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Kommentar

Aus für Iran-Deal: "America alone": Statt eines Atomkonflikts hat Donald Trump nun zwei am Hals

Im Verträge-wieder-aufschnüren ist Donald Trump sehr erfolgreich. Nun verlässt er auch den Atom-Deal mit dem Iran und halst sich, den USA und der ganzen Welt einen weiteren Atomkonflikt auf.

Donald Trump

Donald Trump halst sich noch mehr Konflikte auf, als er ohnehin schon hat

Zwei Drittel der arabischen Jugend betrachten die Amerikaner nicht als Feind sondern als Verbündeten. Eigentlich eine erstaunliche Zahl, allerdings eine, die noch aus Zeiten des US-Präsidenten Barack Obama stammt. Mittlerweile ist die Stimmung ins Gegenteil gekippt: Für zwei Drittel der 18-24-jährigen Araber sind die Vereinigten Staaten ein Gegner und kein Freund. Schuld daran, so die überwältigende Mehrheit der Befragten: Donald Trump. Es ist sehr gut möglich, dass das miese Image der USA im Nahen Osten nach diesem Dienstag noch lausiger sein wird.

Niemand will einen Iran mit der Bombe

Denn wenn die Araber etwas nicht wollen, von Israel ganz abgesehen, dann einen atomar bewaffneten Iran. Das aber könnte eine mögliche Konsequenz aus dem Ende des Atom-Deals sein, das der US-Präsident nun besiegelt hat. Auch wenn die Europäer an der Vereinbarung festhalten wollen: mit der Wiedereinführung der Sanktionen ist der "Geist" tot. Damit halst sich der US-Präsident die nächste Großbaustelle auf. Denn die USA werden sich zusammen mit ihren Verbündeten wie Israel demnächst wieder mit einem Iran herumschlagen müssen, der sich seinem Atombombenprojekt widmen könnte. Die Hardliner in Teheran reiben sich schon die Hände.

Es stimmt natürlich, was die Amerikaner monieren: Die Mullahs entwickeln vielleicht keine Bomben, aber sie testen ungeniert waffenfähige Raketen. Sie weiten aggressiv ihren Einfluss auf die Nachbarstaaten aus und sie unterstützen zweifelhafte Gruppen wie die Hisbollah. Der Iran gibt sich reichlich Mühe, seinem Ruf als Schurkenstaat gerecht zu werden. Und ja, möglicherweise plant das Land, nach Auslaufen des Atom-Deals ab dem Jahr 2025 sogar wieder Uran anzureichern. Mit der Entscheidung Trumps allerdings könnten die Iraner im Grunde sofort mit dem Bombenbau beginnen. Statt Zeit zu gewinnen, hat der US-Präsident mal eben den Countdown verkürzt.

Nichts zu sehen von Trump, dem Deal-Maker

Zugegeben: Noch stehen zu viele Entscheidungen aus, um absehen zu können, wie viel schlimmer nun alles werden wird. Doch erneut rückt Trump sein Land völlig unnötig in eine unvorteilhafte Ecke. Er selbst mag sich in der Rolle des unkalkulierbaren, großen Aufmischers gefallen - gebracht hat es bislang nichts. Die Neuverhandlungen über das nordamerikanische Handelsabkommen Nafta verlaufen genauso zäh wie die mit China über Einfuhren, Ausfuhren und Zölle. Ähnliche Probleme mit den Europäern sind auch noch nicht gelöst. Vom US-Präsidenten als großer Deal-Maker ist nichts zu sehen und die wirklich harte Nuss kommt erst noch: die anstehenden Verhandlungen mit Nordkorea über dessen Atomprogramm.

In Pjöngjang werden sie mit großem Interesse die Ereignisse dieser Tage verfolgen. Was sie sehen, ist ein US-Präsident, der sich, wie bereits beim Pariser Klimavertrag, nur ungern an Verträge hält, und zudem keinen Plan B zu haben scheint. Warum also sollte Diktator Kim Jong Un mit einem derartig unzuverlässigen Kandidaten einen Deal eingehen? Und wenn doch, dürfte er den Preis sehr hoch ansetzen. Denn Kim weiß, dass Trump, die USA und der Rest der Welt vieles gebrauchen können - aber nicht zwei Atomkonflikte gleichzeitig.

Was hat das mit "America First" zu tun?

Mutmaßlich blitzt hier und da auch Freude über das Ende des mühselig über viele Jahre verhandelten Nuklearabkommens auf. Die Donald Trump treu ergebene Anhängerschaft wird zufrieden registrieren, dass ihr US-Präsident ein weiteres Wahlversprechen erfüllt. Die hartgesottenen Falken auf allen Seiten, etwa Irans Oberster Führer Ali Chamenei, US-Außenminister Mike Pompeo oder Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bekommen endlich wieder die Gelegenheit, sich zu balgen. Donald Trump setzt alles dran, um aus "America first" "America alone" zu machen.