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Ex-Anwalt Michael Cohen: Der Mann, der alles über Donald Trump weiß, schießt auch gegen den Präsidenten

Bis zum April war er noch der Intimus des US-Präsidenten, doch dann kam erst das FBI und dann der Zweifel: Sein Ex-Anwalt und Ausputzer Michael Cohen wechselt die Seiten - sein Kommentar zum Helsinki-Gipfel dürfte Donald Trump nicht gefallen.

Michael Cohen und Donald Trump

Michael Cohen, ehemaliger Anwalt von Donald Trump, deutet an, dem Präsidenten den Rücken zu kehren. 

Getty Images / AFP

Bis vor wenigen Monaten noch galt der Anwalt noch als Ausputzer, als sein Mann für alle Fälle, als Präsidenten-Intimus, der womöglich mehr Geheimnisse des US-Präsidenten kennt, als dessen eigene Frau. Doch dann geriet Michael Cohen im April ins Visier des FBI - und scheint sich seitdem von seinem alten Weggefährten abzunabeln. Von seiner Heimatstadt New York aus, kommentierte er den größtenteils als Tiefpunkt empfundenen Trump-Putin in Helsinki – ohne den Namen des Staatsoberhaupts zu erwähnen.

Trumps Ex-Anwalt zählt auf Geheimdienste

"Wie ich schon zu (ABC-Moderator) Stephanopoulos sagte, respektiere ich unsere Geheimdienste, die festgestellt haben, das sich tatsächlich in unseren demokratischen Prozess eingemischt hat. Ich verwahre mich gegen dieses Streben Russlands und fordere alle Amerikaner ebenfalls dazu auf", so Cohen auf Twitter.

Mit seinem Tweet spielt der Jurist auf die umstrittenen Äußerungen Trumps in an. Der US-Präsident hatte gesagt, er vertraue den Geheimdiensten, sehe aber nach seinem Gespräch mit Wladimir Putin keinen Grund, warum Russland sich hätte in die US-Präsidentenwahl einmischen sollen. Zudem bezeichnete er die Ermittlungen gegen sein Wahlkampfteam als "Hexenjagd". In anderen Worten: Der Präsident der Vereinigten Staaten glaubt dem Staatschef einer den USA nicht wohlgesinnten Macht mehr, als seinen eignen Leuten. Diese Aussage stieß auch Trump-freundlichen Kommentatoren sauer auf - so sehr, dass Trump sie zurückziehen musste.

Cohen scheint die Seite gewechselt zu haben

Mit seinem Tweet scheint Cohen andeuten zu wollen, dass er die Seiten gewechselt hat - was für Donald Trump möglicherweise unangenehme Folgen haben könnte. New Yorker Bundesanwälte ermitteln gegen ihn wegen des Verdachts auf illegale Geschäftspraktiken. Cohen geriet in den medialen Fokus, als er zugeben musste, dass über sein Büro Schweigegeld an die ehemalige Pornodarstellerin Stormy Daniels gezahlt wurde. Damit sollte eine Affäre mit Donald Trump verheimlicht werden. Die Zahlung könnte ein Verstoß gegen Wahlkampffinanzierungsgesetze sein. Privaträume wurden vom FBI durchsucht.

Cohen hatte rund zehn Jahre lang für Trump gearbeitet und galt als "Fixer" - also der Mann, der hinter den Kulissen unangenehme Angelegenheiten bereinigte. Der Anwalt verfügt mutmaßlich über eine Fülle von Intimkenntnissen aus Trumps Privatleben und seinen geschäftlichen wie politischen Aktivitäten. Möglicherweise auch über Beziehungen zu Russland. Wegen des massiven juristischen Drucks war er zuletzt auf Distanz zum US-Präsidenten gegangen. "Um glasklar zu sein: Meine oberste Loyalität gehört meiner Frau, meiner Tochter und meinem Sohn, und diesem Land", sagte er.

Im Video: "Trumps persönlicher Pitbull – wer ist Michael Cohen?"

nik