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Nach Gipfel und Cohen-Aussage Donald Trump holt sich Trost bei "Fox-News"-Mann und "Schatten-Stabschef" Sean Hannity

Donald Trump und Sean Hannity
Gemeinsam gegen Ex-Anwalt Michael Cohen: Donald Trump und "Fox-News"-Mann Sean Hannity (r.)
© Screenshot/Fox News / stern
Wenn Donald Trump Zuspruch braucht, geht er zu Sean Hannity von seinem Leib- und Magensender "Fox-News". So auch nach dem geplatzten Gipfel in Hanoi. Zusammen mit seinem Vertrauten lästerte er auch über seinen Ex-Anwalt Michael Cohen.

Die beiden hatten sich natürlich viel zu erzählen, schließlich hatte der Präsident gerade einen der unheimlichsten Diktatoren der Welt getroffen, während im heimischen Washington beider Ex-Anwalt übel vom Leder zog. Sean Hannity und Donald Trump reden überhaupt häufig miteinander, auch ohne Kameras. Schatten-Stabschef nennen sie den "Fox-News"-Moderator deswegen im Weißen Haus. Am Donnerstag also stand Donald Trump Sean Hannity Rede und Antwort. Wobei: Was unter der Rubrik Interview lief, ähnelte mehr einem Kneipengespräch zweier älterer Männer, die sich gegenseitig tröstend auf die Schulter klopfen.

Donald Trump und Hannity teilen sich Ex-Anwalt

Zum geplatzen Gipfel mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un in Hanoi sagte Trump das gleiche, was er auch schon auf der Pressekonferenz ausführte: Dass Nordkorea nicht alle Atomanlagen haben schließen wollen, wie es die Amerikaner verlangten, aber dennoch auf die Aufhebung sämtlicher Sanktionen bestanden habe. "Ich würde nicht sagen, dass die Gespräche unbefriedigend waren, wir haben eine gute Beziehung, aber ich habe entschieden, dass dies nicht der richtige Zeitpunkt war, etwas zu unterzeichnen", so Trump. Interessanter dagegen war, was sich die beiden über ihren gemeinsamen Bekannten Michael Cohen zu sagen hatten.

Der Jurist hatte rund zehn Jahre lang für Donald Trump als Anwalt und Ausputzer gearbeitet. Manche nannten ihn deswegen sogar sein sechstes Kind, doch Cohen hat sich mittlerweile von seinen alten Chef losgesagt und in einer spektakulären Anhörung zahlreiche Vorwürfe erhoben. Gegen den Geschäftsmann als auch gegen den Präsidenten Trump. Unter anderem sagte er vor dem Kongress aus, dass er an den Pornostar Stormy Daniels Schweigegeld auf Anweisung von Trump gezahlt habe. Eine Sichtweise, die weder der Präsident noch der TV-Mann einfach so stehen lassen wollten (auch, weil der Geldfluss gegen Wahlkampffinanzierungsgesetze verstoßen haben könnte und daher strafbar wäre).

Man muss sich auf den Anwalt verlassen können

Sean Hannity also kam seinem Freund und US-Präsidenten zur Hilfe: "Ich habe ihn oft fürs Fernsehen interviewt und dutzende Male hat er erzählt, dass diese Zahlungen seine Entscheidungen waren und er dir nichts davon erzählt hat, er hat es mir persönlich gesagt", so "Fox-News"-Mann Hannity. "Hat er. Er hat die Entscheidung getroffen", erwidert Trump darauf, "und denk dran, er ist Rechtsanwalt. Man muss sich schließlich auf die Entscheidungen seines Rechtsanwalts verlassen können". Soweit, so einig.

Dieser kurze Austausch hat auch prompt das Interesse des oppositionellen Abgeordneten David Cicilline erregt. Sean Hannity habe sich offenbar freiwillig als Zeuge angeboten, sagte der Demokrat: "Ich freue mich schon darauf, dass er seine Behauptungen vor dem Kongress unter Eid wiederholt", sagte er leicht sarkastisch. Offenbar zweifelt er an der Hannitys Wahrhaftigkeit und glaubt eher Michael Cohen, der vor dem Repräsentantenhaus angekündigt hatte, Beweise für seine Version vorlegen zu können. Sollte er Recht behalten, könnte die Schweigegeldzahlung Trump in ernsthafte Schwierigkeiten bringen. Vermutlich eher nicht während seiner Amtszeit, aber danach.

Cohen nimmt es mit der Wahrheit nicht so genau

Hannitys und Trumps Distanzierungsshow aber war damit nicht vorbei. Im April 2018 stellte sich heraus, dass der "Fox-News"-Moderator neben Donald Trump sowie einem Spendeneintreiber einer von drei Cohen-Klienten gewesen sei - ein Umstand, den Hannity damals versucht hatte, kleinzureden. Denn der TV-Mann hätte dann privat und beruflich mit einem Juristen zu tun, der zudem der Anwalt des US-Präsidenten war - eine schwierige Konstellation, solange sie nicht für alle transparent gemacht wird. Nun aber stritt Hannity jedes Engagement ab. "Ich wurde in diese Michael-Cohen-Sache hineingezogen. Aber er war nie mein Anwalt. Er hat sich sogar dafür entschuldigt, dass er das vor Gericht behauptet hat", so Hannity.

Für Sean Hannity spricht: Michael Cohen hat es mit der Wahrheit oft nicht besonders genau genommen - auch nicht unter Eid. Gegen Sean Hannity spricht: Er kann nicht ausschließen, Cohen vielleicht dafür bezahlt zu haben, damit die gemeinsamen Gespräche unter das Anwaltsgeheimnis fallen.

Quellen: "The Daily Beast", "Fox-News", "Contemptor", "Time"


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