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Donald Trump: So ticken die jungen Anhänger des US-Präsidenten

Was treibt Studenten in den USA dazu, dem neuen Präsidenten Donald Trump zuzujubeln? Ein Ausflug in die Gedankenwelt der revolutionären Jugend Amerikas.

Von Stefan Schmitz, Washington

Donald Trump redet auf der Konservativenkonferenz CPAC - Viele junge Amerikaner sind begeistert

Heimspiel auf der Konferenz der US-Konservativen CPAC: Nicht nur hier begeistert der US-Präsident auch junge Amerikaner.

Mit 22 Jahren ist Joseph der älteste der drei Trump-Anhänger. Luke ist 20, Julia gerade 17. "USA, USA", skandieren sie, als Amerikas neuer Präsident auf der Konservativenkonferenz CPAC den Bau einer "großen, großen Grenzmauer" zu Mexiko verspricht. Die Aktivisten im Gaylord-Kongresszentrum südlich von Washington nennt Trump seine "Freunde". Darunter sind auffallend viele Junge. Aber warum hängen die an den Lippen des Alten?

Luke, der in der Hauptstadt Politik studiert, erzählt, dass er sich mittlerweile überlege, ob er in Seminaren seine Meinung sage. "Ich habe Sorge, dann mit schlechten Noten bestraft zu werden." Oft halte er den Mund. Joseph aus New York, auch er Politikstudent, hat schon erfahren, dass er zum Schweigen gebracht wurde, wenn er seine Argumente vorbrachte, die mit denen des Präsidenten ziemlich deckungsgleich sind. "Sie wollen diese Dinge nicht hören", sagt er über seine Professoren. In düstersten Farben malt er das – offenbar durch Berichte rechter Medien gestützte - Bild einer Repression von links. Mit Brüllereien und Schlägereien an Universitäten, mit so ziemlich jeder Form von Gewalt. "Das erinnert mich an die Braunhemden in Deutschland." Da nickt Julia, die Jüngste und noch Schülerin. Auch sie kenne das Gefühl, auf Ignoranz und Ablehnung zu treffen.

Donald Trump steht für eine völlig andere Rebellion

Was Joseph, Luke und Julia sagen, erinnert auf verstörende Art an das, was vor 50 Jahren linke Studenten gegen eine verknöcherte Gesellschaft aufgebracht hat. Donald Trump ist natürlich nicht Che Guevara. Die Rebellion ist eine völlig andere, aber das Gefühl, das sie befeuert, nicht ganz neu. Die drei jungen Trump-Fans sehen sich in einem Kampf gegen die Autoritäten, gegen den Muff unter den Pullovern der liberalen Professoren, gegen das Establishment – und dafür, die Verhältnisse endlich zum Tanzen zu bringen.

Alle drei mussten einen weiten Weg zurücklegen, bis sie Trump so vorbehaltlos wie am Freitag huldigen konnten. Joseph ist Katholik und strikt gegen Abtreibungen. Aber wie passt der Macho und Grabscher Trump dann in sein Weltbild? "Ich bin bereit zu vergeben, wenn sich jemand ändern will", sagt er. Er schätze die Aufrichtigkeit, mit der Trump zu Verfehlungen stehe. Luke war eigentlich zunächst für Trumps parteiinternen Konkurrenten Marco Rubio. Er nennt sich einen Wirtschaftskonservativen. Und jetzt ist er plötzlich gegen freien Handel? Da referiert er, wie unfaire Handelsbeziehungen Amerika aussaugten. Es klingt wie die radikalen Breitbart-News. Auch Julia war zeitweise nur für Trump, um Hillary Clinton zu verhindern. "Aber jetzt bin ich aus vollem Herzen dabei."

Junge Trump Fans auf Konservativen-Kongress

Luke, Joseph und Julia auf der CPAC-Konferenz der US-Konservativen. Alle drei sind glühende Anhänger des neuen US-Präsidenten Donald Trump


Plötzlich wirken sie kalt, ohne Empathie

Sie reden noch eine Weile über illegale Einwanderer, die Amerikas Steuerzahler plünderten. Über die Notwendigkeit, sich jetzt erstmal um die eigenen Bürger zu kümmern. "Es ist wie im Flugzeug: Da muss man sich auch erst selbst die Sauerstoffmaske überziehen, bevor man anderen hilft", sagt Julia.

Plötzlich wirken sie merkwürdig kalt, frei von Empathie. Gar nicht mehr so verletzlich, wie kurz zuvor, als sie ihre Erlebnisse an Schule und Universität schilderten. Jetzt sind alle drei Teil einer starken Bewegung. Der Präsident ist einer der ihren. Das Establishment jault. Die Medien des alten Regimes sind unter Beschuss. Herrlich fanden sie die Rede. Und deren Echo wird nur von denen zu ihnen dringen, die das genauso sehen.

Die USA zerfallen in zwei Teile

Joseph ist es, der ganz am Ende des Gesprächs darauf hinweist, wie sehr sich die Einstellungen der Amerikaner auseinander bewegt hätten. Hin zu schwarz und weiß. Grautöne sind gerade nicht gefragt. So ist das, wenn Politik zum Kampf wird. Am gleichen Tag schließt Trump ihm nicht genehme Medien von einer Pressekonferenz im Weißen Haus aus. Das Land, so scheint es, zerfällt in zwei Teile, zwischen denen Sprachlosigkeit herrscht. Joseph, Luke und Julia müssen dringend wieder Kontakt zur anderen Seite aufnehmen – und die zu ihnen.