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Reaktionen auf jüngstes Video: Republikaner über Trump-Wahlspot: "Schlimmstes Gift, das unser Land seit Jahrzehnten befallen hat"

Der rassistische Wahlspot, den Donald Trump auf Twitter verbreitet hat, stößt weltweit auf Entsetzen. Gedankenlosigkeit unterstellt kein Beobachter dem US-Präsidenten, im Gegenteil - Reaktionen und Pressestimmen.

Wer häufiger das Gefühl hat, unter Donald Trump im Weißen Haus würden die eher düsteren Seiten der 80er Jahre ein Comeback erleben, dürfte sich mit einem neuen, rassistischen Wahlwerbespot bestätigt sehen. Der Präsident persönlich hat ihn auf Twitter verbreitet. In dem eine Minute langen Spot wird gezeigt, wie der Doppelmörder und illegal aus Mexiko eingereiste Luis Bracamontes vor Gericht sitzt, Zeugen bedroht und sich über seine Opfer lustig macht. Dazu sind die Sätze zu lesen: "Die Demokraten haben ihn ins Land gelassen" und "Die Demokraten haben ihn hier gelassen". Die Nachricht des Videos ist eindeutig: Einwanderer sind Mörder und wer Demokraten wählt, holt Mörder ins Land.

Ähnliche Empörung wie vor 30 Jahren

Die Empörung über die Wahlwerbung ist groß und viele Menschen fühlen sich an einen ähnlichen Kampagnenspot von vor 30 Jahren erinnert. 1988 hatten Unterstützer des damaligen republikanischen Präsidentschaftskandidaten George H.W. Bush ein Video über den Fall von Willie Horton produzieren lassen. Horton war ein verurteilter Mörder, der in Massachusetts, wo Bush demokratischer Gegenkandidat Michael Dukakis Gouverneur war, seine Teilnahme an einem Freigängerprogramm zur Flucht nutzte und anschließend eine Frau vergewaltigte. Die Wahlwerbung gilt als rassistisch, da sie mit Stereotypen über Afroamerikaner spielte.

Das US-Magazin "Esquire" bezieht sich in einem kurzen Beitrag ebenfalls auf den alten Vorfall und schreibt über das neue Video: "Das ist offenkundig die rassistischste politische Werbung seit dem Willie-Horton-Clip und diese hier ist noch viel fürchterlicher, da sie bereits von zwei Millionen Menschen angeschaut wurde. Die Medienlandschaft hat sich mächtig geändert und die Horton-Werbung lief damals auf Bezahlsendern, die sich noch im Embryonenstadium befanden. Aber Quelle dieser neuen Jauche reicht weit in die Geschichte der Republik zurück. Gott helfe uns, wenn diese Werbung funktioniert."

Trump reizt Wahlkampfgesetze aus 

Der Sender ABC weist auf ein weiteres Problem des Videos hin:

"Mit dem umstrittenen Video testet Präsident Donald Trump die Grenzen der Kampagnenfinanzierung aus. Denn anders als andere Werbeclips wird hier nirgendwo erwähnt, wer dafür gezahlt hat. Wahlfinanzierungsexperten sagen, dadurch, dass Trump die Verbreitung auf seine Social-Media-Kanäle beschränke, habe er vielleicht eine Lücke im Gesetz gefunden, das eigentlich vorsieht, die Wähler wissen zu lassen, welche Sponsoren hinter der Werbung stecken."

Jeff Flake, Republikaner und Trump-Kritiker:

"Diese Wahlwerbung ist widerlich. Jeder Republikaner sollte sie verurteilen."

Harsche Worte von Ex-Republikaner-Chef

Auch andere konservative Politiker verurteilen das Video: Die deutlichsten Worte hat Al Cardenas gefunden, ehemaliger Vorsitzender der Partei in Florida: Auf Twitter schrieb er: "Du bist ein verabscheuungswürdiger Spalter. Das schlimmste soziale Gift, das unser Land seit Jahrzehnten befallen hat. Diese Werbung und deine Zustimmung dazu werden dich und dein verlogenes Erbe für immer in den Annalen der amerikanischen Geschichtsbücher verurteilen." Cardenas hat den Tweet mittlerweile gelöscht. Bob Corker, der wie Jeff Flake nicht zur Wiederwahl ansteht, erklärte, das Video diene allein dem Zweck, Trumps Basis "auf Touren zu bringen". Ryan Costello aus Pennsylvania meint, diese Werbung wie überhaupt der Ton von Donald Trump generell mache ihn "nicht glücklich". Carlos Curbelo aus Florida sagte CNN: "Das ist ganz sicher Teil einer Strategie, die auf Spaltung ausgelegt ist – so wie es der Präsident bereits in der Vergangenheit getan hat."

"La Repubblica" aus Italien erkennt das gleiche Muster:

"Sein Instinkt sagt ihm, dass er ein Interesse daran hat, das Thema Einwanderung hochzuspielen, um die eigene Basis zu vereinen und zu motivieren, um die letzten unentschiedenen Wähler einzusammeln. Aber es geht nicht darum, inwieweit angekündigte Reformen umsetzbar sind oder was von diesen Versprechen nach der Wahl am 6. November übrig bleibt. Trump, der instinktiv spielt, interessiert nur, in diesen letzten Tagen die öffentliche Debatte zu dominieren, die Agenda der Medien zu diktieren."

Auch die "Washington Post" glaubt nicht an eine Form von Gedankenlosigkeit:

"Trumps neuer Einwanderungsspot wurde bereits als rassistisch geplant, basiert zudem auf falschen Voraussetzungen und macht erschreckend deutlich, wie tief die Republikaner gesunken sind. Ich werde nicht auf dieses Video verlinken."

Rächt sich Trumps Kurs?

Das US-Magazin "The Atlantic" glaubt, dass sich Trumps Kurs noch rächen könnte:

"Wenige Tage vor der Wahl herrscht Panik im Weißen Haus. Präsident Donald Trump scheint alles zu unternehmen, um in den News präsent zu sein und versucht die Wähler mit harschen fremdenfeindlichen Reden anzusprechen. Mangels eines Gegners wie einst Hillary Clinton bleibt ihm eigentlich nur das Thema Einwanderung. Das mag nach Verzweifelung klingen, könnte aber funktionieren. Allein: Angesprochen fühlen dürften sich nur seine strammsten Anhänger – gleichzeitig verpasst es Trump, seine Politik für andere Gruppen zu öffnen, die er aber in Zukunft brauchen wird.

"Handelsblatt": Trump liefert

"Kurz vor den Kongresswahlen, die auch ein Referendum über Trump sind, entfesselt der Präsident einen Aufruhr. Er ist der erste Präsident in der jüngeren amerikanischen Geschichte, der es nicht als seinen Job betrachtet, das Land in einer Phase höchster Anspannung zu beruhigen. 'Not my business', signalisiert der frühere Geschäftsmann. Im Mittelpunkt seiner Attacken stehen Flüchtlinge, Medien und politische Gegner, die in seinen Reden zu Verbrechern, Volksfeinden und Abschaum werden. Im Endspurt tourt Trump durch republikanisch regierte Bundesstaaten, hier schlägt ihm die Hitze der Begeisterung entgegen, hier gibt es kaum Proteste vor den Hallen. Seine treuesten Anhänger verlangen Aufruhr. Und Trump liefert."

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nik mit DPA