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Trump im zweiten TV-Duell: Das Vulgär-Video? Ach, nur ein "Locker-Room-Talk"

Donald Trump war nicht in der Lage, sich zu entschuldigen. So wurde die zweite Debatte für ihn am Ende zu einer Niederlage.

Donald Trump

Donald Trump tut den Skandal um sein Vulgär-Video als "Locker-Room-Talk" ab

Es war ein beschämendes Schauspiel. Donald Trump will Präsident der USA werden. Vor drei Tagen wurde ein Tonband von ihm öffentlich, auf dem er sich brüstet, Frauen ohne ihr Einverständnis zu küssen und dass er sie an ihrer "Pussy packen" könne. Er könne sich das alles erlauben, denn er sei ja prominent. In vielen Staaten der USA erfüllen die von Trump beschriebenen Handlungen den Tatbestand der sexuellen Belästigung.

Am Sonntagabend wäre nun bei der zweiten Debatte mit seiner Kontrahentin Hillary Clinton seine Chance gewesen, sich für seine abstoßenden und Frauen verachtenden Sätze aufrichtig zu entschuldigen. Ungeschehen machen kann er sie nicht. Aber er hätte wenigstens Demut zeigen können. Um so zu retten, was noch zu retten war. In den letzten Tagen hatten sich unzählige Republikaner von Trump distanziert und ihre Unterstützung zurück gezogen. Viele gaben die Wahl als verloren auf.

Donald Trump: "Ich werde ISIS wegbomben"

Aber was tut der Milliardär, der vor ein paar Monaten von sich sagte, er könne auf der Fifth Avenue einen Menschen erschießen, er käme damit davon? Er spielte seine Worte herunter. Er nannte es "Locker-Room-Talk", Gerede in der Umkleide der Sporthalle also. Und obwohl das Band derzeit im amerikanischen Fernsehen rauf und runter läuft, hat er auch noch die Chuzpe live und vor Millionen von Zuschauern zu erklären: "Ich habe das nicht gesagt. Ich bin nicht stolz auf meine Äußerungen. Aber ich werde ISIS wegbomben." Und wechselte damit einfach zum nächsten Thema. Zwei Sätze, eine Lüge und zack, weg damit.

Die Niveaulosigkeit auf die Donald Trump den Wahlkampf in den USA gezogen hat, ist unfassbar. Zahlreiche Kommentatoren nannten die Lage in den letzten Tagen "historisch", und sie meinten es nicht als Lob. Als eigentlich alle glaubten, es ginge nicht mehr tiefer, zerrte Trump knapp zwei Stunden vor der Debatte, drei Frauen für eine Pressekonferenz in die Öffentlichkeit, die den ehemaligen Präsidenten Bill Clinton seit Jahren der sexuellen Belästigung und Vergewaltigung bezichtigten. Er spielte sich zum Advokaten der Frauen auf, dabei benutzte er sie nur. Er wollte Dreck werfen, eine maximalen Effekt erzielen. Sich an Hillary Clinton rächen, von der seine Kampagne denkt, sie stecke hinter den Bändern. Es ging Trump nicht um die Frauen und ihr Schicksal. Es ging ihm auch nicht um die Wahrheit. Es ging ihm einzig und alleine um sich selbst. Es war sein schäbiger Versuch, seine Haut zu retten.

Seht her, Bill Clinton ist genauso schlimm wie ich

Er wollte den Effekt, er wollte Hillary Clinton kurz bevor sie auf die Bühne trat verunsichern. Er wollte sie nervös machen. Aber was er wirklich sagte: Seht her, Bill Clinton ist genauso schlimm wie ich. Ein hundsgemeiner Charakter. Dabei vergaß er vor allem aber eines: Nicht Bill Clinton, sondern Hillary Clinton steht zur Wahl. Nicht sie war Täter, sondern ihr Mann.

Die ersten 45 Minuten der Debatte waren schwer anzuschauen. Wie dieser 70-Jährige sich rausredete. Wie er davon sprach, ein neuer Mann zu sein. Als die Bänder 2005 aufgenommen wurden, war er kein Teenager, sondern ein 59-Jähriger. Jetzt schreckte er nicht davor zurück, eiskalt und nur auf seinen Vorteil bedacht zu lügen. So geschehen, als er Mitte der Debatte sagte, Hillary Clinton habe das 12-jährige Opfer einer Vergewaltigung während eines Prozesses bei dem sie die Pflichtverteidigerin war, ausgelacht. Dieser Vorwurf war schlichtweg falsch und infam.

Vor zehn Tagen, nach der ersten Debatte, hatte er sich noch gebrüstet, keine Schlammschlacht über das Sexleben von Bill Clinton angezettelt zu haben. Aus Respekt vor dessen Tochter Chelsea, die damals unter den Zuschauern war. Am Sonntag galt das nun nicht mehr. Auf Trumps Einladung hin, saßen die Bill Clinton Anklägerinnen während der Debatte mit im Saal. Nur wenige Reihen hinter Chelsea Clinton, die neben ihrem Vater Platz genommen hatte. Sie musste mit anhören, wie Trump davon sprach, dass sein Vergehen ja "nur Worte" gewesen seien und Bill Clinton ein wirklicher Täter sei.

Clinton verweigert Trump den Begrüßungshandschlag

Donald Trump ist mit vielem davon gekommen in den letzten Monaten. Wird die Taktik auch diesmal funktionieren? Täuschen, tarnen, verleugnen, einfach weiter reden? Seine explizite Beschreibung eines Sexualverbrechens zu "Locker-Room-Talk" um zu texten, kann bei seiner Kern-Anhängerschaft ankommen. Sie noch enger um ihn scharren. Aber schon während der Debatte gab es viel Kritik an den Verharmlosungsversuchen des Präsidentschaftskandidaten. Viele Frauen teilten online Geschichten davon, wie sie Opfer von sexuellen Angriffen wurden. Der amerikanische Major League Fußballer Robbie Rogers schrieb auf Twitter: "Ich fühle mich von Donald Trump beleidigt, weil er uns Sportler als Ausrede für seinen Locker Room Talk nimmt."

Und die britische Autorin J.K Rowling schrieb in Anlehnung an ein Trump Zitat: "Trump sagt 'nur Worte, Leute.' Es ist sein Angriff und seine Verteidigung. Worte zählen nicht. Fakten zählen nicht. Wenn das so ist, sind wir alle verloren." 

Hillary Clintons Strategie, die übrigens Trump den Begrüßungshandschlag verweigerte, war auch schnell klar. Ruhe bewahren, so wenig wie möglich anklagen. Donald Trump wird sich schon selbst erledigen. Ja, das funktionierte auch. Zum Beispiel, als Trump sagte: Ich weiß nichts über Russland. Oder: Wie dumm ist unser Land? Er redete da von den Vereinigten Staaten von Amerika, deren Präsident er werden möchte.

Im Internet entstand übrigens schnell ein Hype darum, wie ungelenk sich Trump auf der Bühne bewegte. Er wirkte angeschlagen und lief hölzern auf und ab. Schniefte schon wieder den ganzen Abend rum. Dass er dabei immer wieder regelrecht hinter der um einige Zentimeter kleineren Hillary Clinton lauerte, ließ ihn wirken, als könne er die jederzeit angreifen. Da war er also, der alte Bully. Online brachte ihm das bald den Titel "Stalker" ein.

Clinton schafft es nicht, den Sack zuzumachen

Es hätte ein triumphaler Abend für die Clinton Kampagne werden können. Viele hatten insgeheim darauf gehofft, die nicht sonderlich beliebte Kandidatin könne endlich den Sack zumachen. Es war ein Elfmeter für sie. Aber sie hat ihn nicht verwandelt. Nachdem das Sex-Thema abgehandelt war, ließ sie sich von Trump immer wieder unter Druck setzen. Ging es um ihre Emails, Syrien oder Benghazi hatte sie einfach keine guten Antworten parat. Ihr fehlte die Leichtigkeit und Schlagfertigkeit der ersten Debatte. Wie es sein kann, dass Clinton nach so vielen Monaten Diskussion bei einer Frage nach ihren gelöschten Emails noch immer ins Stottern und Schlingern gerät, ist kaum zu begreifen.

Und anders als an der Hofstra University Ende September gelangen ihr kaum Wirkungstreffer. Es gelang ihr nur selten, die vielen, vielen Lügen von Donald Trump effektiv aufzudecken. Auf einer kleinen Pressekonferenz nach der Debatte sagte sie, sie sei erschüttert von den zahlreichen falschen Aussagen ihres Kontrahenten. Auf der Bühne schaffte sie es nicht, diesen Punkt zu machen. Trump unterbrach sie insgesamt 18 Mal. Sie ihn nicht einmal.

Das feige Rausreden eines alten Mannes

Dass sie trotzdem am 8. November zur ersten Präsidentin gewählt werden könnte, hat sie Donald Trump zu verdanken. Und seiner Weigerung sich zu entschuldigen, seiner Uneinsichtigkeit. Die überstrahlte nämlich am Ende die gesamte Debatte. Dieses feige Rausreden eines alten Mannes, der seine schwangere Frau Melania in der Vergangenheit öffentlich ein "Monster" nannte und einem Moderator in einem Interview erlaubte, seine Tochter Ivanka "ein Stück Arsch" zu nennen. Dieser Mann ist einfach abstoßend. "Ein Schwein", nannte ihn gerade Hollywood Ikone Robert De Niro.

Robert De Niro würde Donald Trump gerne ins Gesicht schlagen


Seit Freitag hatte sich Donald Trump in seinem Tower in New York mit seinen engsten Vertrauten und Beratern eingebunkert. Das war ein großer Fehler. Denn Roger Aisles mit dem Trump sich für die Debatte vorbereitet, wurde gerade als Chef des Fernsehsenders Fox News abgesetzt, weil er über viele Jahre zahlreiche Frauen sexuell belästigt hat. Vielleicht hätte er besser seine Frau Melania um Rat fragen sollen.