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US-Präsident: Wie Trump in sechs Monaten die Forschung ausbremste - und welche Folgen das hat

Donald Trump scheint die Forschung im Weg zu stehen. Gerade Naturwissenschaftlern macht seine Regierung das Leben schwer. Forscher retten ihre Studien, bevor die Regierung sie löschen lässt; Trump besetzt Ämter neu und streicht Gelder - mit weitreichenden Folgen.

Donald Trump

Donald Trump ist ein ungewöhnlich forschungsfeindlicher US-Präsident

Noch sind die USA der Hauptgeldgeber in der Aids-Forschung. Der weltweite Kampf gegen das HI-Virus wurde im Jahr 2016 etwa mit 4,9 Milliarden Dollar aus Washington finanziert. Wichtige Gelder, die viel bewirken konnten. Doch Donald Trump gedenkt nun, das zu ändern. Um eine Milliarde will Trump diese Investitionen der Aktivistengruppe Health Gap zufolge für das Budget 2018 kürzen.

Durch die wissenschaftliche Erkenntnisse in der Aids-Forschung in den vergangenen 30 Jahren haben mit dem HI-Virus infizierte Menschen in Behandlung inzwischen bereits eine Lebenserwartung, die an die eines gesunden Menschen heranreicht. Mehr als die Hälfte der weltweit 36,7 Millionen Infizierten werden laut der Internationalen Aids-Gesellschaft mit Medikamenten behandelt, die den Erreger eindämmen. Außerdem habe sich die Zahl der Todesfälle seit 2005 halbiert - auf nun noch eine Million im Jahr. Im kommenden Jahr gibt es für die Forschung aber erheblich weniger Geld, wenn es nach Trump geht.

Die Wissenschaft steht Trump im Weg

Der US-Präsident hat in den vergangenen Monaten viel getan, um Forschung zu verlangsamen, einzudämmen oder Berichterstattung über Ergebnisse aufzuhalten. Gleich nach seiner Amtsübernahme im Januar hatte Trump große Geschütze aufgefahren gegen Forscher, insbesondere Naturwissenschaftler. Die dürfen ihre Arbeiten nun nicht mehr ohne Weiteres publizieren, staatliche Gelder wurden gestrichen oder massiv gekürzt. Denn wissenschaftliche Erkenntnisse über den Klimawandel stehen der Politik der US-Regierung unter Trump bloß im Weg. Schließlich hat der US-Präsident seinem Volk und verbündeten Staaten große Versprechen gemacht und die lassen sich besser einhalten, wenn man die Auswirkungen auf die Umwelt außer Acht lässt.

Forschung steht still, Studien werden gestrichen

Was nicht prestigeträchtig ist, so scheint es, wird unter Trump nicht länger unterstützt; Grundlagenforschung, aus der nicht wöchentlich bahnbrechende Ergebnisse zu erwarten sind, liegt auf Eis, die staatliche Klima- und Umweltforschung ist faktisch tot, so klagen Wissenschaftler. Bereits geplante Studien werden schlicht gestrichen und Abteilungen aufgelöst, besonders bei der Umweltbehörde EPA und beim USGS, dem wichtigsten Institut der USA für Kartografie zur Untersuchung von Ressourcen und drohenden Naturkatastrophen.

Zudem kursieren in Fachkreisen Gerüchte darüber, dass unerwünschte Messergebnisse systematisch gelöscht werden, Forscher keinen Zugang mehr zu ihren eigenen Daten haben. Dazu, inwieweit die Gerüchte der Wahrheit entsprechen, wollte sich dem stern gegenüber keiner der kontaktierten Wissenschaftler äußern. Zumindest dürfen Ergebnisse aus der Forschung inzwischen nicht mehr einfach veröffentlicht werden. Eigentlich ist in der US-amerikanischen Verfassung klar Meinungs- und die Redefreiheit festgeschrieben. Darauf konnten sich auch Forscher berufen; doch Trumps neue Regelung hat deren Arbeit einschneidend verändert. Im Januar war verkündet worden, dass die staatliche Umweltbehörde EPA fortan angewiesen ist, wissenschaftliche Studien und Daten einer Überprüfung durch "politisches Personal" zu unterziehen, ehe sie veröffentlicht werden dürfen.

Seitdem verschwinden Informationen von den offiziellen Webseiten der Behörden, neue Informationen gibt es nicht mehr länger über die offiziellen Kanäle. Stattdessen verbreiten mehrere US-Behörden, die sich mit der Umwelt und dem Klima befassen, Informationen über den Klimawandel über soziale Medien. Bei Twitter wurden einige nicht autorisierte Ableger der Einrichtungen angelegt, die Bilder veröffentlichen, die den Klimawandel anschaulich machen. Die offiziellen Accounts stehen derweil weitgehend still. Die alternativen Accounts werden anonym geführt, erwecken dabei aber den Eindruck, als stünden die Mitarbeiter der Behörden dahinter, die in ihrer Freizeit Fakten verbreiten. So heißt es in einem Tweet eines der alternativen Accounts: "Ihr könnt unser offizielles Twitter übernehmen, aber Ihr könnt uns nicht unsere freie Zeit nehmen." Journalisten, die anfragen, wer hinter den Nachrichten steckt, bekommen keine Antwort. Denn die Betreiber müssen um ihre Jobs in den Behörden fürchten. "Regierungsangestellte haben große Angst, entlassen zu werden, wenn sie Fakten aussprechen oder teilen", schreibt ein Betreiber des inoffiziellen Ablegers der Nasa.

Gefährliche Menschen in wichtigen Ämtern

Wissenschaftler fürchten zudem einen Vormarsch von Kreationisten in den USA; Naturwissenschaftler haben es zunehmend schwer. Wichtige Ämter hat Trump bereits mit fragwürdigen Personen besetzt, die großen Schaden anrichten können.

So hat Trump ausgerechnet Scott Pruitt zum Chef der mächtigen US-Umweltbehörde EPA berufen: Ein Klimawandel-Skeptiker ist zum Beauftragten für die Eingrenzung des Klimawandels ernannt worden. Schnell wurde deutlich, dass er die Behörde eher abwickeln als verwalten soll. Umweltschutzauflagen auf Kosten der Öl-, Gas- und Kohleindustrie sind nicht im Sinne des Mannes, der in diesen Branchen bestens vernetzt ist. An den vom Menschen verursachten Klimawandel glaubt Pruitt einfach nicht. Das Budget der EPA für den Klimaschutz wird im kommenden Jahr um 30 Prozent gekürzt. Über Jahre hatte Pruitt immer wieder gegen die EPA geklagt, nun leitet er sie. Man mag kaum daran denken, dass die Behörde in Pruitts Hand auch für die Überwachung des Trinkwassers zuständig ist.

Trump selbst will gern zur Atomkraft zurückkehren, er hat bereits eine Wende in der heimischen Energiepolitik hin zu mehr Exporten und Atomkraft angekündigt. Die USA stünden vor einer "Goldenen Ära", so kommentierte Trump das. Seine Regierung werde unter anderem nach Wegen suchen, um der heimischen Nuklearindustrie zu einem Comeback zu verhelfen. Denn er wolle die Atomenergie im Vergleich zu Erdgas und erneuerbaren Energien wettbewerbsfähiger machen.

Was passiert da im Bildungsministerium?

Auch im Bildungsministerium hat Trump für Politik nach seinen Vorstellungen gesorgt. Die neue Bildungsministerin Betsy DeVos hat vor, das amerikanische Schulsystem grundlegend zu verändern. Sie will ein weitgehend privatisiertes Bildungssystem und dass Steuergelder in Charter-Schulen, also private Schulen, fließen - diese Gelder fehlen folglich den staatlichen Schulen im Land. Nicht nur, dass sie in ihrer Senatsanhörung im Januar das Tragen von Gewehren in Schulen verteidigte. DeVos ist Kreationistin und für die Schöpfungslehre an US-amerikanischen Schulen. Sie äußert in Interviews ohne jede Ironie Sätze wie diesen: "Unser Wunsch ist es, die Kultur in einer Weise zu beeinflussen, die Gottes Reich befördert." Was genau sie als Bildungsministerin so alles vorhat, ist noch nicht bekannt.

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