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Pandemie Donald Trumps bizarre Logik: Ohne Tests hätten die USA keine Corona-Fälle

Sehen Sie im Video: Notärztin in den USA zum Coronavirus – "Das, wovor wir Angst hatten, passiert jetzt". Die Zahl der bekannten Neuinfektionen mit dem Coronavirus ist in den USA auf einen Rekordwert gestiegen. Am Donnerstag zählte die Nachrichtenagentur Reuters fast 40.000 neue Fälle. Viele Bundesstaaten meldeten Rekordanstiege, unter ihnen auch Kalifornien, wo manche Krankenhäuser an die Grenze ihrer Aufnahmefähigkeiten gelangen. Diese Notärztin sagt, es seien vor allem jüngere und mittelalte Menschen, die sie nun behandeln muss. O-TON ANGELIQUE CAMPEN, NOTÄRZTIN: "Das sind die Leute, die an den Demonstrationen teilgenommen haben und auch diejenigen, die nicht zu Hause bleiben konnten, weil sie Arbeiten gehen mussten. Das ganze geht ja schon viele Monate. Möglicherweise haben sie sich in Sicherheit gewogen und nicht darauf geachtet, sich zu schützen. […] Das, wovor wir Angst hatten, passiert jetzt. Den Leuten, die erst leicht erkrankt waren, geht es jetzt sehr schlecht, sodass sie ins Krankenhaus kommen." In den vergangenen Wochen waren in vielen Städten Hunderttausende Menschen auf die Straße gegangen, um gegen Rassismus und Polizeigewalt zu demonstrieren. Außerdem hatten viele Bundesstaaten die Einschränkungen des öffentlichen Lebens trotz steigender Infektionszahlen wieder gelockert. Mehrere Staaten haben nun angekündigt, die Einschränkungen vorerst weiter inkraft zu lassen.
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Aus den USA werden aktuell jeden Tag neue Infektions-Höchstwerte vermeldet. Allein am Donnerstag wurden 40.000 neue Infizierte registriert. Doch Donald Trump spielt die Gefahr herunter. 

US-Präsident Donald Trump hat die wieder dramatisch ansteigende Zahl von Coronavirus-Infektionen in den USA heruntergespielt. "Wenn wir nicht testen würden, hätten wir keine Fälle", sagte Trump in einem am Donnerstagabend (Ortszeit) ausgestrahlten Interview des Senders Fox News. Die USA hätten bislang rund 30 Millionen Menschen auf das Virus getestet, mehr als jedes andere Land der Welt. Trumps Einschätzung zufolge geht darauf die hohe Zahl der nachgewiesenen Infektionen in den USA zurück. 

Die meisten renommierten Experten lehnen Trumps Erklärung ab, wonach die Zunahme der Infektionen vor allem auf eine Zunahme von Tests zurückzuführen sein soll. Sie machen in erster Linie die von Trump vorangetriebene Lockerung von Corona-Beschränkungen in den Bundesstaaten verantwortlich. 

Corona-Zahlen schießen in die Höhe 

Nach Daten der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore haben die USA zuletzt rund 35.000 neue Infektionen pro Tag verzeichnet - annähernd so viele wie beim Höhepunkt der Krise im April. Danach hatte die Zahl abgenommen, bevor sie in diesem Monat wieder in die Höhe schoss. Inzwischen verzeichnen rund die Hälfte der US-Bundesstaaten eine Zunahme von Fällen. 

Laut der "Washington Post" hat die Infektionszahl am Donnerstag einen neuen Höchststand erreicht. Demnach wurden mindestens 39.327 Fällen registriert. Die Zeitung beruft sich dabei auf Angaben aus den Gesundheitsbehörden der einzelnen Bundesstaaten. 

US-Präsident Donald Trump bei einem Auftritt in Wisconsin
US-Präsident Donald Trump bei einem Auftritt in Wisconsin: Die wieder dramatisch ansteigende Zahl von Coronavirus-Infektionen in den USA spielt er herunter.
© Saul Loeb / AFP

Donald Trump bangt um Wirtschaft 

Trump wirbt dennoch für eine rasche Wiedereröffnung der Wirtschaft. Er will - auch mit Blick auf die Wahl im November - möglichst schnell zur Normalität zurückkehren. Seiner Darstellung zufolge ist das Coronavirus dabei, nach und nach aus den USA zu verschwinden. 

Sehen Sie im Video: Zwei weitere Trump-Wahlkampfhelfer positiv auf Coronavirus getestet. Nach dem Auftritt von US-Präsident Donald Trump in Tulsa im US-Bundesstaat Oklahoma am Samstag sind zwei weitere Mitglieder seines Wahlkampfteams nun positiv auf das Coronavirus getestet worden. Beide hätten an der Veranstaltung teilgenommen, sagt ein Sprecher. Allerdings hätten sie während der ganzen Zeit Masken getragen. Stunden vor dem Auftritt Trumps hatte sein Team bereits sechs positive Tests unter den Mitarbeitern bekanntgegeben. Während der Wahlkampfveranstaltung selbst forderte Trump weniger Tests in den USA. Und das nachdem mehrere Bundesstaaten, wie Texas, Arizona und Florida neue Rekord-Infektionszahlen gemeldet hatten. TRUMP (20. Juni 2020) "Je mehr man testet, desto mehr positive Fälle findet man. Also habe ich zu meinen Leuten gesagt, bitte macht weniger Tests." Am Montag wurde Trump im Weißen Haus von Journalisten gefragt, ob er wirklich weniger Tests angeordnet habe. TRUMP: "Wenn es sich verlangsamt hat, dann sind wir uns selbst voraus ... Der Grund, warum wir mehr Fälle haben, ist weil wir mehr Tests durchführen." Das Weiße Haus musste nach Trumps Wahlkampfveranstaltung am Wochenende in Tulsa erhebliche Schadensbegrenzungen vornehmen. Seine Rede enthielt nicht nur seine Bemerkungen zu Tests, sondern nun muss man auch erklären, warum die Arena trotz der Karten-Reservierungen von etwa einer Million Gästen teilweise leer blieb. Es wird vermutet, dass die Kundgebung Opfer von TikTok-Nutzern geworden sein könnte, die Karten buchten ohne hinzugehen.
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Die Daten stützen das nicht. Der Gouverneur von Texas, Greg Abbott, kündigte erst am Donnerstag an, die Schritte zur Wiedereröffnung des Bundesstaats würden wegen der dramatisch steigenden Fallzahlen ausgesetzt. Abbott gehört wie Trump der Republikanischen Partei an

ivi DPA

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