VG-Wort Pixel

Faktencheck der "Washington Post" Donald Trumps Lügenkurve steigt in atemberaubendem Tempo an

Sarah Sanders hält eine Pressekonferenz im Weißen Haus
Pressekonferenzen im Weißen Haus werden immer seltener.


Die bis dato letzte offizielle Pressekonferenz fand am 18. Dezember 2018 statt.


Seitdem hat Donald Trumps Pressesprecherin Sarah Sanders kein Wort verloren – trotz des längsten Regierungsstillstands in der amerikanischen Geschichte.


Betrifft der "Shutdown" auch die Pressekonferenzen im Weißen Haus? Nein. Zwischen September und November steht Sanders insgesamt viermal vor den Medien.


Der US-Präsident erklärt auf Twitter, warum Sanders sich nur noch selten den Fragen der Journalisten stellt.


"Die Medien berichten rüde und inkorrekt über ihre Äußerungen, insbesondere manche Journalisten. Ich habe ihr gesagt, sie sollte sich nicht darum kümmern. Die Botschaft des Weißen Hauses geht so oder so an die Öffentlichkeit."


Trump und seine Berater argumentieren, dass der US-Präsident häufiger mit den Medien kommuniziere als seine Vorgänger. Und sie haben Recht:


Dem unparteiischen "White House Transition Project" zufolge gibt Trump vom Start seiner Amtszeit bis zum 10. Januar dieses Jahres insgesamt 577 Interviews und Pressekonferenzen.


Barack Obama und George W. Bush stellten sich in einem ähnlichen Zeitraum weniger als 400 Mal den direkten Fragen von Journalisten.


Doch viele dieser Interviews finden am Rande eines Termins oder vor dem Einstieg in den Präsidentenhubschrauber statt.


Trump hat bei diesen weniger offiziellen Treffen mit Medienvertretern viel mehr Spielraum, es nicht ganz so genau mit den Fakten zu nehmen.


Was er den "Fake News" vorwirft, trifft dabei vor allem auf den Präsidenten selbst zu.


Laut der "Washington Post" äußert sich Donald Trump im Jahr 2018 knapp 5700 Mal falsch oder irreführend.


Ohne regelmäßige Pressekonferenzen hat Trump mehr Einfluss auf seine Botschaften.


Er gibt die Themen und den Ton an.


Dass Journalisten nun seltener Gelegenheit haben, Sanders bei einer Pressekonferenz zu konfrontieren, stuft Oliver Knox, der Präsident der Vereinigung der Korrespondenten des Weißen Hauses, als gefährlich ein.


"Obwohl es andere Wege gibt, an Information heranzukommen, unterstreichen die Pressekonferenzen im Weißen Haus, dass in einer gesunden Demokratie niemand vor kritischen Fragen verschont bleibt. Dieser Rückzug aus Transparenz und Rechenschaftspflicht stellt einen furchtbaren Präzedenzfall dar."


Selbst wenn Trump zukünftig Pressekonferenzen hält, haben sich die Bedingungen für kritischen Journalismus im Weißen Haus erschwert.


CNN zufolge dürfen die Korrespondenten dem Präsidenten nur nach expliziter Erlaubnis mehr als eine Frage stellen.


Verstöße können mit dem Entzug der Akkreditierung geahndet werden.


Bevor Donald Trump Präsident wurde, waren Folgefragen üblich und wurden nicht geahndet. 
Mehr
Seit Donald Trump US-Präsident wurde, überprüft die "Washington Post" per Fact Checker den Wahrheitsgehalt seiner Aussagen. Nach der Hälfte von Trumps Amtszeit hat das Blatt eine Zwischenbilanz gezogen - mit erschreckendem Ergebnis. 

Donald Trump lügt. Das ist leider keine Neuigkeit und deshalb eigentlich auch keine Nachricht wert. Überraschend - wenn nicht gar schockierend - ist aber, wie rasant die Anzahl an Falschaussagen des US-Präsidenten im Laufe seiner Amtszeit angestiegen ist. Zwei Jahre nach Ablegung des Amtseides hat Trump, Stand 20. Januar, 8.158 falsche oder irreführende Behauptungen auf seinem präsidentiellen Lügenkonto angesammelt, wie die "Washington Post" berichtet, die im Internet einen Fakten-Checker betreibt. Das beeinhalte erstaunliche mehr als 6000 derartige Aussagen allein im zweiten Jahr seiner Regierungszeit.

In seinem ersten Jahr im Weißen Haus hat Trump demnach durchschnittlich 5,9 Mal am Tag versucht, die US-Bürger zu täuschen. In seinem zweiten Jahr habe sich die Zahl fast verdreifacht auf durchschnittlich 16,5 Falschaussagen pro Tag.

"Glauben Sie nicht den Mist von den Fake News"

Trump werde immer mutiger und williger, Fakten zu verbiegen oder völlig falsch darzustellen, damit sie in seine gewünschte Weltanschauung passen, kommentiert der US-Sender CNN die Ergebnisse der "Washington Post". Während sich die objektiven Fakten weiter gegen ihn wendeten, ziehe sich der Präsident mehr und mehr in seine eigene Welt zurück und fordere seine Anhänger auf, alles zu ignorieren, außer dem, was er sagt.

US-Präsident Donald Trump
"Was Sie sehen und was Sie lesen, ist nicht das, was geschieht", behauptet US-Präsident Donald Trump
© Jim Watson / AFP

"Halten Sie sich an uns. Glauben Sie nicht den Mist, den Sie von diesen Leuten sehen, den Fake News," ermahnte Trump demnach im vergangenen Sommer bei einer Rede in Kansas City eine Gruppe von Veteranen. "Was Sie sehen und was Sie lesen, ist nicht das, was geschieht."

Seine Falschaussagen wiederholt Trump häufig Dutzende Male - meist via Twitter -  "bis er die Leute davon überzeugt hat, dass er Recht hat", wie CNN schreibt.

So hat der Republikaner dem Fact Checker zufolge 192 Mal behauptet, dass die Untersuchungen in der Russland-Affäre durch Sonderermittler Robert Mueller ein von den oppositionellen Demokraten kreierter Schwindel seien - obwohl Mueller von Trumps eigenem Justizministerium als Sonderermittler eingesetzt wurde.

Trump hat laut "Washington Post" außerdem 127 Mal die falsche Aussage wiederholt, die im Jahr 2017 von den Republikanern verabschiedete Steuersenkung sei die größte in der US-Geschichte. Und 126 Mal erklärte Trump fälschlicher Weise, die Vereinigten Staaten würden aufgrund von Handelsdefiziten Geld verlieren.

Einwanderung ist Donald Trumps Lügen-Favorit

Die mit Abstand meisten Lügen und irreführenden Behauptungen verbreitet der US-Präsident laut "Washington Post" beim Thema Einwanderung (1433). Auf Platz zwei liegen demnach Falschaussagen über die Außenpolitik (900), gefolgt von den Bereichen Wirtschaft (790) und Arbeitsplätze (755). 899 Lügen gehörten zur Kategorie Verschiedenes, darunter Attacken gegen die Medien oder Leute, die Trump als Feinde ansieht.

In den zwei Jahren, in denen die Zeitung jetzt bereits Trumps öffentliche Aussagen auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüft, habe es lediglich 82 Tage gegeben, an denen sie keine Falschbehauptungen festgestellt habe, berichtet die "Washington Post". Häufig seien das Tage gewesen, an denen Trump Golf gespielt habe.

Quellen: "Washington Post", CNN


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker