finanzierungsgesellschaft Ladder Capital. Trumps Schulden wurden, wie in der Branche üblich, in Wertpapiere verpackt und an andere Banken weitergereicht. Diese Geldhäuser wiederum verkauften die Titel an ihre Kunden. Dasselbe geschah mit Schuldscheinen im Wert von mehr als zwei Milliarden Dollar von Unternehmen, an denen Trump Anteile hält. Wie das "Wall Street Journal" herausfand, liegt ein Teil dieser Bonds bei der Bank of China. Die Volksrepublik ist damit Gläubiger des Mannes, der im Wahlkampf sagte: "Die Chinesen killen uns. Wir müssen uns wehren."

Wie genau seine Geschäftsbeziehungen aussehen, bleibt unklar, da Trump im Gegensatz zu all seinen Vorgängern in den vergangenen Jahrzehnten seine Steuererklärungen nicht veröffentlicht. Mittlerweile behindert das sogar die Amtsführung, da einige seiner Gegner erst dann über die vergangene Woche präsentierte Steuerreform reden wollen, wenn klar ist, wie der Präsident davon profitiert.

Niemand weiß, ob Trumps Söhne gerade in Peking über eine Umschuldung verhandeln, während ihr Vater mit den Chinesen über die Handelsbeziehungen der beiden Länder spricht. "Egal, was er macht", sagt Liz Kennedy, "immer bleibt wegen dieser mangelnden Transparenz die Möglichkeit, dass seine Geschäfte sein Verhalten beeinflussen."

Das gilt auch für die anderen Clanmitglieder im Weißen Haus. Ivanka Trump genoss ein offizielles Essen an der Seite ihres Vaters mit Chinas Premier Xi Jinping – kurz darauf wurden ihr exklusive Markenrechte für China gewährt. Ihr Mann Jared, der unter anderem einen Frieden zwischen Israelis und Palästinensern organisieren soll, muss sich vorhalten lassen, Bauprojekte in Manhattan über getarnte Verbindungen zu einer umstrittenen Investorenfamilie aus Israel finanziert zu haben. Nach Einschätzung prominenter Juristen riskiert das Paar, wegen der Vermischung von Amt und Geschäft am Ende vor Gericht zu landen.

Diese Vermischung dient der ganzen Familie immer offener zur Bereicherung. Die Söhne Eric und Don begleiteten ihren Vater eineinhalb Jahre lang im Wahlkampf. Sie knüpften dabei in Dutzenden Städten Kontakte zu Unternehmern und Politikern. Donald Trump Jr. sagt: "Unterwegs habe ich Leute getroffen, die wären alle großartige Partner." An mehr als 30 Standorten wollen sie nun neue Hotels bauen; die Hotelkette heißt Scion, was man mit Sprössling übersetzen kann. Einer der Geldgeber sollte zunächst Mükemmel "Mike" Sarimsakçi aus Dallas sein, der aus der Türkei stammt. Das Kapital wollte er nach eigenen Worten in der Türkei und in Kasachstan bei "family and friends" auftreiben. Wieder wäre ein Trump-Projekt mit ausländischem Geld finanziert worden, dessen Herkunft unbekannt bleibt. Der Deal wurde in letzter Minute gestoppt. Nun werden in China mögliche Standorte ausgelotet.

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Gegen die Verfassung

Bei allen Entscheidungen dieses Präsidenten stellt sich die Frage, wessen Nutzen das Amt mehrt - den seines Clans oder den des Volkes. Als Donald Trump am 20. Januar seinen Amtseid leistete, steckte die erste Beschwerde bereits im Umschlag. "Wir haben sie in dem Moment eingereicht, in dem er die Hand von der Bibel genommen hat", berichtet Norman Eisen, einst US-Botschafter in Prag und heute Anführer der Kampagne gegen Trumps Form einer Public-Private-Partnership. Eisen sagt: "Unser Mann stand schon vor der GSA, mit dem Schriftsatz in der Hand." Die GSA ist die General Services Administration, die Behörde, die das staatseigene Postgebäude in Washington, Heimat des neuen Trump-Hotels, verpachtet hat. Im Vertrag steht, dass kein gewählter Vertreter der US-Regierung an dem Geschäft teilhaben oder von ihm profitieren dürfe. Doch auch der GSA-Chef wird von Trump ernannt, und so sind alle Beteiligten trotz des offenkundigen Vertragsbruchs zufrieden. Es geht nur um ein Hotel, aber der Vorgang zeigt, dass Amerika nicht mehr die Vorzeige-Demokratie ist, die von so vielen einst bestaunt wurde.

Die Trump-Leute haben natürlich eine alternative Sichtweise. Sie verweisen darauf, dass Vater Donald das Management abgegeben habe und sogar auf Profite von fremden Regierungen verzichten wolle. Außerdem sei der Präsident ohnehin von den Vorschriften für das Fußvolk der Regierung ausgenommen.

"Die Normen werden verletzt", poltert dagegen Eisen, der in Obamas Weißem Haus für die Einhaltung der Verhaltensstandards zuständig war. "Das muss aufhören." Eisen und seine Mitstreiter haben Klage eingereicht. Sie schreiben, angewandt auf die Geschäfte des Präsidenten seien Text und Sinn der Verfassung klar: "Das kann nicht erlaubt werden."

Wer Trumps Haltung verstehen will, hält sich am besten an alte Weggefährten. David Schutzenhofer musste erst Mr Trump fragen, bevor er mit dem stern sprechen durfte. Die private Zufahrt zum Bedminster Golf Club, den Schutzenhofer leitet, schlängelt sich fünf Kilometer durch eine Hügellandschaft. Schutzenhofer wartet am alten Herrenhaus. Schlank, blaue Augen, gute Laune. Er führt die zwei Treppenstufen hinauf durch die Eingangstür aus Eichenholz. Davor ließ sich Trump gern mit den Bewerbern um politische Ämter fotografieren, etwa mit Vize Mike Pence oder Bildungsministerin Betsy De Vos.

Alte Weggefährten helfen, Trump zu verstehen 

Sein Mitarbeiter preist den Boss als "echten Killer", "einen Hai", eben eine Ausnahmeerscheinung. Auch er selbst sei dem Meister "in die Fänge gegangen". Trump gab ihm beim Vorstellungsgespräch das Gefühl, etwas Besonderes, Wichtiges zu sein. Er sei so begeistert gewesen, dass er beim Gehalt große Abstriche hingenommen habe. Auf dem Heimweg sei er dann rechts rangefahren und habe Trump angerufen. "Für das Geld kann ich nicht antreten", habe er Trump gesagt. Trump habe erwidert, bei ihm gebe es keine Nachverhandlungen. Erst als ihm Schutzenhofer den Deal anbot, im ersten Jahr mehr Geld zu sparen, als sein Gehalt betrage, willigte Trump ein. Er macht Geschäfte mit der gleichen Leidenschaft, mit der Achtjährige auf einen Fußball eindreschen.

Bilanz nach 100 Tagen: Was hat Donald Trump bei seinen wichtigsten Themen wirklich geschafft?

Die Trennung von Spaßhaben und Geldverdienen gibt es bei Trump nicht. Nun kommt - sozusagen als dritte Dimension - die Politik dazu. Auf dem Golfplatz führt Trump gern politische Gespräche, entspannt zugleich bei seinem Lieblingssport - und macht auch noch Werbung für sein eigenes Produkt. Denn wo er ist, sind Kameras nicht weit. Das zahlt sich aus. Auf Schutzenhofers Anlage in New Jersey werden im Juli die United States Women's Open stattfinden. Zum Wohle des Präsidenten.

Jeder kann sehen, wie Trump sich verhält. Doch während die eine Hälfte der Amerikaner den Kopf schüttelt, hofft die andere, er werde die Wende bringen.

Gott werde Donald Trump beistehen

Das zeigt sich ausgerechnet in den National Archives, dem Ort, an dem Liz Kennedy so ergriffen vor den stolzesten Dokumenten der Demokratie stand. Hier sind die Touristen beinahe unter sich - viele kommen von weit her. So auch Jennifer und ihre Freundinnen. Zusammen haben die sechs Frauen 16 Kinder und einen festen Glauben: Gott werde Donald Trump beistehen. Ist die Verfassung nun in Gefahr, da dieser Mann herrscht? "Nein", sagt Jennifer, "Trump ist von Gott gerufen, um die Korruption in der politischen Klasse auszurotten und die Einschränkung der Individualität zu verhindern, die Amerika so einzigartig macht." Das sei das wahre Erbe der Gründerväter. Die Frauen stehen für das Amerika, das Trump an die Macht gebracht hat. Jede hat ihn gewählt. Jede würde es wieder tun. Sie fühlen sich ganz eins mit Trumps Land. Auch wenn es wenig mit den USA zu tun hat, die sich über Generationen als Leuchtfeuer der Freiheit, der Demokratie und des Rechts gesehen haben.

Donals Trump mit Frosch im Gesicht